Würenlingen
Junge Büsi auf Misthaufen ausgesetzt – nicht alle überlebten

Eine herzlose Tat schockiert die Bauamt-Mitarbeiter in Würenlingen. Das Tierschutz-Präsidentin weiss: Diese Tierquälerei ist kein Einzelfall.

Philipp Zimmermann
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Werden jetzt aufgepäppelt: Whakan und Wapi.

Werden jetzt aufgepäppelt: Whakan und Wapi.

ZVG

Wer beim Bauamt einer Gemeinde arbeitet, bekommt mehr mit als der normale Bürger. Das hat oft seine schönen Seiten. Aber nicht immer. Bauamtleiter Igor Grasic musste dies am Montag erfahren.

Ein Vorfall macht ihn traurig und wütend zugleich. Was ist passiert? Eine ältere Frau rief beim Bauamt an, dass auf dem Misthaufen in ihrem Garten ein totes Kätzchen liege. Die Gemeinde-Mitarbeiter fanden auf dem Misthaufen auch zwei weitere kleine Kätzchen und retten sie damit vor dem Tod.

"Sie haben nicht einmal miaut, so kraftlos waren sie. Und vom Katzenmami war weit und breit nichts zu sehen", erzählt Grasic. Von selbst hätte die Kätzchen nicht auf den Misthaufen kommen können. "Sie sind offenbar ausgesetzt worden", folgert er.

Fünf bis sechs Wochen alt

Grasic brachte die Kätzchen zum Tierheim des Aargauischer Tierschutzverein ATs in Untersiggenthal. "Wir schätzen das Alter der beiden Katzenwelpen auf fünf bis sechs Wochen", sagt Präsidentin Astrid Becker. "Beide sind sehr hungrig, sehr scheu und ängstlich."

"Es sind sehr schöne Kätzchen", meint Grasic. Ein Foto des ATs zeigt: Eines ist ganz schwarz, das andere ein schwarz-graues Tigerli mit Weiss. Im Tierheim haben die herzigen Büsis Namen erhalten. Das schwarze heisst Whakan, das Tigerli Wapi. Zudem haben sie den ersten Tierarztbesuch hinter sich. "Sie bleiben nun einige Wochen bei uns", sagt Becker. "Wir hoffen, dass sie dann ein schönes Plätzchen finden."

Auch Becker geht davon aus, dass die Welpen bewusst ausgesetzt worden sind. So herzlos dies auch ist, eine Einzeltat war das nicht. "Leider kommt so etwas immer wieder vor", sagt Becker.

"Eine Tierquälerei"

Das Aussetzen von Tieren gilt in der Schweiz gemäss Tierschutzgesetz als Straftat, wie Lukas Berger, Jurist beim Schweizer Tierschutz STS, der AZ bestätigt. "Das ist ganz klar eine Tierquälerei."

Dafür liegt die Höchststrafe bei 3 Jahren Gefängnis. In der Praxis werde dieser Strafrahmen aber bei weitem nicht ausgeschöpft. Zum Vergleich: Eine Frau, die ihre beiden Katzen nach der Wohnungsauflösung aussetzte, weil sie diese nicht an den neuen Wohnort mitnehmen wollte, wurde im März 2017 von der Staatsanwaltschaft St. Gallen zu einer Busse von 180 Franken und einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 60 Franken verurteilt.

Die Höhe der Geldstrafe ist abhängig von den finanziellen Verhältnissen des Täters. "Seit einigen Jahren werden im Strafrecht ganz allgemein keine Gefängnisstrafen unter einem halben Jahr mehr ausgesprochen, sondern Geldstrafen", sagt Berger. "Die Zahl der Geldstrafen entspricht etwa der Anzahl Tage Gefängnis."

Ein Problem bei ausgesetzten Tieren ist, dass Täter nur selten erwischt werden. Tierquälerei ist ein Offizialdelikt, das verfolgt werden muss, auch ohne dass jemand eine Anzeige macht.