Oppenheim
Jüdisches Museum: Der Kanton treibt das Projekt voran

Die erste Hürde für ein jüdisches Museum ist genommen worden: Der Kanton lud zu einem runden Tisch. Ein Befürworter ist der Aargauer Kulturchef Thomas Pauli-Gabi – er misst der christlich-jüdischen Geschichte des Surbtals nationale Bedeutung bei.

Pirmin Kramer
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Die Synagoge Endingen könnte zum historischen Schauplatz werden.

Die Synagoge Endingen könnte zum historischen Schauplatz werden.

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Als der Lengnauer Publizist Roy Oppenheim diesen März anregte, die christlich-jüdische Geschichte Endingens und Lengnaus besser zu dokumentieren, startete im Surbtal eine Debatte. Die Idee stiess zwar auf Anklang, Uneinigkeit herrschte aber bei der Frage, wer ein jüdisches Museum finanzieren sollte (az vom 19.4.).

Seit die Vision in den Medien zum Thema wurde, habe er zahlreiche Reaktionen aus der ganzen Schweiz erhalten, sagt Oppenheim. «Letzte Woche ist nun eine erste Hürde genommen worden.» Zum Thema eines jüdischen Museums hat die Abteilung Kultur des Kantons Aargau einen runden Tisch einberufen. Rund 15 Personen diskutierten. Die Teilnehmer hätten sich grundsätzlich positiv zur Idee geäussert, sagt Oppenheim. «Als Nächstes soll eine Projektgruppe gegründet werden, was mich sehr freut.»

Diskussionen seit 30 Jahren

Thomas Pauli-Gabi, Leiter der Abteilung Kultur des Kantons Aargau, bestätigt: «Am runden Tisch waren sich alle einig, dass ein Projekt zur besseren Sichtbarmachung und Vermittlung der jüdischen Geschichte in Endingen und Lengnau wünschenswert wäre.» Das habe ihn persönlich sehr gefreut, denn in der Tat handle es sich um ein spannendes und wichtiges Thema. «Nicht nur für die beiden Gemeinden, sondern auch für den Kanton Aargau, ja für die ganze Schweiz.» An der Gesprächsrunde habe er erfahren, dass es seit 30 Jahren Diskussionen gebe, dieses einzigartige Kulturerbe besser zu präsentieren.

«Schauplätze miteinbeziehen»

Es stelle sich nun die Frage, wie man ein solches Anliegen umsetzen sollte. «Dies muss nicht zwingend mit einem Museum im klassischen Sinn geschehen. Vorstellbar wäre auch, die vorhandenen historischen Schauplätze miteinzubeziehen.» Am runden Tisch seien dazu einige interessante Ideen diskutiert worden, etwa szenische Führungen, ein interaktives Besucherzentrum oder Veranstaltungsreihen.

An der Diskussion beteiligten sich gemäss Thomas Pauli-Gabi Vertreter der Gemeinderäte Endingen und Lengnau, der lokalen jüdischen Organisationen, der Kulturabteilung des Kantons und des Lengnauer Dorfmuseums.

Befürwortend zu einem jüdischen Museum hat sich unter anderem auch Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss geäussert, die in Endingen heimatberechtigt und jüdischen Ursprungs ist. «Es passiert mir so oft, dass ich über die beiden Dörfer erzähle und die Leute dann staunen, dass es solch eine Art ländliches Getto in der Schweiz gab.» Endingen und Lengnau waren ab 1776 fast hundert Jahre lang die einzigen Orte in der Schweiz, in denen sich Juden niederlassen durften.

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