Erne-Metallbau-Konkurs
Jetzt spricht der Erne-Patron: «Für mich ist das eine brutale Sache»

Hans Erne, der ehemalige Patron der H. Erne Metallbau AG in Leuggern, über den Konkurs und wie es dazu kam.

Philipp Zimmermann
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«Es tut mir leid für die Leute», sagt der ehemaliger Besitzer und Patron der H. Erne Metallbau AG.

«Es tut mir leid für die Leute», sagt der ehemaliger Besitzer und Patron der H. Erne Metallbau AG.

Chris Iseli/zvg

Mit dem Konkurs der H. Erne Metallbau AG aus Leuggern ist am Mittwoch eine Ära zu Ende gegangen. Begonnen hat sie vor 36 Jahren – praktisch aus dem Nichts. Der heute 69-jährige Hans Erne startete den Geschäftsbetrieb in einer Garage im Hof der Eltern. Nach und nach wuchs der Betrieb zu einem mittelgrossen Stahl- und Metallbauunternehmen. Sein KMU wurde zu einer der führenden Schweizer Firmen im Stahlwasserbau. Es war bei einigen Bauarbeiten für Schweizer Wasserkraftwerke beteiligt. Weitere wichtige Geschäftsfelder waren der Stahlbau und die Umwelttechnik. Die Firma zählte entsprechend grosse Namen aus dem Energiesektor zu ihren Kunden: ABB, Axpo, Alstom respektive General Electric, Alpiq, BKW oder auch Holcim.

«Völlig verrechnet»

Ein einziger Auftrag riss die Firma ab 2011 in einen Abwärtsstrudel, aus dem es schliesslich kein Entrinnen mehr gab. Es handelte sich um Schweissarbeiten beim Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance im Wallis, das in zwei Jahren am zweitgrössten Stausee der Schweiz fertiggestellt werden soll. Bei der Offerte verkalkulierte sich das Unternehmen in der Länge der zu erledigenden Schweissnähte – und damit um Millionen. Der langjährige Besitzer und Firmenpatron Hans Erne sagt nun zur Schweiz am Sonntag, die ihn telefonisch erreicht: «Hier haben wir uns tatsächlich völlig verrechnet.»

Ende 2014 gaben ihm Andreas und Melchior Lütschg ein erstes Darlehen. Die Brüder aus Glarus besitzen und führen die dortige Fäh Maschinen- und Anlagenbau AG, die in derselben Branche tätig ist. Doch das reichte nicht. Das Ausmass des verhängnisvollen Engagements im Wallis war da allen Beteiligten noch nicht klar. So kam es, dass die Brüder Lütschg ihr Darlehen erhöhten und später 97 Prozent des Aktienkapitals übernahmen. Hans Erne behielt 3 Prozent – bis zum Konkurs. Gegenüber der Schweiz am Sonntag sagt Hans Erne, dass er diese Position nur auf dem Papier innehatte. «Ich war an keinen Sitzungen beteiligt.» Vom baldigen Konkurs erfuhr er selbst erst fünf Tage vorher von Geschäftsleiter Christoph Aerni, der am selben Tag freigestellt wurde.

Vor Konkurs Liegenschaft verkauft

Zu reden gibt in Leuggern, dass die Firmenliegenschaft auf zwei Parzellen erst am Freitag vor dem Konkurs verkauft worden ist. Ebenso, dass die Septemberlöhne nicht mehr gezahlt wurden, obwohl doch mit dem Verkauf viel Geld in die Kasse gespült wurde. Über die Geschäftszahlen am Ende könne er nichts sagen, sagt Hans Erne. Er habe auch keinen Einblick in diese gehabt. Er, der über ein gutes Netzwerk über die Branche hinaus verfügt, war bis zum Schluss in der Akquisition tätig. «Meine Aufgabe war es, Aufträge reinzuholen.»

Unabhängig vom Engagement im Wallis sei dies zuletzt, wegen der schlechten Wirtschaftslage, schwierig gewesen. «Uns haben einige Aufträge gefehlt», konstatiert er. Dass die Auffanggesellschaft zustande gekommen wäre, hätte er begrüsst. Diese hätte bis zu 25 Angestellte übernehmen sollen. Doch sie scheiterte, weil die finanziellen Vorstellungen vom Konkursamt und den Brüdern Lütschg bei der Übernahme des Inventars zu weit auseinanderlagen.

«Es tut mir Leid für die Leute»

Nichtsdestotrotz ist von Hans Erne kein schlechtes Wort über Andreas und Melchior Lütschg zu hören. Er hält ihnen zugute, dass sie viel Geld, sprich einige Millionen Franken, in «seine» Firma investiert hätten. Diese Firma war sein Lebenswerk. Entsprechend sagt Hans Erne: «Für mich ist das eine brutale Sache.» Und er denkt auch an die Angestellten: «Es tut mir leid für die Leute.» Nichtsdestotrotz ist das Kapitel für ihn noch nicht abgeschlossen. Er versucht nun, sein Netzwerk spielen zu lassen. Und so zu helfen, dass der eine oder andere Angestellte woanders eine neue Stelle findet.

Noch befinden sich Firmenfahrzeuge, Maschinen und Waren auf der Liegenschaft der konkursiten H. Erne Metallbau AG – ab Freitag ändert sich das.
6 Bilder
70 Mitarbeiter verlieren ihre Stelle. Das Unternehmen war überschuldet.
H. Erne Metallbau AG ist Konkurs
Der Grundstein für den Konkurs ist laut Firmenbesitzer Andreas Lütschg bei einem Grossauftrag im Jahr 2011 gelegt worden.
Der Grossauftrag beim Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance brachte Erne Metallbau in finanzielle Schieflage
Für die Leuggermer Firma standen am Jahrhundertbauwerk vorübergehend über 60 Schweisser und Monteure im Einsatz. Laut den Besitzern habe man sich vor der Vertragsunterzeichnung total verkalkuliert.

Noch befinden sich Firmenfahrzeuge, Maschinen und Waren auf der Liegenschaft der konkursiten H. Erne Metallbau AG – ab Freitag ändert sich das.

Chris Iseli