Rietheim
Jetzt fliesst offiziell wieder Wasser durch die «Aue Chly Rhy»

Die grösste Aue am Rhein ist am Samstag nach einem Jahr Bauzeit mit einem Festakt eingeweiht worden. Regierungsrat Stephan Attiger sprach zur Eröffnung.

Samuel Frey
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Regierungsrat Stephan Attiger bei der Ansprache zur Einweihung der Aue in Rietheim.

Regierungsrat Stephan Attiger bei der Ansprache zur Einweihung der Aue in Rietheim.

Daniel Desborough

«Der Aargau ist ein Wasser- und Flusskanton. Die Flüsse sind unsere Lebensader, darum müssen wir sie schützen und pflegen», sagt Stephan Attiger, Regierungsrat des Kantons Aargau, am Samstag an der Einweihung der neuen «Aue Chly Rhy» in Rietheim. «Nachdem die Natur lange Zeit uniformiert wurde, können wir mit solchen Projekten der Natur etwas zurückgeben», sagt er weiter. Das ganze Projekt habe nicht immer Rückenwind gehabt, aber seit dem Spatenstich vor etwa einem Jahr sei dieser immer stärker geworden, so Attiger.

Die Natur schien sich beim Politiker gleich direkt bedanken zu wollen, denn der Rückenwind blies tatsächlich. «Auch, die Menschen, die nun die wunderbare Natur vor ihrer Haustüre erleben können, waren uns bei diesem Projekt wichtig», sagt Attiger.

Vor etwa hundert Jahren wurde der «Chly Rhy», vom Rhein abgetrennt, um den Fluss auf den Bau eines Kraftwerks vorzubereiten, das aber nie gebaut wurde. Das Bild begann sich seit April 2014 zu verändern. Markus Birchmeier, Geschäftsführer der Birchmeier Hoch- und Tiefbau AG, die die Bauarbeiten vorgenommen hat, sagt: «Erfolg hatten wir hier, weil alle Beteiligten an einem Strick gezogen haben, und so haben wir die Bauarbeiten etwas früher abschliessen können.» Nun ist dieser Rheinabschnitt wieder eine Aue.

Das 35 Hektaren grosse Auengebiet und damit das grösste am Rhein kostete 10 Millionen Franken. Einen Grossteil davon trugen der Bund und die Kantone. Die Pro Natura steuerte einen grossen Beitrag dazu, aber ohne die Restfinanzierung des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (EWZ) wäre das Projekt kaum möglich gewesen. «Wir haben 1,5 Millionen aus unserem Fonds beigesteuert, der dank unseren Ökostromkunden zusammengekommen ist», sagt Marcel Frei, Direktor des EWZ.

Aber wieso erhält gerade dieser Teil des Flusses wieder eine dynamischere Form? «Dieses Stück Rhein ist der einzige längere Abschnitt zwischen dem Rheinfall und Basel, in dem der Fluss noch ungehindert von Kraftwerken und Stauungen fliesst», sagt Erik Olbrecht, Projektleiter Departement Bau Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau.

Thomas Urfer, Präsident der Pro Natura Aargau, die bei der Planung sowie bei der Umsetzung beteiligt war, stellte zu Beginn seiner Festrede seine Organisation kurz vor: «Wir sind ein gemeinnütziger Verein wie die Fifa – nur nicht korrupt.» Neben diesem Scherz betonte er die Wichtigkeit des Naturschutzes und die Rolle, die darin Auen spielen.

Zu den Kosten sagt Urfer: «Auf den ersten Blick scheint es sich um sehr viel zu handeln, aber dieses Geld reicht im Vergleich nur für zwei mittlere Kreisel.» Der Gemeindeammann von Rietheim, Beat Rudolf, stand dem Projekt zu Beginn recht skeptisch gegenüber, aber je mehr die Aue Gestalt annahm, desto grösser wurde auch seine Zustimmung: «Ich bin froh und stolz, der Gemeindeammann des schönen und lebenswerten Auen-Dorfs Rietheim zu sein.»