Klingnau
Internationales Flair am Klingnauer Chlausmärt

30 Jahre Chlausmärt: Frisch, fröhlich und auch kulinarisch kunterbunt wie eh und je. Bei aller Vielfalt bleibt der Klingnauer Chlausmärt aber stets übersichtlich und heimelig.

Rosmarie Mehlin
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Der Chlausmärt lockte Gross und Klein ins Städtchen. RMM

Der Chlausmärt lockte Gross und Klein ins Städtchen. RMM

Mit Schleifpapier, Hammer und Nägeln haben die Viertklässler der Primarschule im Werkunterricht Vasenhalter gezimmert – mit Schwemmholz aus der Aare. Man konnte auch Olivenöl aus Palästina, Adventskränze aus Villigen, Sirup aus Rumänien kaufen: Klingnau hat zweifellos ein internationales Flair. Jedenfalls am Chlausmärt.

Allein schon die kulinarische Vielfalt rund um die Stadtkirche war beachtlich: Die regionalen Petri-Jünger lockten mit gebackenen Forellenfilets, verkauften sie und Zanderfilets aber auch roh. Der Beck Gfeller buk vor dem Laden gluschtige Berliner frisch schwimmend heraus. Daneben beschriftete Bäckerin Martina Lebkuchenherzen nach Kundenwunsch. Im Rittersaal gab’s Spaghetti, am Stand der Fassination Steelband Raclette, die Städtlifäger luden zusammen mit dem Skiclub 7sieche zum Fondue, das in einem grossen Topf über offenem Feuer köchelte.

Schüler verkauften Punsch

Tomatensuppe konnte am Stand vom gemeinnützigen Frauenverein gelöffelt werden. Hier wurden auch, mittels Diamantbohrer und Edelstahlbolzen, selbst gebaute Etagèren aus bunt zusammengewürfelten Porzellanteilen feilgeboten. Und Mistelzweige für Leute, die entweder gerne küssen – denn unter einem solchen herrscht, nach englischer Tradition, totale Kussfreiheit – oder die gerne zaubern: Ohne Misteln nämlich geht beim Druiden Miracolix rein gar nix.

Am Stand der Primarschule bot Viertklässler Loris nicht nur die Schwemmholz-Vasenhalter in den höchsten Tönen an, sondern auch Glückwunschkarten – «mit em Glättiise gmacht» – Mützen und Schals sowie Kürbissuppe «vom Eltererot».

Die Bezler, die zwecks Äufnung der Lager-Kassen ebenfalls hinter Ständen Position bezogen hatten, waren preispolitisch ziemlich uneinig: Bei den 2.Bezlern kostete ein Tässli Punsch 1 Franken und eine frische Waffel 1.50, bei den 4.Bezlern 2 Stutz, respektive 3.50. Aus Rumänien, wo das Hilfswerk «Dienende Hände» Notleidende durch Hilfe zur Selbsthilfe unterstützt, konnte man unter anderem Hagenbutten-Konfi kaufen, Tannenspitzen-Sirup – gut für die Bronchien – oder Sakuska-Brotaufstrich aus Auberginen, Tomaten und Peperoni. Einem Kindergarten im tschechischen Rumberg, in dem Roma- und Nicht-Roma-Kinder gemeinsam spielen, lachen und singen, kommt der Erlös vom Kerzenziehen zugute, das die Kirchgemeinde organisiert hatte.

Es wurde noch gar so manches andere feilgeboten: Nuscheli, «fusioniertes» Glas und sprudelnde Bade-Muffins, Weihnachtschrömli und Weihnachtsengel in ganz verschiedenen Variationen. Doch bei aller Vielfalt bleibt der Klingnauer Chlausmärt übersichtlich und heimelig. Er ist eben genauso klein aber fein wie das Städtchen.

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