Kleindöttingen
In dieser Aargauer Gemeinde sollen 30'000 Hanfpflanzen wachsen

Ein Start-up-Unternehmen möchte in Kleindöttingen CBD-Pflanzen anbauen. Die Plantage würde zu den grösseren in der Schweiz zählen.

Stefanie Garcia Lainez
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Franz Carl Weber und CBD-Plantage bald unter einem Dach?

Franz Carl Weber und CBD-Plantage bald unter einem Dach?

sga

Das grosse Industrie- und Gewerbegebiet im Böttsteiner Ortsteil Kleindöttingen bietet Platz für zahlreiche Unternehmen. Hier lagert das Zürcher Traditionsunternehmen Franz Carl Weber rund eine Viertelmillion Spielsachen. Hier befindet sich das Testcenter des Auto Gewerbe Verbandes Schweiz. Und hier sollen bald auch 30'000 CBD-Cannabispflanzen angebaut werden. Das Umnutzungsgesuch für die bestehende Halle an der Industriestrasse 7 in eine CBD-­Anlage liegt noch bis zum 23. Dezember auf. Hinter dem Gesuch steht das erst im September gegründete Unternehmen Sainfort Production GmbH aus Schlieren.

CBD steht für Cannabidiol und wird aus dem weiblichen Hanf gewonnen. Seit 2011 sind Hanf-Zigaretten mit CBD-Gras in der Schweiz legal. CBD gilt als nicht berauschend und darf angebaut, verkauft und kon­sumiert werden, solange der THC-Gehalt den gesetzlichen Grenzwert von einem Prozent nicht übersteigt. Dem CBD werden wahre Wunder nachgesagt: Der Hanf soll unter anderem bei multipler Sklerose helfen, die Beschwerden bei Epilepsie, Schlafstörungen, Übelkeit und Migräne lindern, und in Laborversuchen soll er sogar gewisse Krebszellen abgetötet haben.

Hanfgeruch ausserhalb der Halle nicht riechbar

Nun sollen also bald auch in Kleindöttingen auf 3500 Quadratmetern CBD-Pflanzen angebaut werden, in einer der vergleichsweise grösseren Indoor-­Anlagen der Schweiz. In fünf Produktionsboxen, die zwölf Stunden Tag und zwölf Stunden Nacht simulieren, soll der Hanf etwas mehr als zwei Monate wachsen. Durch das geschlossene Luftsystem der Boxen könne man den Hanf ausserhalb der Produktionshalle nicht riechen, sagt Geschäftsführer Jetlum Memedi, der zusammen mit weiteren Investoren hinter Sainfort Production steht.

Industriegebiet sei gut erschlossen

Im Aussenbereich sollen Rückkühler angebracht werden. Sind die Blüten reif, werden sie geerntet und als Rauchwaren verkauft oder zu Öl weiter verarbeitet. «Wir legen grossen Wert auf eine sehr saubere, keimfreie und möglichst biologische Produktion ohne Chemikalien», sagt Jetlum Memedi. Die Produktion würde dementsprechend GMP- und ISO-zertifiziert werden.

In Kleindöttingen habe man den idealen Standort für die geplante CBD-Anlage gefunden, sagt Jetlum Memedi. Das Industriegebiet sei gut erschlossen, der Weg von Schlieren nicht zu weit, und das Gebäude verfüge über die passenden Räumlichkeiten. Am selben Standort befindet sich auch das Zentrallager des Spielwarenhändlers Franz Carl Weber. «Wir befinden uns im rechten Teil, Franz Carl Weber im linken Teil des Gebäudes.»

Mehrmals pro Jahr werden 30 Erntehelfer angestellt

Das Unternehmen beschäftigt auf die beiden Standorte Schlieren und Kleindöttingen verteilt insgesamt zehn Mitarbeiter. Für die Ernte werden regelmässig rund 30 Erntehelfer aus der Region während mehrerer Tage in Kleindöttingen angestellt. Die Produkte sollen dereinst online und in geplanten, neuen Läden in den grössten Schweizer Städten und möglicherweise auch in der Region Baden verkauft werden. Das Massageöl, das auch Physiotherapeuten anwenden können, soll zudem in Apotheken erhältlich sein.

«Wir verfügen über grosse Erfahrungen und setzen auf Qualität, nicht auf Quantität», sagt Jetlum Memedi, der in Zürich bereits einen Laden für CBD-Produkte eröffnete. Deshalb sei er auch zuversichtlich, im unterdessen stark gewachsenen CBD-Markt mithalten zu können.

Gemäss Prognosen steigt das Marktpotenzial in den kommenden Jahren auf über 60 Milliarden Dollar weltweit. Das Umsatzpotenzial für die Schweizer Cannabis-Industrie wird laut European Cannabis Report auf bis zu 5 Milliarden Franken geschätzt.