Bad Zurzach
In der Propstei in Bad Zurzach wird jetzt auch gerichtet

Neue Räume für das Familiengericht als neue Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde und zwar im ersten Stock der Propstei. Dort ist neben dem Familiengericht aus das Arbeits- und das Zwangsmassnahmengericht untergebracht.

Rosmarie Mehlin
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Gerichtspräsident Cyrill Kramer, Psychologin Annemarie Peter, Juristin Isabelle Stieger und Sozialarbeiterin Doris Tommer an der Einweihung der neuen Räumlichkeiten in der Propstei (von links).

Gerichtspräsident Cyrill Kramer, Psychologin Annemarie Peter, Juristin Isabelle Stieger und Sozialarbeiterin Doris Tommer an der Einweihung der neuen Räumlichkeiten in der Propstei (von links).

Emanuel Freudiger

Das Bezirksgericht Zurzach, an der Hauptstrasse im markanten Rathaus mit der hellroten Fassade domiziliert, hat an derselben Strasse, ein paar Häuser und zwei Kirchen weiter, im ersten Stock der Propstei eine Dependance bekommen.

Eine gut gelaunte, illustere Gesellschaft versammelte sich am Donnerstagabend zur Einweihung der hellen Räume im 1. Stock. Der geschäftsführende Gerichtspräsident Cyrill Kramer konnte eine stattliche Schar von Juristen, Kanzlisten, Richterinnen und Richter, Behördenvertreter der umliegenden Gemeinden begrüssen. Zwar, so meinte Kramer, wäre es zweifellos sinnvoller gewesen, wenn die Räumlichkeiten im Dachgeschoss vom Rathaus hätten genützt werden können.

Dort aber sei nach wie vor das Untersuchungsgefängnis untergebracht. Dessen Aufhebung ist zwar seit Längerem geplant, doch da die Zellen stets voll belegt sind, sei die Realisierung auf (vorläufig) frühestens 2014 aufgeschoben.

Neues Gesetz nach 100 Jahren

Das Vormundschaftsrecht ist im Schweizerischen Zivilgesetzbuch geregelt und stammt aus dem Jahre 1912. Fast 100 Jahre lang blieb es praktisch unverändert, bis die eidgenössischen Räte im Dezember 2008 dem total revidierten Vormundschaftsgesetz - neu Kindes- und Erwachsenenschutzrecht (KESR) - grossmehrheitlich zugestimmt haben. Seither war auch der Kanton Aargau damit beschäftigt, die für die Umsetzung erforderlichen organisatorischen Regelungen zu treffen. Das KESR tritt auf den 1. Januar 2013 in Kraft.

Gerichtsmodell für den Aargau

Der Bund hatte es den Kantonen freigestellt, zur Umsetzung des KESR (siehe Box) Verwaltungsstellen oder Gerichte einzusetzen. Als einziger Deutschschweizer Kanton hatte sich der Aargau für ein Gerichtsmodell entschieden. So werden anstelle der Gemeinderäte nun die Familiengerichte die Funktion als Vormundschaftsbehörde ausüben. Daneben untersteht dem Gremium das klassische Familienrecht wie Ehescheidungen, Eheschutzverfahren, Vaterschaftsprozesse und Unterhaltsklagen.

Im Frühling waren in allen Bezirken Familien- und Fachrichter gewählt worden – entsprechend ist das Raumbedürfnis gestiegen. In Bad Zurzach wurden, frisch herausgeputzt, helle Räume in der Propstei, in denen ehemals das Bezirksamt untergebracht war – das in der neuen, in Brugg domizilierten Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach aufgegangen ist – bereitgestellt. Hier arbeiten künftig, unterstützt von zwei Gerichtsschreibern und zwei Kanzleimitarbeitern, die Juristin Isabelle Stieger als Gerichtspräsidentin und die Psychologin Annemarie Peter aus Wettingen sowie die Sozialarbeiterin Doris Tommer aus Lengnau als nebenamtliche Fachrichterinnen.

Cyrill Kramer, in dieser Funktion und als Vorsitzender von Zivil-, Straf- und Jugendgericht seit 1995 in Bad Zurzach tätig, wird fallweise auch als Einzelrichter im Familienrecht amten. In den Gerichtsräumen in der Propstei sind im Übrigen nebst dem Familien- auch das Arbeits- und das Zwangsmassnahmengericht untergebracht.

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