Böttstein
In Böttstein rührt sich Widerstand gegen Plan des Gemeinderates

Der Gemeinderat will den Beschluss, Schulsozialarbeit einzuführen, rückgängig machen – die Schulpflege wehrt sich. «Es wäre ein Armutszeugnis für Böttstein, wenn dem Antrag des Gemeinderates zugestimmt würde», sagt Schulpflegepräsident Pius Sutter.

Pirmin Kramer
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Ammann Gosteli sagt, es gebe bereits ein vielfältiges Angebot für Schüler mit sozialen Problemen.

Ammann Gosteli sagt, es gebe bereits ein vielfältiges Angebot für Schüler mit sozialen Problemen.

Alex Spichale

An der Gemeindeversammlung wird darüber abgestimmt, ob der Beschluss aus dem Jahre 2009, Schulsozialarbeit einzuführen, wieder aufgehoben werden soll. «Eine Schule ohne Schulsozialarbeit ist nicht zeitgemäss», sagt Sutter. «Unsere Schüler, Lehrer und Eltern sind auf diese Stelle angewiesen.» 532 Unterschriften haben Schulpflege und Schulleitung für eine Petition sammeln können, die auf die Notwendigkeit der Schulsozialarbeit aufmerksam macht.

Im November 2009 hatte die Gemeindeversammlung beschlossen, eine 50-Prozent-Stelle für Schulsozialarbeit zu bewilligen, ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin hätte ab Januar 2010 mit der Arbeit beginnen sollen. «Eine Wahl kam allerdings nicht zustande», heisst es in den Unterlagen zur Versammlung.» Sutter erklärt: «Es wäre möglich gewesen einen valablen Kandidaten zu finden, obwohl die Suche sich zu dieser Zeit nicht einfach gestaltete. Seither streicht uns der Gemeinderat die Schulsozialarbeiter-Stelle jährlich aus dem Budget, was uns sehr enttäuscht.» Es seien die Stimmbürger an der Gemeindeversammlung 2011 gewesen, die einen entsprechenden Kredit abgelehnt hätten, entgegnet Gemeindeammann Patrick Gosteli.

Warum rückgängig machen?

Warum aber will der Gemeinderat einen Beschluss, den die Bürger gefällt haben, wieder rückgängig machen? Gosteli: «Nachdem wir keinen geeigneten Kandidaten finden konnten, kam das Thema Schulhaus-Renovation auf den Tisch. Wir müssen nun 6 Mio. Franken in den Teilneubau des Schulhauses Rain investieren statt der ursprünglich vorgesehenen knapp 2 Mio. Franken. Die finanziellen Mittel für einen Schulsozialarbeiter stehen nicht mehr zur Verfügung.»

Die Schule, argumentiert Gosteli weiter, werde aufgrund der Annahme der Gesetzesvorlage «Stärkung der Volksschule Aargau» massiv entlastet. Und weiter verfüge Böttstein über eine sehr gute Schule. In den letzten Jahren sei ein vielfältiges Angebot auf die Beine gestellt worden, von dem auch Schülerinnen und Schüler mit sozialen Problemen profitieren könnten.

Schon heute stünden Lehrpersonen, Eltern und Schülern verschiedenste Hilfsangebote zur Verfügung, etwa der schulpsychologische Dienst, Suchtberatungsstellen und viele mehr. «Zudem prüft der Kanton Aargau die flächendeckende Einführung der multisystemischen Therapie, eine Behandlung für Jugendliche zwischen 12 und 17 mit stark auffälligem Sozialverhalten.»

«Brauchen jemanden vor Ort»

Diese Argumentation kann Schulpflegepräsident Sutter nicht nachvollziehen. «Ich bin überzeugt, dass sich Schulsozialarbeit langfristig finanziell auszahlen würde, weil Eskalationen verhindert und beispielsweise teure Heimaufenthalte verhindert werden können.» Dass es bereits genügend Angebote gebe, stimme nicht, so Sutter. «Der Schulsozialarbeiter soll erste Anlaufstelle sein für Schüler, Lehrer und Eltern. Wir brauchen jemanden vor Ort, der sofort helfen kann.»

Gemeindeversammlung, 21. November, 20 Uhr, Mehrzweckhalle Kleindöttingen.