Lengnau
Immer mehr Rentner beziehen Sozialhilfe

Danielle Mühlebach leitet seit Anfang Jahr den neu geschaffenen regionalen Sozialdienst Surbtal. Jetzt spricht sie über ihre Erfahrungen mit Asylanten und Sozialhilfebezügern.

Pirmin Kramer
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Danielle Mühlebach

Danielle Mühlebach

Annika Bütschi

Es kommt nicht selten vor, dass Danielle Mühlebach ein gutes Wort für ihre Klienten einlegen muss. «Nicht alle Sozialhilfeempfänger sind Schmarotzer, und nicht alle Asylsuchenden sind Wirtschaftsflüchtlinge», sagt sie. «Es gibt viele Menschen, die schlicht keinen Platz in unserer Gesellschaft finden. Das hat nichts mit Faulheit zu tun.» Früher habe man auch Leute mit schlechter Bildung in den Arbeitsmarkt integrieren können. «Ich habe die Befürchtung, dass es immer schwieriger werden wird, diese Leute zu integrieren – trotz vieler Bemühungen.»

Der regionale Sozialdienst war ein Teilprojekt des Zusammenarbeitsprojektes «Perspektive Surbtal». Mühlebach kümmert sich jetzt seit dem 1. Januar für die vier Gemeinden Lengnau, Endingen, Unterendingen und Tegerfelden unter anderem um Sozialhilfefälle, Asylbewerber und das Vormundschaftswesen. «In all diesen Bereichen werden die Fälle immer komplexer», sagt Mühlebach. Was am meisten Zeit beanspruche, sei die Betreuung der Menschen, die Sozialhilfe beziehen. «Es müssen viele Formulare ausgefüllt werden, bis man Sozialhilfe erhält.»

Vermehrt Rentner betroffen

Nur wenn alle Stricke reissen, sagt Mühlebach, erhalte man Sozialhilfe. «Es sind vermehrt Rentner betroffen, die im Altersheim leben und die Ausgaben nicht mehr decken können.» Eine Verallgemeinerung sei aber nicht möglich – Sozialhilfe beziehen junge Menschen ohne Job, alleinerziehende Mütter oder nicht mehr arbeitsfähige Familienväter.

Im Surbtal seien die Strukturen zwar ländlich, und es gebe wenige Wohnblöcke, die Sozialhilfeempfänger zweifellos anziehen würde, wie Mühlebach sagt. «Aber auch bei uns nimmt die Zahl der Sozialfälle zu.» Derzeit beziehen rund 40 Personen im Surbtal Sozialhilfe.

Eine Art Seelsorgerin

Manchmal sei sie auch eine Art Seelsorgerin. «In meinem Job lernt man das Leben der Menschen kennen, die herkommen. Es gibt viele Schicksalsschläge. Es geht mir nahe, wenn Kinder betroffen sind; wenn die Eltern sich um sie streiten.»

Wöchentlich kümmert sich Mühlebach um die Asylbewerber in Endingen und Lengnau. «Ich muss ehrlich sagen, dass sie gut aufgenommen worden sind», sagt sie. In Endingen leben drei Frauen mit Kindern aus Eritrea, in Lengnau eine weitere Asylanten-Familie. «Ich arbeite sehr gerne mit ihnen zusammen. Und sie sagen mir, dass es ihnen insgesamt gut gefällt.»

Der Kanton muss bald mehr Asylsuchende aufnehmen. «Ich bin gespannt, welche Vorschläge der Kanton machen wird und wo die Nordafrikaner unterkommen.» Im Surbtal fehlten wohl die Liegenschaften. «Die Massen sind schon extrem. Es ist wichtig, dass man weiterhin in jedem Fall überprüft, ob es sich wirklich um politische Flüchtlinge handelt.»