Koblenz
Im Aargau kann man Meerschweinchen mieten – Tierschützerin sieht das als Notlösung

Laut Schweizer Gesetz müssen Meerschweinchen mindestens zu zweit gehalten werden. Stirbt das eine, können Leihtiere zum Zug kommen. Solche gibt es zum Beispiel in Koblenz. Die Tierschützerin mahnt, eine Tierleihe gut durchzudenken.

Sharleen Wüest
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«Je jünger die Tiere sind, desto besser ertragen sie die Strapazen», erzählt die Züchterin aus dem Aargau.

«Je jünger die Tiere sind, desto besser ertragen sie die Strapazen», erzählt die Züchterin aus dem Aargau.

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Der Haustierverkauf boomt in der Coronakrise. Katzen sind besonders gefragt. Doch mit Tieren kommt auch immer Verantwortung – manchmal mehr, als man denkt, zum Beispiel bei Meerschweinchen.

Die Nager sind soziale Tiere und müssen laut Schweizer Gesetz mindestens zu zweit gehalten werden. «Ihre ganze Lebendigkeit wird erst sichtbar, wenn sie tiergerecht in einer Gruppe von mindestens zwei, besser aber drei oder mehr Meerschweinchen gehalten werden», schreibt der Bund auf seiner Website. Stirbt das eine, muss ein neues gekauft werden. Deshalb wurden Leihmeerschweinchen eingeführt. Die Initiantin des Schweizer Leihmeerschweinchen-Projekts ist Priska Küng aus Hinwil. Auf der offiziellen Webseite findet man Adressen von Züchterinnen und Züchtern.

Das Zuhause der Meerschweinchen in Koblenz.

Das Zuhause der Meerschweinchen in Koblenz.

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Doris Rindlisbacher vermietet in Koblenz Meerschweinchen. Mit dem Züchten hat sie vor über 25 Jahren aus Liebe zum Tier und ihrer seelischen Gesundheit begonnen. Inklusive Patentiere leben im Moment 62 Meerschweinchen bei Rindlisbacher. Vor der Ausleihe würden Eckdaten sowie der Kostenbeitrag bestimmt. Handle es sich bei dem hinterbliebenen Tier um ein kastriertes Männchen, werde ein Weibchen bevorzugt und umgekehrt. «Ist das Männchen nicht kastriert, sieht man jedoch von einem Weibchen ab, weil es Junge geben könnte», erklärt Rindlisbacher. Zwei Weibchen empfiehlt die Züchterin nicht, weil es in reinen Weibchengruppen öfters Streit gibt.

Tiere müssen in Quarantäne

Vor allem bezüglich des Alters gibt es bei den Leih-Tieren Beschränkungen. In Koblenz werden höchstens vierjährige Meerschweinchen zur Ausleihe abgegeben. Für ältere Tiere sei der Stress zu gross. Der Artgenosse für ein sechs- bis acht- jähriges Tier soll mindestens einjährig sein. Ansonsten gebe es gegen unten keine Altersbeschränkung. «Je jünger die Tiere sind, desto besser ertragen sie die Strapazen», fügt Rindlisbacher an. Zudem könne das Jungtier so auch vom älteren Artgenossen erzogen werden – ein Vorteil.

Aus tierschützerischer Sicht akzeptabel

So sieht ein Beispielsvertrag in Koblenz aus.

So sieht ein Beispielsvertrag in Koblenz aus.

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Wie viele Tiere in Koblenz wöchentlich zur Ausleihe abgegeben werden, ist immer etwas unterschiedlich. Coronabedingt merkt Rindlisbacher keinen Unterschied. Tiere, die zurückgebracht werden oder sonst neu zu ihr stossen, müssen sich für zwei bis vier Wochen in Quarantäne begeben. Nicht etwa wegen dem Coronavirus, sondern um die Züchterin vor sonstigen Krankheitserregern zu schützen. Die Zeit in Quarantäne verbringen sie gesetzeskonform nicht allein, sondern mit einem bereits in Koblenz wohnhaften Meerschwein.

Der Meerschweinchen-Verleih ist umstritten, geht aus tierschützerischer Sicht aber in Ordnung, wie Helen Sandmeier vom Schweizer Tierschutz STS erzählt. Am wichtigsten sei, dass die Meerschweinchen nicht alleine seien. Stirbt ein Tier, wird man vor die Frage gestellt, ein Gespänchen zu holen oder das Tier wegzugeben. Sich vom eigenen Haustier zu trennen, sei jedoch nicht einfach und häufig auch nicht gewünscht, sagt Sandmeier.

Verleih scheint wie eine Notlösung

Trotzdem soll die Tier-Miete gut durchdacht sein. «Man nimmt das Meerschweinchen aus seiner gewohnten Umgebung und bringt es an einen neuen Ort», erläutert Sandmeier. Zudem sei immer unklar, ob die beiden Tiere miteinander auskommen. Die Tierschützerin appelliert an die Verantwortung der Züchter, das Tier artgerecht zu behandeln und nicht mehrmals zu vermieten. Denn jede Vermietung führe zu Stress für das Tier.

Der Verleih macht aus Sandmeiers Sicht Sinn, scheint jedoch wie eine Notlösung. «Die Tiere werden so zu einer Art Ware. Wie ein Wanderpokal, den man rumgibt», sagt sie. Schlussendlich liege die Entscheidung bei den Haltern.