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«Ich kann mich nur selber schlagen»: Davide Faraci will seinen achten Titel

Zwei Verletzungen, eineinhalb Jahre Pause, ein neuer Trainingsort und eine neue Gewichtsklasse – Boxer Davide Faraci blickt auf eine turbulente Zeit zurück.

Fabio Baranzini
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«Ich will allen zeigen, dass ich wieder da bin und dass sie mit mir rechnen müssen», sagt Davide Faraci vor den Schweizer Meisterschaften.

«Ich will allen zeigen, dass ich wieder da bin und dass sie mit mir rechnen müssen», sagt Davide Faraci vor den Schweizer Meisterschaften.

Fabio Baranzini

Als Boxer ist es Davide Faraci gewohnt, hart zu arbeiten, zu kämpfen und sich durchzubeissen. Mit 18 Jahren musste er sich einen bösartigen Tumor an der Ohrspeicheldrüse entfernen lassen. Zwei Operationen waren nötig. Noch heute sieht man eine feine Narbe unter dem Ohr des 24-Jährigen.

Seine Kämpferqualitäten haben ihn zu einem Ausnahmeathleten in der Schweizer Amateur-Boxszene gemacht. 2012 fehlte ihm nur ein Sieg, und er hätte sich völlig überraschend für die Olympischen Spiele in London qualifiziert. Im selben Jahr wurde er vom Schweizer Verband zum besten Amateurboxer seit 50 Jahren gekürt. Doch nach diesen Erfolgen musste Davide Faraci mehr kämpfen, als ihm lieb war. Und das einmal mehr vor allem neben dem Ring.

Der italienisch-schweizerische Doppelbürger verletzte sich 2013 an der Schulter. Der Sehnenriss setzte ihn beinahe ein ganzes Jahr ausser Gefecht. Als die Verletzung überstanden war, folgte gleich die nächste Hiobsbotschaft. Er riss sich erneut eine Sehne. Diesmal an der rechten Hand. Wieder musste der siebenfache Schweizer Meister ein halbes Jahr pausieren. In dieser schwierigen Phase vermisste Faraci die Unterstützung des Schweizer Boxverbandes. «Ich spürte, dass sie nicht mehr an mich glaubten und mich nicht mehr richtig unterstützten», so der Zurzibieter, der in Gippingen aufwuchs und nun in Kleindöttingen wohnt.

Keine Rücktrittsgedanken

Davide Faraci machte sich viele Gedanken und hinterfragte seine Sportlerkarriere. Ans Aufhören dachte der gelernte Automatiker, der neben dem Boxen 60 Prozent in seinem Lehrbetrieb arbeitet und zusätzlich seit März eine Ausbildung zum Personal Trainer absolviert, aber nie. «Dafür mache ich meinen Sport zu gern. Das Boxen hat mich geprägt und mir viel gegeben», sagt er. Aber er spielte mit dem Gedanken, die Schweiz zu verlassen und in seiner zweiten Heimat Italien zu trainieren. «Dort hat Boxen einen viel höheren Stellenwert und das Training ist professioneller», weiss Faraci, der sich in Italien schon mehrmals auf Wettkämpfe vorbereitet hat.

Trotzdem hat sich Davide Faraci gegen den Wegzug entschieden. Zu viel hielt ihn in der Schweiz. Familie, Freunde und nicht zuletzt auch sein Job. Dennoch entschloss sich Faraci zu Beginn dieses Jahres, einige Dinge zu ändern. Nach über zehn Jahren verliess er den Boxclub Baden und seinen langjährigen Trainer Engin Köseoglu. Seine neue Trainingsbasis hat er in Zürich. «Im Boxclub Zürich hat es mehr Boxer, die auf Wettkampf-Niveau boxen und so kann ich in jeder Einheit auf meinem Niveau trainieren», sagt Faraci.

«Ich habe immer hart trainiert, aber gemerkt, dass mein Körper das nicht aushält.»
Davide Faraci.

Doch der 24-Jährige hat nicht nur den Trainingsstandort gewechselt, sondern auch die Gewichtklasse. Statt im Mittelgewicht (bis 75 kg) tritt Davide Faraci seit Anfang diesen Jahres im Halbschwergewicht (bis 81 kg) an. Und das mit gutem Grund. «Ich habe immer hart trainiert, aber gemerkt, dass mein Körper das nicht aushält. Das war auch der Grund für die Verletzungen. Wenn ich nun im Halbschwergewicht antrete, kann ich mehr Muskelmasse aufbauen und bin dadurch weniger anfällig für Verletzungen», erklärt Faraci. Mit gezieltem Krafttraining und einer angepassten Ernährung hat sich der Zurzibieter die zusätzlichen Kilos schnell antrainiert. Auch die ersten Siege in der neuen Gewichtsklasse hat Faraci bereits in der Tasche.

An den Schweizer Meisterschaften dieses Wochenende sollen die nächsten folgen. Obwohl Faraci diesen Titel schon sieben Mal gewonnen hat, sind die nationalen Meisterschaften diesmal besonders wichtig für ihn. Nachdem er sich im letzten Jahr wegen seiner Handverletzung nicht optimal vorbereiten konnte und «nur» Silber gewonnen hat, will er den Titel zurückholen. «Ich will allen zeigen, dass ich wieder da bin und dass sie mit mir rechnen müssen», gibt sich Faraci kämpferisch. Der 24-Jährige sieht sich denn auch als Favorit. «Wenn ich mein Potenzial abrufe, gewinne ich den Titel. Ich kann mich eigentlich nur selber schlagen, aber wenns im Kopf klemmt, dann hat man schnell verloren.»

Der Olympiatraum lebt

Doch an dieses Szenario verschwendet Faraci keine Gedanken. Viel lieber konzentriert er sich auf die bevorstehenden Aufgaben. Für die Olympischen Spiele in Rio will er sich qualifizieren. Zwar hat er wegen seinen Verletzungen den vorgesehenen Qualifikationsweg via Europa- und Weltmeisterschaft verpasst, doch im Juni erhält er bei einem Turnier noch eine letzte Chance. «Natürlich ist es nicht optimal, dass ich mich erst so spät qualifizieren kann. Aber solange die Chance besteht, werde ich alles daransetzen, in Rio dabei zu sein», sagt Faraci. Eine weitere Herausforderung, bei der er seine Kämpferqualitäten unter Beweis stellen kann.

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