Koblenz
«Ich habe mich mit der Gemeinde identifiziert»

Alfred Frei geht nach knapp 42 Jahren als Gemeindeschreiber in Koblenz in Pension. Er hat sich nie für eine andere Stelle beworben.

Louis Probst
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Alfred Frei

Alfred Frei

Eva Wanner

"Vor einem Jahr noch habe ich gedacht, dass es nicht einfach werden würde, loszulassen“, meint Alfred Frei auf die Frage nach der Befindlichkeit angesichts des bevorstehenden Ruhestandes. „Jetzt bin ich eigentlich ganz froh. Zudem bin ich anfangs des kommenden Jahres genügend ausgelastet. Ich habe gar keine Zeit zum Grübeln. Ich werde in einem Teilpensum meinen Nachfolger einführen. Zudem werde ich das Archiv bereinigen – obwohl ich stets alles gefunden habe, was ich brauchte. Und ich habe angeboten, mich für spezielle Sachen zur Verfügung zu stellen, wenn ich gebraucht werde. Auch privat habe ich einiges vor."

Letzter Tag: Von wegen

Vor knapp 42 Jahren, am 1. April 1971, hatte Alfred Frei in Koblenz die Stelle als Gemeindeschreiber angetreten. Der Ort seines künftigen Wirkens war ihm wohlbekannt. Auf der Gemeindeverwaltung Koblenz hatte Alfred Frei, der in Koblenz aufgewachsen ist, seine kaufmännische Lehre absolviert. „Am letzten Tag meiner Lehrzeit habe ich gedacht: So das ist jetzt dein letzter Tag in diesem Gemeindehaus.“ Es sollte anders kommen.

Vorerst betreute Alfred Frei während zwei Jahren in Personalunion die Gemeinden Fisibach und Siglistorf. „Ich habe dort alles allein gemacht“, erinnert er sich. „Ich war Gemeindeschreiber, Finanzverwalter und Steueramtsvorsteher. Und irgendwie ist es gegangen.“

Im Jahre 1971 kehrte er nach Koblenz zurück. „An sich wäre ich zwar gerne in eine grössere Gemeinde gegangen“, sagt er. „Mein Ziel war es immer, das Patent als urkundsberechtigter Gemeindeschreiber zu erlangen. In vielen grösseren Gemeinden verfügten damals die Gemeindeschreiber über dieses Patent. Als aber die Stelle in Koblenz unerwartet frei wurde, hat sie mich plötzlich gereizt. Nach einem Jahr hatte ich auch das Patent als urkundsberechtigter Gemeindeschreiber erlangt. Ich bin aber in Koblenz geblieben. Damals gab es ja noch die Wohnsitzpflicht. Zudem erhielt ich von meinem Vater einen Bauplatz. Ich habe geheiratet und eine Familie gegründet. Daher bin ich geblieben. Ein wichtiger Grund war auch, dass ich in Koblenz die Leute kannte. Ich habe im FC Fussball gespielt und mich auch in andern Vereinen betätigt. Ich habe mich mit der Gemeinde identifiziert. In Koblenz war auch der Kontakt zur Bevölkerung anders als in einer grösseren Gemeinde. Das hat mir zugesagt.“

Auch dramatische Momente

Im Laufe seiner mehr als 40 Dienstjahre hat Alfred Frei einiges erlebt. Nicht nur den Ausbau der Infrastruktur der Gemeinde - Stichworte SBB-Haltestelle Dorf, Umfahrungsstrasse und Umbau der Turn- zur Mehrzweckhalle – oder frohe Anlässe, wie das Dorffest 2003. Er erlebte auch dramatische Momente. Inbesondere am Heiligabend 1980 als in Koblenz ein Grenzwächter und ein Kantonspolizist ermordet und ein zweiter Polizist schwer verletzt wurden und das Gemeindehaus kurzfristig Kommandoposten der Einsatzkräfte der Polizei wurde.

Alfred Frei erfuhr aber auch die Veränderungen in der Verwaltungsarbeit. „Es ist anspruchsvoller und hektischer geworden“, stellt er fest. „Die Erwartungen der Bevölkerung sind gestiegen. Man möchte auch in einer kleineren Gemeinde den Service haben, den eine grössere Gemeinde bietet. Gleichzeitig ist es – trotz Mitteilungsblatt und Internet – viel schwieriger geworden, die Bevölkerung zu erreichen. Aber das gilt nicht nur für Koblenz.“

Er sei zwar oft schon an den Anschlag gelangt, räumt Alfred Frei ein. „Ich habe zuweilen schon gedacht, dass ich es auch einfacher hätte haben können. Aber ich habe mich nie um eine andere Stelle beworben. Es ist mir nie in den Sinn gekommen, an einen andern Ort zu wechseln.“

Keine Zeit für Langeweile

Und jetzt im Ruhestand? Langeweile dürfte bei Alfred Frei nicht aufkommen. „Meine Frau hat jahrelang den Garten besorgt“, sagt er. „Da will ich jetzt mithelfen. Daneben gibt es Unterhaltsarbeiten am Haus. Ich muss dazu aber noch viel lernen.“ Zudem sind da auch noch das Engagement im Team der katholischen Pfarrei, beim SAC, wo er die Subsektion Zurzach präsidiert und als Wanderleiter wirkt, und bei Pro Senectute, wo er ebenfalls als Wanderleiter – „mit einer aufgestellten Truppe“, wie er betont – unterwegs ist. “Zeit für grosse Reisen habe ich gar nicht“, meint Alfred Frei. „Ich werde wohl auch nicht alles machen können, was ich möchte. Sonst gibt das eine Rennerei. Und Zeit für eine Kaffeepause zwischendurch muss drin liegen.“

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