Klingnau
Hunderte wollen diesen Gauner sehen – und die Aussicht aus 52 Metern Höhe geniessen

Das Städtlifest lockte wie schon der "Donnschtig-Jass" ein grosses Publikum in die historische Altstadt von Klingnau.

Philipp Zimmermann
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Städtli-Fäscht Klingnau
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Das Interesse ist gross: Zirka 300 Personen nehmen an den sechs Führungen teil.
Den Vaganten Hans Melchior Vögeli gab es wirklich. Er war ein Gauner, der 1752 in Klingnau auftauchte. Die beiden Marktweiber melden dies dem Hatschier.
Bei der nächsten Szene schnappt der Hatschier den Vögeli. Doch dem gelingt die Flucht ...
... ins Kloster, wie sie sich und dem Publikum erzählen.
Pater Felician erklärt, dass das Kloster sich nicht von den Eidgenossen befehlen lassen will, den Vaganten herauszugeben. Er bekommt Asyl.
Deshalb wollen die Eidgenossen das Kloster belagern.
Die Stadtmusik Klingnau unterhält mit einem Konzert zum Brunch am Sonntagmorgen.
azTon bei ihrem Auftritt - für einmal mit Sängerin Sandra Rippstein.
Ein Publikum von einigen hundert Menschen befindet sich auch zu später Stunde noch im Städtchen und geniesst die lauschige Atmosphäre.
Am frühen Abend ist das Städtchen bereits gut gefüllt.
Mit dieser Hebebühne geht es in 52 Meter Höhe.
Die Mutigen geniessen eine sagenhafte Aussicht aufs Untere Aaretal.
Die Jugendband bei ihrem Auftritt am Samstag.
Blick aus 52 Metern Höhe auf die Stadtkirche von Klingnau und die Schattengasse.
Blick auf das Festgelände im Städtchen.
Blick auf das Festgelände im Städtchen.

Städtli-Fäscht Klingnau

Philipp Zimmermann

"Haha, wenn ich alle Gauner in Klingnau verhafte, ist niemand mehr auf den Strassen." Mit diesem Spruch sorgt der Hatschier, ein Polizist im Jahr 1752, für Lacher beim Publikum. Die beiden Marktweiber, die auf ihn einreden, verzweifeln dagegen fast. Der gesuchte Vögeli, dieser Gauner und Vagant, treibt sich im Klingnauer Städtchen herum. Den muss der Hatschier doch verhaften!

Es ist eine von fünf Szenen, welche das Theater Klingnau bei einer Stadtführung während des Städtli-Fäschts zeigt. Sie basieren auf dem Roman "Vagant" des ehemaligen Bez-Lehrers Niklaus Stöckli. Das Buch wurde 1997 publiziert und ist längst vergriffen.

Stöckli hat die Szenen geschrieben und führt Regie. Über 300 Personen haben an den sechs Führungen teilgenommen und sind begeistert. Um den Vagant Vögeli kommt es in Klingnau zu einem Asyl- und Machtkampf. Er flüchtet sich ins Kloster Sion, das neben dem Städtchen liegt. Die Eidgenossen, die weltliche Macht, fordern seine Herausgabe. Die religiöse Macht weigert sich. So kommt es zur Belagerung des Klosters. Vögeli gelingt die abermalige Flucht. Geschnappt wird er später und anderswo. Und zum Tode verurteilt.

Der Charme des Städtchens

Im Gegensatz zum Klingnauer "Donnschtig-Jass", bei dem es zu Beginn zu einem kurzen Wolkenbruch kam, ging das Städtli-Fäscht am Wochenende bei strahlendem Sonnenschein über die Bühne. Anlass für das Fest war die geglückte Jahrhundertsanierung der historischen Altstadt, die ihren Charme für solche Festlichkeiten unter Beweis stellte. Schon bald nach dem offiziellen Festbeginn am Samstagnachmittag füllte sich der obere Teil des Städtchens vor der aufgestellten Bühne. Gross war die Nachfrage nach dem kulinarischen Angeboten sowie nach den Getränken.

Viel Musik gab es zu hören: Die Jugendband gab ebenso ein Konzert wie die Stadtmusik-Formationen von Klingnau und der Partnerstadt St. Blasien, die Nostalgic Brass Band sowie am Samstagabend die Unterhaltungsband azTon. Für die Kleinen wurden eine Hüpfburg oder ein Sandkasten im Städtchen aufgestellt.

Die Lichtinstallation "Mein Klingnau", zu der Klingnauer Einwohner historische und neue Bilder aus der Gemeinde eingeschickt hatten, sorgte für emotionale Momente.

Die Mutigen nutzten die Chance, sich mit einer Hebebühne in eine schwindelerregende Höhe von 52 Metern hieven zu lassen. Sie wurden nicht nur mit einem Blick auf das Städtli-Fäscht unter sich, sondern auch mit einen einmaligen Rundumblick aufs Untere Aaretal belohnt.