Würenlingen/Villigen
Hobbyfotografen treffen auf Forschungsanlagen

85 Amateurfotografen haben sich mehr als nur ein Bild vom Paul-Scherrer-Institut machen dürfen.

Manuel Hediger
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Die komplexe Konstruktion des SwissFEL zieht die Aufmerksamkeit auf sich.

Die komplexe Konstruktion des SwissFEL zieht die Aufmerksamkeit auf sich.

Fotografieren ist eine Kunst, die fast jeder zu beherrschen glaubt. Daher ist der am Samstag zum zweiten Mal durchgeführte Foto Award eine raffinierte Strategie des Paul-Scherrer-Instituts, auch Besucher, die sonst nicht zu den typischen Anspruchsgruppen gehören, aufs Areal zu locken. Für Sandra Ruchti, Leiterin des Besucherdienstes, ist dies ein wichtiger Faktor: «Wir wollen den Steuerzahlern immer wieder Rechenschaft über das ablegen, was wir hier tun.» Schliesslich sei das PSI das grösste vom Bund finanzierte Forschungsinstitut der Schweiz.

Je drei Fotos online

85 Amateurfotografen hatten die Ehre, ihr Know-how beim Umgang mit der Kamera unter Beweis zu stellen. Es galt, die eindrücklichsten und spektakulärsten Facetten von Forschungsanlagen auf die originellste Weise einzufangen. Der Foto Award ist ein Wettbewerb, bei dem der Fotograf mit dem besten Bild einen Gutschein im Wert von 500 Franken erhält. Die Jury wählt die besten Fotos aus und qualifiziert sie so für eine Ausstellung im Besucherzentrum psi forum. Einzelne dürften auch in Publikationen des PSI verwendet werden. Jeder der Teilnehmer darf drei seiner Fotos online hochladen. Die Preise und auch der Ruhm des Gewinnens ist für die Hobbyfotografen nicht der wesentliche Beweggrund, herzukommen. Die meisten haben kaum einen Bezug zu Technologie und Forschung und wollten mal etwas anderes knipsen als Menschen, Landschaft und schöne Architektur. Viele von ihnen erkannten die Komplexität der Einrichtungen als interessante Motive. «Auf den Bildern fallen Dinge auf, die man mit blossem Auge gar nicht wahrnimmt», staunt eine Teilnehmerin.

Vier Stunden auf Fototour

Die Teilnehmer wurden kurz nach ihrer Ankunft in fünf Gruppen aufgeteilt und besuchten auf der vierstündigen Fototour fünf Stationen. Ruchti und ihre Kolleginnen und Kollegen erklären jeweils, was hier im Alltag abläuft.

Bei einer Station ging es darum, dass Protonen beschleunigt werden und auf Kohlenstofftargets treffen, wodurch Myonen entstehen. Die Myonen werden genutzt, Magnetfelder im Innern von Festkörpern zu bestimmen. Ein Highlight war die Station mit dem SwissFEL-Elektronen-Beschleunigungsteil. SwissFEL ist ein Röntgenlaser, der im Jahr 2016 in Würenlingen eine 700 Meter lange Anlage bilden soll. Die Relevanz für die Wissenschaft sei hierbei, dass die Trennung und das Zusammenfinden von Substanzen bei chemischen Reaktionen exakt untersucht werden können. Auch die Anlage der Solartechnik mit einem Spiegel von 100 Quadratmeter Fläche barg interessante Motive für die Fotografen. Für die Gruppenführerinnen und -führer war es nicht einfach, die Besucher beieinanderzuhalten. Schliesslich erspähten die Fotohungrigen immer wieder ein Objekt, für das es sich lohnte, stehen zu bleiben und zu knipsen – egal ob Besen, Pfütze oder Bürostuhl.

Die Preisübergabe erfolgt anlässlich der Vernissage im psi forum am Freitag, 23. November, 19 Uhr.