Leibstadt
Hier wird pro Tag Mehl für 300000 Personen produziert

Die Knecht-Mühle in Leibstadt blickt auf 125 Jahre Geschäftstätigkeit zurück – eine Erfolgsgeschichte mit Rückschlägen: So zerstörte etwa 1944 ein Grossfeuer das Mühlengebäude. Heute produtziert die Mühle täglich Mehl für 300000 Personen.

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Nostalgiebilder zum Jubiläum der Knecht-Mühle in Leibstadt
8 Bilder
Ährenfeld
Die Schnitter am Werk
Bindemäher im Einsatz
Die erste Lose-Getreideannahmen erfolgten 1964. In der Mitte: Hansruedi Knecht, Geschäftsführer der dritten Generation.
Erster Lastwagen (1937, vor dem Haus)
Walzenboden vor 1940
Die Knecht-Mühle im Jahr 1964

Nostalgiebilder zum Jubiläum der Knecht-Mühle in Leibstadt

zvg

Die «untere Mühle» in Leibstadt existiert seit dem Jahre 1323. Damals war zum Betrieb einer Mühle das Vorhandensein eines Baches Voraussetzung. Das anströmende Wasser setzte die Schaufeln des Wasserrades in Bewegung und trieb so das Mühlenwerk an.
Der Familienname Knecht ist seit dem 4. April 1887 mit Leibstadts «unterer Mühle» verbunden. Damals kaufte der 21-jährige Franz Knecht die zum Teil abgebrannte Mühlenliegenschaft samt 277 Aren Land und Wald zum Gesamtpreis von 6336 Franken. 1914 verstarb Franz Knecht-Schilling und sein ältester Sohn Franz übernahm die Führung des Mühlen- und Landwirtschaftsbetriebes. In den Dreissigerjahren vergrösserte dieser die Mühle erstmals und begann für die Bäcker zu mahlen. Es war eine schwere Krisenzeit und hätte er nicht die Bauern als Kunden gehabt, er wäre bankrottgegangen.
1944 zerstörte ein Grossfeuer das Mühlengebäude. Das Unglück war ein harter Schlag, da die damals neuzeitliche Mühleneinrichtung fast unersetzlich war und ein beträchtlicher Aufschwung herrschte. Der Wiederaufbau, gekennzeichnet durch die Kriegs- und Nachkriegsjahre, dauerte bis ins Jahr 1948. Der erste Lastwagen - ein Saurer mit 2200 Kilo Nutzlast - wurde 1949 angeschafft. Bis dahin war die Auslieferung der Ware mit Ross und Wagen erfolgt.
Weitsichtige Entscheide

1955 ging die Mühle an Hansruedi Knecht-Binder über. Bald danach wurde die Landwirtschaft aufgegeben und anstelle der Scheune ein neues Gebäude mit der Futtermühle errichtet. Unter Hansruedi Knecht und mithilfe seiner Ehefrau Marta wurde die Entwicklung des Unternehmens zu einem der bedeutendsten Mühlenbetriebe der Schweiz eingeleitet. Weitsichtige Entscheide, aber auch Risikofreudigkeit waren dazu nötig. In vielen Bereichen wurden Massstäbe für die Branche gesetzt. Neue Erntemethoden mit Mähdrescher hielten Einzug. So entstand 1964 das erste Getreidesilo mit vollautomatischer Getreideannahme und Trocknungsanlage. Zuvor wurde das Getreide in Säcken zu 100 Kilo gelagert.
1968 wurde mit einem neu angeschafften Tankfahrzeug erstmals eine Bäckerei in Zürich mit Mehl beliefert. In der Schweiz war dies ein Novum, hatte doch noch kaum eine Mühle ein solches Fahrzeug in Betrieb. Diese Anschaffung war ein grosser Investitionsbrocken für die Leibstadter Mühle. Der weitsichtige Entscheid zahlte sich aber rasch aus: In den folgenden Jahren stellten grössere Bäckereien auf Silobezug um und so konnte die Bäckerkundschaft weiter ausgebaut werden.
Komplettumbau der Mühle
Das Jahr 1973 wurde zu einem weiteren Meilenstein in der Geschichte der Knecht-Mühle, wurde doch die Weizenmühle komplett umgebaut und modernisiert. Schon früh befasste man sich mit dem Gedanken, einen Teil der Anlagen zu verlegen. So wurde 1960 ein Grundstück im Industriegebiet beim Bahnhof erworben. 1982 wurde mit der ersten Bauetappe der Siloanlagen begonnen, gefolgt von späteren Erweiterungsbauten in den Jahren 1986 und 1994. 1993 ging die Leitung des Unternehmens an die vierte Generation, an Hansjörg und Heinz Knecht, über.
Millionenschaden nach Grossbrand
Am 1. Oktober 2001 war die Knecht-Mühle von einem Ereignis betroffen, von dem sie schon 57 Jahre zuvor heimgesucht worden war: In der Getreidetrocknungsanlage entzündeten sich Sonnenblumen. Der Grossbrand zerstörte die gesamten Anlagen im Betrieb Bahnhof. Das Schadenausmass war enorm und bezifferte sich auf rund 12 Millionen Franken. Dank eines ausserordentlichen Efforts aller am Wiederaufbau Beteiligter - die technischen Anlagen wurden Ende Januar 2002 bestellt, mit der Montage wurde bereits Mitte März begonnen - konnte im Sommer 2003 das Getreide wieder entgegengenommen werden.
Die Produktionsanlage für Tiernahrung wurde jedoch nicht mehr eingerichtet. Die durch den Brandfall nötig gewordene externe Produktion wird auch heute noch im Lohnauftragsverhältnis nach den hauseigenen Rezepten ausgeführt.
Hohe Investitionen
Aber auch die Entwicklung in der Mehlproduktion blieb nicht stehen. So hat die Knecht-Mühle in den letzten Jahren rund 10 Millionen Franken in die Modernisierung und Automatisierung investiert. Mit dem letzten Ausbauschritt in den Jahren 2006 bis 2008 sind die Kapazitäten der Lager- und der Mehlsilos ausgebaut und die Mahlleistung markant erhöht worden.
Mit den neuen Maschinen und Einrichtungen für die Getreidereinigung, die Vermahlung, die Mehlmischerei und die Absackanlage sowie mit den komplett neuen Steuerungen verfügt das Unternehmen nun durchgängig über die modernste Mühlentechnik. Auch baulich sind alle Vorkehrungen für höchste Hygieneanforderungen getroffen worden. Experten zählen die Knecht-Mühle zu den modernsten Mühlenbetrieben weltweit.

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