Döttingen
Heroin-Konsum sinkt, Alkohol bleibt Nummer 1

Helmut Wolfer von der Suchtberatung des Bezirks Zurzachs erklärt die neusten Zahlen. Die Sucht in einer ländlichen Gegend wie im Zurzibiet sei laut Wolfer noch stärker ausgeprägt als in Städten wie Aarau oder Baden.

Pirmin Kramer
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2011 wurden im Bezirk 91 Menschen wegen Alkoholsucht beraten.

2011 wurden im Bezirk 91 Menschen wegen Alkoholsucht beraten.

az-Archiv

«Alkohol ist die am weitesten verbreitete Sucht im Zurzibiet. In unserer ländlichen Gegend ist diese Sucht noch stärker ausgeprägt als in Städten wie Aarau oder Baden», erklärt Helmut Wolfer, Stellenleiter der Suchtberatung Bezirk Zurzach. Die neusten Zahlen der Suchtberatung für das Jahr 2011 zeigen: Mit Abstand am meisten Menschen (91, siehe Box) liessen sich wegen Alkoholabhängigkeit beraten. «In ländlichen Gegenden gibt es eine Verschiebung zu Alkohol, es werden im Verhältnis weniger illegale Drogen konsumiert.»

Zunahme bei den Partydrogen

Seit dem Jahr 2000 arbeitet Wolfer in Döttingen bei der Suchtberatung. «Die Zahl der Heroin-Klienten war zu Zeiten der offenen Drogenszenen deutlich höher, in den letzten Jahren ist sie stetig zurückgegangen.» Diese Droge sei auch in Städten nicht mehr so stark verbreitet wie früher, sagt Wolfer. Die offenen Szenen seien vielerorts verschwunden. Zwar erhalte man Heroin und Kokain auch im Zurzibiet – Brennpunkte seien beispielsweise die Umgebung von Bahnhöfen. Wer süchtig nach illegalen Drogen werde, ziehe aber häufig von kleinen Gemeinden in Städte.

«Darum gibt es auf dem Land verhältnismässig wenig Drogensüchtige», erklärt Wolfer. Zugenommen hätten hingegen die Beratungen wegen Partydrogen. «Dieses Jahr hatten wir mehrere Anfragen von jungen Frauen, denen im Ausgang eine Droge ins Getränk geschüttet wurde. Das passiert fast immer in Partylokalen in den Städten. Aber zur Beratung kommen sie dann zu uns.»

Alkohol, Heroin, Cannabis

Anzahl Klienten bei der regionalen Suchtberatung Zurzach 2011: Alkohol 91, Heroin 24, Cannabis 17, Kokain 8. Persönliche Beratungen vor Ort: 725. Telefon- und Online-Beratungen: 270.

Für Suchtkranke würden gute Chancen bestehen, dass ihnen geholfen werden kann, sagt Wolfer. «Ein Drittel der Suchterkrankungen wird mit einer Therapie oder Beratung geheilt; bei einem Drittel der Behandelten zeigt sich eine Besserung – nur ein Drittel erzielte keine Verbesserung.»

Die meisten Klienten kämen erst zu einem späten Zeitpunkt in die Beratung, wenn es das Umfeld verlange oder es keinen anderen Ausweg mehr gebe, erklärt Wolfer. «Sucht im frühen Stadium wird oft verdrängt.» Meist litten die Angehörigen sehr unter der Sucht ihrer Kinder oder Partner. Ein Viertel der Beratungen auf der Suchtberatungsstelle werde daher auch von Angehörigen wahrgenommen.

Wer sich in Döttingen beraten lassen möchte, erhalte schnell einen Termin, sagt Wolfer. «Die körperliche Sucht kann in der Regel schnell überwunden werden, beim Alkohol dauert ein stationärer körperlicher Entzug in einem Spital beispielsweise rund 10 Tage. Die darauf folgende sogenannte Entwöhnungsbehandlung, das Umdenken im Kopf, braucht sehr viel länger und ist der schwierigste Teil der Behandlung.» Eine der Hauptaufgaben der Suchtberatung sei unter anderem, die Abhängigen für solche Behandlungen zu motivieren, sagt Wolfer.

ags, Suchtberatung Bezirk Zurzach , Hauptstrasse 7, 5312 Döttingen, 056 245 68 77. www.ags-suchtberatung.ch

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