Endinger Aufstiegsdrama
Heisses Spiel um Sekunden

Dadurch, dass der Handballverband einen juristischen Formfehler geltend macht, mache er es sich auf den ersten Blick einfach. Und auf den zweiten?

Andreas Fretz
Andreas Fretz
Drucken
Die Enttäuschung ist gross: Der TV Endingen verpasst den Aufstieg in die NLA

Die Enttäuschung ist gross: Der TV Endingen verpasst den Aufstieg in die NLA

Alexander Wagner

Der TV Endingen legt Protest ein, weil er vier Sekunden mehr Spielzeit reklamiert. Der Verband geht nicht auf den Protest ein, weil dieser zwei Sekunden zu spät erfolgt ist. Es geht um Sekunden. Offensichtlich nicht nur im Spiel, sondern auch in der Juristerei.

Auf den ersten Blick macht es sich der Verband einfach: Er räumt das Problem aus dem Weg, indem er einen juristischen Formfehler des TV Endingen geltend macht. Damit löst er gleich mehrere Probleme auf einen Streich. Erstens: Die Organe des Verbands müssen den Inhalt des Protests erst gar nicht behandeln.

Etwas, das in Anbetracht der Umstände bestimmt kein Vergnügen geworden wäre. Zweitens: Solange der Inhalt des Protests nicht behandelt wird, muss der Verband auch keinen allfälligen regeltechnischen Fehler während des Spiels eingestehen. Drittens: Niemand muss sich den Kopf darüber zerbrechen, was bei Annahme des Protests geschehen soll. Eine Wiederholung des Spiels im dichten Zeitplan vor der Barrage brächte Verband und Vereine in die Bredouille.

Der Verband distanziert sich vom Vorwurf, den Weg des geringsten Widerstands gewählt zu haben. Man darf ihm das glauben. Alles andere wäre auch ein Skandal. Klar ist: Regeln sind Regeln, diese gilt es selbst in turbulenten Sekunden einzuhalten. Der Fall zeigt: In einer hektischen und lauten Schlussphase braucht es demnach einen ziemlich kühlen Kopf, um nicht den Überblick über Paragrafen und Formalitäten zu verlieren. Da ist der Delegierte des Verbands gefordert und nicht der Funktionär eines Amateursportvereins.

andreas.fretz@azmedien.ch

Aktuelle Nachrichten