Bad Zurzach
Harmonische Linde und wachsamer Nussbaum

Auf dem Achenberg in Bad Zurzach ist ein keltischer Baumkreis entstanden. Die Ortsbürger konnten eigenhändig den Baum pflanzen, der ihrem Charakter entspricht.

Patrick Hersiczky
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Ein altes, sicher nicht mehr zeitgemässes Sprichwort besagt, dass jeder im Leben ein Haus bauen, ein Kind zeugen und einen Baum pflanzen soll. Letzteres hat die Ortsbürgerkommission von Bad Zurzach wohl dazu veranlasst, auf einer Waldlichtung auf dem Achenberg einen keltischen Baumkreis zu erstellen. Dies ist eine Anordnung von Bäumen, die in einem Kreis für verschiedene Geburtsdaten stehen. Die unterschiedlichen Baumarten entsprechen gleichzeitig dem Sternzeichen und beschreiben den Charakter der Person.

Bezug zum Wald wichtig

Die Idee für das Baumprojekt hatte die Ortsbürgerin Trudi Rudolf: «Während eines Ferienaufenthalts in der Steiermark habe ich einen solchen Baumkreis erstmals gesehen und war sofort davon fasziniert.» Trudi Rudolf hat sich mit dem keltischen Baumkreis intensiv befasst und das Projekt der Ortsbürgergemeinde vorgeschlagen.

Dort ist das Baumprojekt gut angekommen. «Mit solchen Anlässen wollen wir den Bezug zum Wald herstellen», sagt Ortsbürgerpräsident Freddy Kalt. «Oft haben wir Anlässe, die mit dem Wald zu tun haben. Mit solchen Projekten wollen wir die Attraktivität der Ortsbürgergemeinde pflegen.»

Jeder Ortsbürger bezahlt für einen einheimischen Baum nur 100 Franken, da der Forstbetrieb Studenland die Jungbäume günstig einkaufen kann. Die Mitglieder der Ortsbürgergemeinde konnten am vergangenen Samstag ihren Baum auf dem Areal in der Grösse eines halben Fussballfeldes selber pflanzen.

Für ältere Personen bestand die Möglichkeit, dass der Förster dies erledigte. «Wir konnten über 70 Bäume verkaufen», freut sich Felix Stauber, Leiter des Forstbetriebes Studenland. Laut Stauber sind Linde und Nussbaum die am häufigsten gewählten Bäume. Das bedeutet, dass viele Ortsbürger in Bad Zurzach ihren Geburtstag im Frühling oder Herbst feiern. Die Linde steht für besonderen Gerechtigkeitssinn und Harmonie, während der Nussbaum für Neubeginn und Wachsamkeit steht.

Das grosse Interesse an der Baumaktion zeigt, dass die Ortsbürgergemeinde attraktiv ist. Dies bestätigt auch Freddy Kalt: « Unsere Veranstaltungen sind immer gut besucht und pro Jahr haben wir ein bis zwei Einbürgerungsgesuche.»

Neuentdeckung dank Frauenzeitung

Bäume sind Lebewesen – diese Vorstellung hatten die Kelten, die vor rund 2500 Jahren lebten. Der keltische Baumkreis teilt das Jahr in 39 Abschnitte ein, wobei jeder Zeitperiode ein Baum mit einer bestimmten Charaktereigenschaft zugeteilt wird. Zudem gibt es in der Anordnung vier sogenannte Hauptbäume: Eiche, Buche, Olivenbaum und Birke. Diese symbolisieren die Sommer- und Winterwende sowie die beiden Tag-und-Nacht-Gleichen im März und September.
In seiner Urform war der keltische Baumkreis aber kein Horoskop, sondern diente zur Einteilung der Saat- und Erntezeit. Da die Kelten ihr Wissen nur mündlich weitergaben, ging die Idee des Baumkreises mit der Zeit verloren. Erst im 20. Jahrhundert entdeckte eine französische Journalistin diesen Baumkreis neu, indem sie im Auftrag einer Frauenzeitschrift ein Baumhoroskop entwickelte. (pah)