Zurzibiet
Günstige Bodenpreise locken Zürcher und Deutsche ins Zurzibiet

In mehreren Gemeinden sind prozentual mehr Wohnungen gebaut worden als im kantonalen Vergleich. Zuzüger sind häufig Deutsche und Zürcher.

Stefanie Garcia Lainez
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Tiefe Bodenpreise und eine wunderschöne Landschaft: für viele Grund genug, ins Zurzibiet zu ziehen.

Tiefe Bodenpreise und eine wunderschöne Landschaft: für viele Grund genug, ins Zurzibiet zu ziehen.

Paul Abt

Die gängige Meinung von Experten lautet: Je weiter entfernt von den grossen Ballungsräumen, desto weniger attraktiv ist eine Gemeinde, desto weniger wird dort auch gebaut. Ein Blick ins Zurzibiet zeigt aber ein anderes Bild. So sind die günstigen Bodenpreise auf dem Land ein Vorteil.

Im Rheintal sticht das 300-Seelen-Dorf Rümikon heraus. In den letzten zehn Jahren wurden dort 40 neue Wohnungen oder Einfamilienhäuser gebaut, wie die aktuellsten Zahlen des Kantons zeigen. Das mag auf den ersten Blick nicht nach viel aussehen. Doch immerhin entspricht dies einer Zunahme um 41,7 Prozent. Im ganzen Bezirk nahmen die Wohnungen im selben Zeitraum um 14,1 Prozent zu, im Kanton um 17,8 Prozent.

Vor allem Zürcher ziehen zu

«Das liegt an unseren günstigen Landpreisen, die zwischen 150 und 300 Franken pro Quadratmeter liegen», sagt Frank Reinhardt, Vorsteher Bauwesen in Rümikon. So würden vor allem Zürcher ins Dorf ziehen. Würden sie näher bei Zürich bauen, müssten sie bis zu fünf Mal mehr für Bauland hinblättern. «Da nimmt man auch den höheren Steuerfuss von 115 Prozent in Kauf.» Zudem sei man über die Schnellstrassen und die Autobahn in einer halben Stunde in Zürich. Und das Dorf hat durchaus noch Potenzial zu wachsen: Von den 13,3 Hektaren Bauland sind mit 3,6 Hektaren fast ein Drittel noch nicht überbaut.

Nur gerade zwei Dörfer weiter sieht es ganz anders aus. In Rekingen wurden bis Ende 2014 nur drei neue Wohnungen gebaut. Das hat einen einfachen Grund, erklärt Gemeindeschreiberin Marion Marty: «Seit acht Jahren sind vier Mehrfamilienhäuser mit 40 Wohnungen im Gebiet Rainächer in Projektierung.» Da das Bauland zwischen der Uferschutzzone und der Kantonsstrasse liege, sei die Erschliessung schwierig. So seien mehrere Abteilungen des Kantons involviert, was das Projekt immer wieder verzögert habe.

Die Auflage für die neue Erschliessungsvariante läuft am 19. April ab. «Falls keine Einsprachen eintreffen und der Kanton seine Zustimmung erteilt, ist die Baubewilligung bald spruchreif.» Für ein weiteres Projekt mit elf Wohnungen dürfte die Baubewilligung bald erteilt werden.
Speziell ist die Situation auch etwas weiter Rhein aufwärts in Rietheim: In den letzten zehn Jahren hat das 750-Seelen-Dorf die Anzahl Wohnungen um fast einen Viertel erhöht – und keine der Wohnungen stand bei der letzten kantonalen Erhebung leer.

Für Gemeindeammann Beat Rudolf gibt es dafür mehrere Gründe: «Die Mieten sind zahlbar und das Bauland mit 330 bis 400 Franken pro Quadratmeter günstig.» Es gäbe dank dem Paul-Scherrer-Institut oder dem Kernkraftwerk in Leibstadt viele Arbeitsplätze in der Nähe. So würden auch viele Deutsche ins Dorf ziehen.

Mehr Einwohner, mehr Steuern

Viel gebaut wird auch im Surbtal. Vor allem in Tegerfelden, wo die Anzahl Wohnungen um fast ein Drittel zunahm. «Das Land ist mit 300 bis 400 Franken pro Quadratmeter um fast die Hälfte günstiger als beispielsweise in Lengnau», erklärt Gemeindeschreiberin Andrea Huser. «Doch der Weg nach Baden ist mit dem Auto kaum länger.» Das Dorf sei durch die gute öV-Erschliessung attraktiv und die alten Häuser sorgen für einen historischen Charakter.

Zudem setze sich die Gemeinde im Gebiet Läubrig aktiv dafür ein, dass die vorhandenen Bauzonen genutzt würde. «Mehr Einwohner beleben das Dorf und generieren mehr Steuereinnahmen.»

Im unteren Aaretal fällt vor allem Würenlingen auf. Dort wurden 426 Wohnungen gebaut, was einer Zunahme von 27,6 Prozent entspricht. Das Dorf profitiere von den guten öV-Verbindungen nach Baden, Brugg und Zürich, sagt Gemeindeschreiber Andreas Senn. «Die Landpreise zwischen 400 und 600 Franken pro Quadratmeter sind immer noch zahlbar.» So kostet in Baden ein Quadratmeter zwischen 700 und 1800 Franken. Zudem biete Würenlingen sowohl die Primarschule als auch die Oberstufe an. Und er ergänzt: «Die Leute zieht es aufs Land – das ist ein Trend, der anhält.»

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