Asylunterkünfte
Grossräte fordern faire Verteilung: «Zurzibiet ist schon jetzt überbelastet»

Die Asylbewerber im Kanton Aargau würden nicht regional ausgewogen verteilt, kritisieren die sieben Grossräte in einem gemeinsamen Vorstoss. Darin verlangen sie einige Antworten vom Regierungsrat.

Roman Huber
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Das Hotel-Restaurant Bahnhof in Felsenau wird zur Asyl-Unterkunft.

Das Hotel-Restaurant Bahnhof in Felsenau wird zur Asyl-Unterkunft.

Philipp Zimmermann

Alle sieben Grossratsmitglieder aus dem Bezirk Zurzach, inklusive Monika Stadelmann von der SP, sind sich einig: «Die Verteilung von Asylanten auf die Gemeinden muss ausgewogen erfolgen. Das ist mit 150 Asylanten auf 180 Einwohner im Falle von Felsenau nicht gegeben», halten sie in ihrer Interpellation fest. Überdies sei die Verteilung der Grossunterkünfte im Kanton bereits jetzt nicht regional ausgewogen und das Zurzibiet überbelastet. Dies entspreche nicht dem Grundsatz des Kantons einer regionalen Verteilung.

Das Hotel-Restaurant Bahnhof in Felsenau wird zur Asyl-Unterkunft.
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Der Kanton will 50 Asylsuchende in der Liegenschaft unterbringen.
Das Hotel-Restaurant Bahnhof in Felsenau. Die 50 Asylsuchenden sollen schon im Januar 2016 einziehen.
Das Hotel-Restaurant Bahnhof in Felsenau. Eine Schiffsanlegestelle führt direkt zum Hotel-Restaurant. Die Boote fahren Touristen über Aare und Rhein in der Region und machen auch im benachbarten Deutschland Halt.
Felsenau ist ein Ortsteil von Leuggern. Die Kantonsstrasse führt in Richtung Basel, in umgekehrter Richtung in zwei Minuten Autofahrt zum Grenzübergang Koblenz.
Auf dem grossen Parkplatz will der Kanton Container für 100 weitere Asylsuchende aufstellen. Dafür ist ein Baugesuch nötig.
Die Eigentümer sind Sigmund Cueni und Daniela Makoski. Cueni arbeitet seit 30 Jahren im Hotel-Restaurant, ist seit 1994 Pächter und seit 2002 Eigentümer. Nun ziehen sie ins Laufental.
Das Hotel-Restaurant Bahnhof in Felsenau. Am Tag nach Publikwerden, dass es zur Asyl-Unterkunft wird, ist es geschlossen.
Die Speisekarte des Restaurants. In der letzten Woche werden hier nur noch einige Weihnachtsessen durchgeführt.
Die Speisekarte - es wird die letzte des Hotel-Restaurants Bahnhof sein.
Am Tag nach Publikwerden, dass das Hotel-Restaurant Bahnhof zur Asyl-Unterkunft wird, ist es geschlossen.
Vorne der grosse Parkplatz, hinten die markante Brücke über die Aare. Wenige Meter weiter fliesst die Aare in den Rhein.
Das alte Bahnhofsgebäude von Felsenau, gegenüber vom Hotel-Restaurant. Im Bahnhof wohnen heute Private. Die Zuglinie wird nach wie vor für den Gütertransport genutzt.
undefined Beim Bahnhof befindet sich ein Zuckerrüben-Verlad von SBB Cargo sowie ein Werkhof des kantonalen Strassenunterhaltsdienstes.
Eine Schweizer Veloroute führt auch am Hotel Bahnhof (etwas weiter rechts, nicht im Bild) vorbei. Der Bus ab der Station Felsenau Bahnhof fährt in wenigen Minuten zum Bahnhof Koblenz. Um ins Zentrum von Leuggern zu gelangen, etwa zur Schule, muss man mit dem Bus einen Umweg in Kauf nehmen und mindestens einmal umsteigen. Via Leibstadt dauert der Weg rund 20 Minuten.
Hotel Bahnhof wird Asyl-Unterkunft

Das Hotel-Restaurant Bahnhof in Felsenau wird zur Asyl-Unterkunft.

Philipp Zimmermann

Während der Anteil der Bevölkerung im Zurzibiet gemessen an der Gesamtbevölkerung des Kantons Aargau fünf Prozent betrage, müsse der Bezirk rund 16 Prozent der dem Kanton zugeteilten Asylanten aufnehmen, im Verhältnis gesehen also über dreimal mehr. Insgesamt wären es von den total 2500, die der Kanton aufnehmen muss, mit Rekingen (130 bis 150), Felsenau (150) und eventuell Kaiserstuhl (100) rund 400 Asylbewerber.

Man dürfe bei diesen Grossunterkünften auch die Grenznähe zu Deutschland nicht ausser Acht lassen, heisst es in der Begründung des Vorstosses. Die Flüchtlinge hätten dadurch einen eingeschränkten Bewegungsradius, was zu einer zusätzlichen Massierung führe. Mit dem beabsichtigten Rückzug der Kantonspolizei aus dem Zurzibiet wachse die Besorgnis im Bezirk, halten die Interpellanten fest.

Zwar würden sich dem Kanton Mietobjekte wie Hotels und Gaststätten oder leerstehende Schulhäuser geradezu als Asylunterkünfte anbieten. Die Unterzeichnenden sind allerdings der Meinung, «dass sehr langfristige Mietverträge oder Aufkäufe unwiderrufliche Tatsachen schaffen, die der Entwicklung und der Asylpolitik – Bundeszentren und kantonale Grossunterkünfte – nicht unbedingt Rechnung tragen».

Die Sorgen und Ängste vieler Einwohner sowie Befürchtungen, wie sie im Gemeindeverband Zurzibiet Regio und in der Gemeindeammännervereinigung herrschen, haben die Interpellanten veranlasst, dem Regierungsrat kritische Fragen zu stellen.

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