Projekt Rheintal+
Grossfusion im Zurzibiet: 9 Gemeinden sagen Ja zu «Zurzach»– Fisibach lehnt Beitritt ab

Am Donnerstagabend haben zehn Gemeinden aus dem Bezirk Zurzach über die Gemeindefusion zu "Zurzach" (Projekt Rheintal+) abgestimmt. Bei 9 der 10 Gemeinden war die Zustimmung gross. Unten finden Sie die Resultate in der Übersicht – und unseren Liveticker zum Abstimmungsabend.

Philipp Zimmermann, Andreas Fretz und David Rutschmann
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Voller Saal in Bad Zurzach: Im Bezirkshauptort sind 414 von 2291 Stimmberechtigten anwesend.
49 Bilder
In mehreren Gemeinden wird eine geheime Abstimmung verlangt, etwa in Rietheim.
Bad Zurzachs Gemeindeammann Reto S. Fuchs begrüsst die Stimmberechtigten zur Abstimmung über den Fusionsvertrag.
Bad Zurzachs Ammann Reto S. Fuchs.
Die Abstimmung in Bad Zurzach: Hände schiessen in die Höhe.
395 von 414 Anwesenden sagen Ja zu Rheintal+ – 10-Nein-Stimmen werden gezählt.
Weitere Impressionen aus Bad Zurzach.
Weitere Impressionen aus Bad Zurzach.
Projekt Rheintal+ - so stimmen die 10 Gemeinden ab - und das sind sie, vorgestellt in Bildern (23. Mai 2019)
Weitere Impressionen aus Bad Zurzach.
Grossauflauf auch in Rietheim: Wenige Minuten vor Beginn der Gmeind sind alle Plätze besetzt.
Der Gemeinderat von Bad Zurzach.
Projekt Rheintal+: Diese zehn Zurzibieter Gemeinden prüften die Fusion.
So sollte das Wappen für die Gemeinde "Zurzach" aussehen – weil Fisibach Nein gesagt hat, fällt wohl ein blauer Flussstreifen weg.
Das Abstimmungsprozedere zum Fusionsvertrag Rheintal+.
10 Zurzibieter Gemeinden entscheiden über den Zusammenschluss. Es folgen Bilder zu diesen Gemeinden. Hier im Bild ist Bad Zurzach, die mit Abstand grösste der zehn Gemeinden
Blick aus der Vogelperspektive auf Bad Zurzach und und das Rietheimer Feld der Nachbargemeinde Rietheim.
Bad Zurzach ist weitherum bekannt als Wellness- und Kurort. Im Bild der Turm neben dem Thermalbad Zurzach. Oben im Turm befindet sich das Panoramarestaurant.
Blick in den historischen Ortskern von Bad Zurzach. Hier sind 4328 Einwohner gemeldet.
Der Flecken, wie die Einheimischen den historischen Ortskern nennen, ist ein beliebter Ort für Märkte und Events - hier die Tavolata, die ein grosses Publikum anlockte.
Rietheim ist, vom Rhein aus gesehen, die unterste der zehn "Rheintal+"-Gemeinden. Hier leben 741 Einwohner.
Rietheim: Der Zug fährt durchs Dorf.
Das Auenschutzgebiet Chly Rhy in Rietheim – ein Naturparadies.
Auch ein touristisches Strassenschild macht Werbung für die besondere Auenlandschaft in Rietheim.
Die andere Rheintal+-Nachbargemeinde von Bad Zurzach ist Rekingen (rheinaufwärts) mit 951 Einwohnern. Hier befindet sich das Wasserkraftwerk, das 60'000 Haushalte mit Strom versorgt. Auf der deutschen Seite liegt Reckingen (mit c).
Blick vom Nurren auf Rekingen und Bad Zurzach (hinten).
Die Gemeinden am Rhein, also Rietheim, Bad Zurzach, Rekingen, Mellikon, Rümikon und Kaiserstuhl, verfügen über einen SBB-Bahnhof oder eine SBB-Bahnstation.
Von Rekingen hinauf geht es nach Böbikon.
Die Kleinstgemeinde Böbikon hat 171 Einwohner. Es ist einwohnermässig die kleinste der "Rheintal+"-Gemeinden.
Höher als Böbikon liegt Baldingen (im Bild), wo 257 Einwohner leben.
Markant: Die Kirche von Baldingen. Im Dorf wuchs übrigens der ehemalige Aargauer National- und Ständerat Jules Binder (Jahrgang 1925, CVP) auf.
In Baldingen bestehen einige landwirtschaftliche Betriebe. Der höchste Punkt der Gemeinde liegt auf 575 Metern, auf der Spornegg.
Von Rekingen dem Rhein entlang kommt man nach Mellikon (235 Einwohner).
Auch Mellikon ist eine Kleinstgemeinde, verfügt aber über eine Bahnstation und ein Industriegebiet.
Von Mellikon hinauf geht es nach Wislikofen, das zum sogenannten Studenland gehört.
Bekannteste Liegenschaft in Wislikofen (340 Einwohner) ist die Propstei.
Mellstorf ist ein Ortsteil von Wislikofen. Die beiden Ortschaften fusionierten auf den 1. Januar 1899.
Von Mellikon rheinaufwärts geht es nach Rümikon.
Rümikon gilt noch heute als Fischerdorf – hier wurden einst Lachse gefangen.
Auch Rümikon (321 Einwohner) liegt am Rhein und verfügt über eine Bahnstation.
Neben Rümikon am Rhein liegt das Städtchen Kaiserstuhl (435 Einwohner). Mit den beiden Fernsehgrössen Dietmar Schönherr und Dieter Moor hatte Kaiserstuhl einst zwei prominente Einwohner.
Kaiserstuhl ist flächenmässig die kleinste Gemeinde im Kanton Aargau. Die Schüler von Kaiserstuhl und Fisibach gehen im Kanton Zürich in Weiach und Stadel (Oberstufe) zur Schule.
Ein Hingucker: Der Stadtturm von Kaiserstuhl.
Zu Kaiserstuhl gehört der Rhein beim Grenzübergang nach Hohentengen/Deutschland (rechts). Dort steht auch das Schloss Rötteln.
Fisibach (498 Einwohner) liegt neben Kaiserstuhl, und grenzt auch an den Rhein. Es geriet schweizweit in die Schlagzeilen, weil sich Einwohner Gedanken machten über einen Kantonswechsel zum Kanton Zürich. Dieser ist allerdings vom Tisch.
Vorne landwirtschaftliche Nutzfläche, hinten das Gebäude der Ziegelei.
Fisibach verfügt – wie alle zehn "Rheintal+"-Gemeinden – über landschaftliche Qualitäten.
Weitherum bekannt: Das Baggermuseum Ebianum in Fisibach.
Im Ebianum lassen sich Events durchführen: Auch eine grosse Informationsveranstaltung zu Rheintal+ fand im Januar 2017 hier statt. Quelle Einwohnerzahlen: Statistisches Amt Aargau, Ende Juni 2018.

Voller Saal in Bad Zurzach: Im Bezirkshauptort sind 414 von 2291 Stimmberechtigten anwesend.

Chris Iseli

Nach zweieinhalbjähriger Vorbereitungszeit haben am Donnerstagabend zehn Zurzibieter Gemeinden zeitgleich abgestimmt, jeweils an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung. An allen zehn Gmeinden wurde ein und dieselbe Frage gestellt: «Wollen Sie den Vertrag über den Zusammenschluss der zustimmenden Einwohnergemeinden zur Einwohnergemeinde Zurzach auf den 1. Januar 2022 genehmigen?»

Sieben Gemeinderäte hatten den Fusionsvertrag des Projekts Rheintal+ ihren Stimmbevölkerungen zur Annahme empfohlen (Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Rekingen, Rümikon und Wislikofen). Die Gemeinderäte Fisibachs, Mellikons und Rietheims empfahlen ihn zur Ablehnung.

Damit die Fusion gelingen kann, galt: Mindestens vier Gemeinden plus der Bezirkshauptort Bad Zurzach müssen dem Vertrag zustimmen (das «4+1-Modell»). Dieser Anforderung kamen die Stimmberechtigten deutlich nach. Einzig Fisibach schickte den Fusionsvertrag bachab. Mit 31:136-Stimmen folgte die Stimmbevölkerung der Empfehlung ihres Gemeinderats. Gegen die Empfehlung des Gemeinderats stemmten sich die Rietheimer und Melliker.

«Das ist ein historischer Erfolg. Ein Resultat, das ich in dieser Klarheit nicht für möglich gehalten hätte», sagte Bad Zurzachs Ammann Reto S. Fuchs.

Wie geht es nun weiter? In den neun Gemeinden, die mit Ja stimmten, folgt am 8. September 2019 die für Fusionen obligatorische Urnenabstimmung über den definitiven Zusammenschluss. In Fisibach, wo am Donnerstag deutlich mehr als ein Fünftel aller Stimmberechtigen den Fusionsvertrag ablehnten, ist das Projekt definitiv vom Tisch.

Lesen Sie hier unseren Liveticker zum Abstimmungsabend nach:

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