Bad Zurzach
Grosses «Sodi»-Jubiläum – und die Mitarbeiter stehen im Mittelpunkt

Die Solvay (Schweiz) AG hat ihr 100-Jahr-Jubiläum mit einer Ausstellung und mit der Herausgabe eines Buches gefeiert.

Sibylle Egloff
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Ein Besucher entdeckt auf den Fotos interessante Details.

Ein Besucher entdeckt auf den Fotos interessante Details.

Sibylle Egloff

In der Halle 11.8 stapeln sich grosse Holzpaletten, die bis zu 2 Meter in die Luft ragen. Daran aufgehängt sind zahlreiche Bilder, die mit einem Holzrahmen eingefasst sind. Bei näherem Hinsehen wird ersichtlich, dass die Bilder auf speziellen Kunstfaserstoff gedruckt sind. Sie zeigen Aufnahmen von Menschen bei der Arbeit. So beispielsweise eine junge Frau am Telefon, Männer vor Maschinen, einen Mann mit weissem Kittel im Labor, einen Buschauffeur oder einen Mann am Schreibtisch vor einer Schreibmaschine. Die Bilder sind Teil der Jubiläumsausstellung der Solvay (Schweiz) AG, die dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Die 1914 gegründete «Sodi», wie die Schweizerische Sodafabrik im Volksmund bezeichnet wurde, wurde 1922 von der belgischen Chemiegruppe Solvay übernommen. Ein Jubiläum feiert auch der Solvay Industriepark, ein wichtiges Standbein der Chemiegruppe. Er existiert seit 15 Jahren.

«Die Menschen stehen im Zentrum der Ausstellung», erklärt Michael Odenwald, Standortleiter der Solvay (Schweiz) AG das Konzept der Ausstellung. «Niemand interessiert die Anzahl Maschinen oder wie viele Tonnen Soda abgebaut wurden. Der Fokus liegt auf den Menschen, die in den vergangenen 100 Jahren bei Solvay gearbeitet haben, oder mit ihr in irgendeiner Weise in Verbindung standen.» Neben den vielen Bildern von ehemaligen Solvay-Mitarbeitern konnten die über 300 Besucherinnen und Besucher alte Pläne, Aussenansichten und Luftaufnahmen aus der Gründerzeit sowie jüngere Fotos, alte Warnschilder und Geschäftsberichte bestaunen. «Es war eine Kunst, aus dem Sammelsurium des Solvay-Archivs eine Ausstellung zu gestalten», beschreibt der Schöpfer der Ausstellung, Thomas Eichkorn, seine schwierige Aufgabe.

Die Besucher, die sich in der Halle 11.8 – früher ein Betriebsteil der Sodafabrik – die Ausstellung anschauten, hatten und haben vielfach einen Bezug zur «Sodi». «Mein Grossvater hat sein ganzes Leben lang bei Solvay gearbeitet. Für uns war die ‹Sodi› als Arbeitgeber etwas Heiliges. Ich war sogar im fabrikeigenen ‹Sodi›-Kindergarten. Als Kind durften wir nie in diese Halle rein. Es ist faszinierend, nun hier drin zu stehen», erinnert sich Charlotte Stauffer-Spuhler aus Würenlingen.

Blick in die alte Werkstatt der Schweizerischen Sodafabrik.
3 Bilder
Die Sodafabrik kurz nach der Betriebsaufnahme im Jahr 1916 (links).
100 Jahre Solvay (Schweiz) AG in Bad Zurzach

Blick in die alte Werkstatt der Schweizerischen Sodafabrik.

ZVG

Auch Jutta Hausy aus Bad Zurzach gefällt die Jubiläumsausstellung: «Die Idee ist gut. Die Ausstellung ist vor allem spannend für Menschen aus der Region. Man fährt täglich an der Solvay vorbei und kennt die Hintergründe nicht. Die Ausstellung gibt einen Einblick, was in der Fabrik alles geschehen ist».

Zum Jubiläum wurde nicht nur eine Ausstellung auf die Beine gestellt, sondern auch ein Jubiläumsbuch entworfen. Das 196-seitige Werk besteht aus einem historischen Teil, der sich mit den ersten 100 Jahren beschäftigt, und aus einem modernen Teil, der den Industriepark vorstellt. Auch in dieser Jubiläumsschrift stehen die Menschen im Mittelpunkt.

Fast alle Gebäude sind belegt

Die Solvay (Schweiz) AG besteht heute aus 25 Personen. Zur Blütezeit der «Sodi» in den Nachkriegsjahren beschäftigte man rund 700 Mitarbeiter. Nach und nach wurden die einzelnen Produktionseinheiten abgebaut, bis 2004 mit der Abstellung der Elektrolyse die Produktionsaktivität in Bad Zurzach aufgegeben wurde. Heute macht der Solvay Industriepark, der von 30 Unternehmen genutzt wird, neben dem Produkteumschlag den Kern der Chemiefabrik aus.

Die Gebäude und Räume der «Sodi» sind fast alle belegt. «Das Ziel für die Zukunft ist, neue Firmen anzuziehen, die auf dem Solvay-Areal bauen, nach dem Vorbild der Green Bio Fuel Switzerland AG, die eine Biodieselraffinerie auf dem Gelände errichten wird», sagt Standortleiter Michael Odenwald.