Bad Zurzach
Grosse Champions und kleine Dampflokführer

Eindrücke und Begegnungen von einem Bummel kreuz und quer durch die Gewerbeschau. Die Fachleute von der Nagra, die mit dem grössten Stand vertreten war, standen ebenso geduldig und ausführlich Red’ und Antwort, wie die Bad Zurzacher Gemeinderäte.

Rosmarie Mehlin
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Das Ballonfahren war abgesagt. Wegen des Wetters oder so. Mir wars total egal: Erstens wäre ich ohnehin nie und nimmer in den Korb geklettert und zweitens gab es unten, mit festem Boden unter den Füssen, so viel zu sehen, zu hören, zu degustieren und konsumieren, dass es ein wahrer Höhenflug für Augen, Ohren, Gaumen und Magen war. Weil ich verpasst habe, mich bei einer kompetenten Person zu erkundigen, ist das Rätsel, warum die Gewerbeschau Bad Zurzach «gtv» hiess, für mich allerdings ungelöst geblieben. Der Turnverein jedenfalls war mit keinem Stand vertreten. Aber sonst war da, was im Flecken – und zahlreich auch darüber hinaus – Rang und Namen hat.

Auch echte Champions fehlten nicht. Ganz oben aus schwang da «öises» Golden Girl von London, Nicola Spirig: Die sympathische Triathletin wurde vom Zurzibieter Kommunikationsfachmann Marco Canonica interviewt und machte danach viele Fans mit einem Autogramm glücklich. Ein Champion der ganz anderen Art ist Micha Schranz: Der ausgebildete Coffeologe und Barista aus Flawil ist amtierender Latte Art Schweizermeister und zauberte in der Café-Ecke der Conditorei Leutwyler Schoggipulver-Kunst auf den Cappuccino-Schaum. Dann war da auch noch Tim Hössly, der im Frühling auf SF1 bei Kurt Aeschbacher zu Gast war. Proben vom Können des Jungkochs auf dem Weg in den Michelin-Sternenhimmel konnten zusammen mit einem feinen Tropfen von ArteVino degustiert werden.

Die Fachleute von der Nagra, die mit dem grössten Stand vertreten war, standen ebenso geduldig und ausführlich Red’ und Antwort, wie die Bad Zurzacher Gemeinderäte, die durch das Modell führten, das die Zukunftsvision des Fleckens anschaulich darstellte. René Küng hatte seine von ihm entwickelte 100-Liter-Brauanlage ausgestellt; die Raiffeisenbank offerierte eine Infrarot-Durchleuchtung von Häusern zu einem Sonderpreis und die Rehaklinik einen Wettbewerb, mit einem Fitness-Abo als Hauptpreis. Lenzerheide war als Gastregion mit einem kleinen, aber feinen Bike-Hindernis-Parcours präsent.

Ob Schreiner, Drogist, Versicherungsagent, Metzger, Elektriker, Auto- oder Velohändler – alle gaben auf Wunsch gerne Auskunft. Besonders viel zu tun hatte René Lippuner der Leiter der Regionalpolizei Zurzibiet an seinem Stand zum Thema «Kreisel»: Die grossen Besucher hatten viele Fragen, die kleinen freuten sich über Kugelschreiber oder Kleber mit dem lustigen Hund «Poli» drauf.

Überhaupt hatten Kinder und Jugendliche unübersehbar mindestens so viel Plausch, wie die Erwachsenen: Sie liessen sich kunstvoll schminken, streichelten begeistert Geissli, übten sich als Lokführer auf Stephans mit Kohlen geheizter Mini-Dampfbahn, türmten Harrassen bis in schwindelerregende Höhe. Beneidet wurden jene Kids, die sich im «Hot Pot» der R&R-Schreinerei tummeln konnten, einem hölzernen Badebottich, gefüllt mit rund 33 Grad warmem Wasser. Baden konnten zwar nicht alle, wohl aber im hübschen Messe-Restaurant gemütlich beisammen sitzen, an Ständen staunen und diskutieren. Eine Gewerbeschau ist immer ein hoch willkommener und geschätzter Begegnungsort.