Abrechnung
Goldfund Klingnau: Zum Finderlohn gabs ein Goldvreneli obendrauf – so viel floss in Gemeindekasse

Philipp Zimmermann
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Das war im am 20. Oktober 2017: Die Klingnauer Goldbarren werden den Medien in einem Körbchen präsentiert, bevor sie der Gemeinde übergeben werden.
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Der offizielle Akt: Regionalpolizei-Chef René Lippuner übergibt dem damaligen Klingnauer Gemeindeammann Oliver Brun die Goldbarren.
Nach Ablauf der fünfjährigen Meldefrist und letzten Abklärungen gehen die 2,6 Kilogramm Goldbarren in das Eigentum der Gemeinde über.
Laut René Lippuner konnten auch die letzten Personen, die einen Anspruch auf das Gold stellten, nicht nachweisen, dass sie die rechtmässigen Eigentümer sind.
Zuvor waren die Goldbarren in der Obhut des Fundbüros, das von der Regionalpolizei geführt wird.
Gemeindeschreiber Rolf Walker und Gemeindeammann Oliver Brun zählen die zehn Barren mit einem Gesamtgewicht von 2,6 Kilogramm. Dann überschreiben sie und René Lippuner (Mitte) die offiziellen Dokumente.
Die Gemeinde hat die Goldbarren am 23. Oktober 2017 zu einem Preis von 103'679 Franken verkauft.
Wem die Goldbarren ursprünglich gehörten und wie sie an den Fundort kamen, bleibt mysteriös.
Kopie von Übergabe Klingnauer Goldfund (20.10.2017)
Die Barren lagen vor der Übergabe mehrere Jahre im Banktresor der Raiffeisenbank-Filiale im Klingnauer Städtchen.
Dieses Bild publizierte die Kantonspolizei Aargau, als der Fund im Juli 2012 publik wurde. Die Nachricht ging damals um die Welt.
Hier wurden am 28. Juni 2012 die Goldbarren entdeckt: Der Fundort befindet sich an einem Fussweg zwischen Bahnlinie und Umfahrungsstrasse. Diese führt zum 4,5 Kilometer entfernten Grenzübergang Koblenz-Waldshut.
Hinter dem Strauch links vom Kandelaber lagen die Goldbarren in einem Plastiksack, als die beiden Gemeindemitarbeiter sie fanden.
Nach dem Fund machte einer der Finder dieses Handybild von einem 50-Gramm-Goldbarren.
In dieser Kuhle lag der Plastiksack mit den in Seidenpapier verpackten Goldbarren.
So sah die Kuhle 5 Jahre nach dem Fund aus.
Die Karte zeigt den Fundort vom Klingnauer Goldfund 2012 – ebenso den zweiten Goldfund in Klingnau von 1905 hatten Holzhauer im Wald 829 Goldmünzen ausgegraben. Auch deren Herkunft ist bis heute mysteriös geblieben.
Rot markiert (Bildmitte) der Lichtmast beim Fundort. Der Fundort liegt neben der Umfahrungsstrasse, die am Klingnauer Städtchen vorbeiführt. Der Grenzübergang Koblenz-Waldshut ist nur 4,5 Kilometer entfernt.
Der Fundort liegt am Friedhofweg, doch der Friedhof befindet sich 300 Meter weit entfernt.
Der Friedhofweg führt bei der Unterführung vorne links zum damaligen Standort der Poststelle (die später aufgehoben wurde), rechts zum Friedhof.
Hinter diesem Strauch lag der Plastiksack mit dem Gold – wann er abgelegt wurde, ist unklar. Beim Gold lag ein Wegbeschrieb vom Fundort zum Polizeiposten mit Ausdruckdatum vom 26. Juni 2012, also zwei Tage vor dem Funddatum.
So sieht es beim Fundort nachts aus.
Der Fundort im Juni 2017. Rechts fährt eine S27 vorbei.

Das war im am 20. Oktober 2017: Die Klingnauer Goldbarren werden den Medien in einem Körbchen präsentiert, bevor sie der Gemeinde übergeben werden.

Philipp Zimmermann

Letzten Oktober ging der Goldfund von Klingnau in das Eigentum der Gemeinde über. Aus der Rechnung 2017, die nun für die nächste Gemeindeversammlung öffentlich aufliegt, geht nun hervor, zu welchem Preis die Gemeinde die 2,6 Kilogramm Goldbarren (am 23. Oktober 2017) verkauft hat: Es sind 103'679 Franken. Das entspricht einem Kilopreis von 39'877 Franken.

Nach Abzug von Finderlohn und Kosten flossen rund 91'000 Franken in die Gemeindekasse. Vom Erlös wurden 1906 Franken für ein Gutachten eines Rechtsanwaltsbüros abgezogen. Ebenso rund 250 Franken für die vierjährige Tresormiete, während der eine Bank die Barren hütete.

Die beiden Männer, welche am 28. Juni 2012 auf das Gold stiessen und sogleich die Polizei benachrichtigten, haben zusammen einen Finderlohn von 10'600 Franken, rund 10 Prozent, erhalten. Obendrauf gab es je ein 20-Franken-Goldvreneli, Kaufpreis 524 Franken. Quasi als goldenes Erinnerungsstück an jenen besonderen Moment, als sie beim Mähen des hohen Grases an einem Fussweg die zehn Goldbarren fanden, die in einem Plastiksack im hohen Gras lagen, eingepackt in weisses Seidenpapier mit vielen Klebestreifen drum herum.

Bis heute bleibt mysteriös, wie die Goldbarren an den Fundort gekommen sind und woher sie stammen. Zwar fanden die Ermittler einen Fingerabdruck und konnten ihn einem Bosnier zuweisen. Doch dieser kann das Gold nicht in Klingnau abgelegt haben. Er wurde 24. Juni 2012 verhaftet, vier Tage vor dem Fund. Und im Plastiksack beim Fund lag ein Twix-Route-Ausdruck, auf dem der Weg vom Klingnauer Polizeiposten zum Fundort mit Leuchtstift eingezeichnet war. Auch das Ausdruckdatum stand auf dem Papier: 26. Juni 2012.

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