Klingnauer Goldfund
Goldbarren-Fingerabdruck stammt von Bosnier – ein Kriminaltourist war er nicht

Der Goldfund ist fünf Jahre her– az-Recherchen zeigen nun: Der Fingerabdruck auf dem Sack, in dem die Barren lagen, gehört einem Bosnier. Doch das Gold kann der Mann nicht selbst am Fundort in Klingnau abgelegt haben.

Philipp Zimmermann
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Fast fünf Jahre sind seit dem Goldfund von Klingnau vergangen. Nun zeigen az-Recherchen: Der Fall ist noch mysteriöser, als es bisher schien. Bekannt war nämlich, dass die Staatsanwaltschaft am Plastiksack, in dem sich die 2,6 Kilogramm Goldbarren befanden, einen Fingerabdruck fand und diesen auch einer Person zuweisen konnte.

Nach dem Fund machte einer der Finder dieses Handybild von einem 50-Gramm-Goldbarren.

Nach dem Fund machte einer der Finder dieses Handybild von einem 50-Gramm-Goldbarren.

JMW

Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Untersuchungsverfahren gegen die Person, konnte ihr dazu aber keine strafbaren Handlungen nachweisen.

Neue Recherchen der az zeigen nun: Bei dieser Person handelt es sich um einen heute 59-jährigen Mann aus Bosnien-Herzegowina, der keinen Wohnsitz in der Schweiz hatte, wie Fiona Strebel, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft, sagt. In Haft sass er nicht etwa wegen eines Vermögensdelikts wie Einbruch oder Diebstahl. «Er war wegen Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz inhaftiert», sagt Strebel. Seine Strafe hat der Bosnier mittlerweile verbüsst.

In einem solchen Fall weist das kantonale Amt für Migration und Integration (Mika) Ausländer aus Drittstaaten aus der Schweiz weg und beantragt beim Staatssekretariat für Migration ein Einreiseverbot. «In der Regel wird der Ausländer auf das Strafende hin aus der Schweiz ausgeschafft», hält Mika-Leiter Markus Rudin fest.

Hier wurden 2012 die Goldbarren entdeckt: Der Fundort befindet sich an einem Fussweg zwischen Bahnlinie und Umfahrungsstrasse.
11 Bilder
Dieses Bild von den Goldbarren veröffentlichte die Kantonspolizei, als der Fund im Juli 2013 publik wurde.
So sieht die Kuhle fast fünf Jahre später aus.
Hinter dem Strauch links vom Kandelaber lagen die Goldbarren in einem Plastiksack, als die beiden Gemeindemitarbeiter sie fanden.
Hinter diesem Strauch lag der Plastiksack mit dem Gold – wie lange, ist unklar.
Der Fundort liegt am Friedhofweg, doch der Friedhof befindet sich 300 Meter weit entfernt.
Der Fundort befindet sich am Friedhofweg. Dieser führt bei der Unterführung vorne links zum damaligen Standort der Poststelle (die später aufgehoben wurde), rechts zum Friedhof.
Rot markiert (Bildmitte) der Lichtmast beim Fundort. Der Fundort liegt neben der Umfahrungsstrasse, die am Klingnauer Städtchen vorbeiführt. Der Grenzübergang Koblenz-Waldshut ist nur 4,5 Kilometer entfernt.
So sieht es beim Fundort nachts aus.
Der Fundort im Juni 2017.

Hier wurden 2012 die Goldbarren entdeckt: Der Fundort befindet sich an einem Fussweg zwischen Bahnlinie und Umfahrungsstrasse.

Philipp Zimmermann/Kapo AG/Montage_az

Bosnier deponierte Barren nicht am Fundort

Was den Goldfund noch mysteriöser macht: Der Bosnier sass schon im Gefängnis, als die Gemeindemitarbeiter die Barren entdeckten. Er kann sie also selbst nicht am Fundort deponiert haben.

Die Ermittler konnten weder weitere Fingerabdrücke noch DNA an Goldbarren oder Plastiksack feststellen. Internationale Abklärungen der Staatsanwaltschaft ergaben keine Hinweise. Für alle Goldbarren, 50 Gramm bis 1 Kilo schwer, liess sich zwar das Herstelldatum eruieren, «für die kleineren sogar das Erstverkaufsdatum», sagt Strebel.

Die Fundorte der beiden Klingnauer Goldfunde. 1905 fanden Holzhauer im Klingnauer Wald einen Schatz von 829 Goldmünzen. Mehr im Video (unten).

Die Fundorte der beiden Klingnauer Goldfunde. 1905 fanden Holzhauer im Klingnauer Wald einen Schatz von 829 Goldmünzen. Mehr im Video (unten).

Die Spur verlief trotzdem im Sand, weil eine Bank die Barren erwarb, sie weiterverkaufte und die neuen Eigentümer nicht registriert wurden. «Es liess sich nicht nachweisen, dass es sich bei den Goldbarren um Deliktsgut handelt», hält Strebel fest.

Als der Goldfund im Juli 2012 publik wurde, meldeten sich zahlreiche Personen in der Hoffnung, die Goldbarren zu erhalten – das passiert auch heute noch. «Niemand konnte jedoch darlegen, dass er als Geschädigter in einem Strafverfahren Anspruch auf diese Goldbarren hätte», sagt Strebel. Woher sie stammen, bleibt ein Rätsel.

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