Region
Globi und Papa Moll sind Dauerbrenner in Zurzibieter Bibliotheken

Die Bibliotheken der Region begegnen den rückläufigen Ausleihzahlen mit Innovationen wie E-Books und Hörmedien. Verändert haben sich auch die Leserschaft und deren Leseverhalten.

Nadja Rohner
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In der Kinderbuchabteilung der Regionalbibliothek Klingnau greifen die kleinen Kunden gerne zur Kinderbuchserie der ‹Drei ??? Kids›. (Archiv)

In der Kinderbuchabteilung der Regionalbibliothek Klingnau greifen die kleinen Kunden gerne zur Kinderbuchserie der ‹Drei ??? Kids›. (Archiv)

Nadja Rohner

Am Sonntag hat der Frühling zumindest meteorologisch begonnen. Dennoch dauert es wohl noch ein paar Wochen länger, bis man abends wieder gemütlich draussen sitzen kann. Bis dahin verbringt man seinen Feierabend gerne auf dem Sofa mit einem guten Buch. Aber was lesen die Zurzibieter eigentlich gerne? Die az hat bei den Bibliotheken nachgefragt.

«Bei uns wird im Erwachsenenbereich eigentlich ‹querbeet› gelesen», sagt Maja Miller, Leiterin der Regionalbibliothek Klingnau. «Das geht von Krimis, Thrillern, Frauenschicksalen bis hin zu Heimatromanen.» Bei den Sachbüchern sei klar ein Abwärtstrend zu sehen. «Vieles kann im Internet gegoogelt werden», erklärt sich Miller die rückläufigen Ausleihzahlen. Beliebt seien auch die französischen und englischen Bücher – «sowohl bei den Primarschülern als auch bei Erwachsenen.» Auch Comics werden laut der Bibliotheksleiterin gerne ausgeliehen.

Eine deutliche Präferenz haben die Zurzibieter Teenies: «Bei den Jugendlichen dominiert die Serie ‹Gregs Tagebuch›. Das ist eine Comic-Roman-Serie, von welcher wir von Band 1 bis 9 jeweils drei Exemplare haben – aber selten steht ein solches Buch im Gestell.»

Auch Fantasy oder Liebesgeschichten sprächen die jungen Erwachsenen und Jugendlichen an, sagt Miller. «Bei den Kindern sind die Wimmelbücher und die Serie der ‹Drei ??? Kids› hoch im Kurs. Auch die Bücher vom ‹Magischen Baumhaus› werden von den Primarschülern sehr gerne genommen.»

Schweizer Klassiker sind beliebt

Laut Catherine Schindler Kündig von der Flecken-Bibliothek Bad Zurzach werden Schweizer Autoren immer gerne gelesen. «Deren Neuerscheinungen sind immer auf der Bestseller-Liste. ‹Koala› von Lukas Bärfuss war zum Beispiel sehr beliebt.» Aufwind hätten zur Zeit auch Romane mit biografischem Hintergrund. Wie in der Klingnauer Bibliothek lässt sich auch in Bad Zurzach ein Trend weg von den Sachbüchern hin zur Belletristik ausmachen. Gerade die Schüler würden weniger in Büchern nachschlagen, dafür umso mehr im Internet, sagt Schindler Kündig.

Auch die Kinder im Rheintal lesen gerne Bücher, die Teil einer Serie sind. Neben den Hits, die auch das Aaretal kennt, liest man in Bad Zurzach auch gerne «Die Gagas», «Die Olchis» oder «Sternenschweif». Schön zu hören: Die Schweizer Klassiker Globi und Papa Moll sind im Flecken Dauerbrenner – auch als Hörbücher.

Die Bibliothek in Bad Zurzach bietet zudem seit zwei Jahren E-Books an. «Wir gehören zu den Mitinitianten des Ausleihpools e-book+ unter Federführung der Stadtbibliothek Baden», sagt Schindler Kündig. «Die Ausleihzahlen sind noch auf relativ niedrigem Niveau bei knapp 1300 Ausleihen. Die Tendenz ist aber klar steigend, denn die Zahlen haben sich in diesen beiden Jahren mehr als verdoppelt.»

Die Regionalbibliothek Klingnau bietet seit September 2013 e-Medien vom ebookplus.ch Verbund an. Dort gibt es laut Bibliotheksleiterin Maja Miller zurzeit rund 4500 Medien zum Herunterladen. «Ein e-Medien-Abo kostet bei uns 30 Franken pro Jahr», sagt sie. «Im 2014 haben wir rund 1000 solche Ausleihen verbuchen können.» Sie hält fest: «Die neuen Medienmöglichkeiten auf den Smartphones oder Tablets konkurrenzieren die Bibliothek erheblich.»

Ausleihzahlen gehen zurück

In der Fleckenbibliothek wurden 2014 insgesamt 26'750 Artikel ausgeliehen. Das entspricht einem Rückgang um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. «Die Ausleihen sind aber langfristig gesehen sehr stabil», sagt Caroline Schindler Kündig. Die Leserschaft und damit auch deren Leseverhalten hätten sich aber verändert: «Vor zwanzig Jahren kamen sehr viele junge Mütter zusammen mit ihren Kindern. Die Kinder haben in der Zwischenzeit ihr Freizeitverhalten grundsätzlich verändert.

Die Zahl der berufstätigen jungen Mütter hat zugenommen, das Leseverhalten ihrer Kinder wird nicht mehr direkt durch die Mütter beeinflusst. Und die Kinder von vor zwanzig Jahren sind in der Zwischenzeit meist aus Bad Zurzach weggezogen.» Neue, junge Familien kommen laut Schindler Kündig meist aus dem Surbtal nach Bad Zurzach. «Die Distanz können die Kinder nicht alleine bewerkstelligen, so kommen diese Familien einmal pro Monat zu uns. Die einheimischen Familien hatten eine kleinere Kadenz.» Die Paare und Einzelpersonen kämen heute regelmässig einmal pro Monat, früher sei der Rhythmus etwas kürzer gewesen.

Die Regionalbibliothek Klingnau vermeldet einen Rückgang der Ausleihzahlen von rund 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. «Viele Bibliotheken, mit denen ich gesprochen habe, melden auch eher rückläufige Ausleihzahlen», sagt Maja Miller. «Es ist halt der Trend, vieles kann downgeloadet werden. Aber: Bildung lässt sich nicht downloaden – und Lesen ist Bildung.» Aber auch die Regionalbibliothek Klingnau geht mit der Zeit: Im letzten Jahr wurde der Hörmedien-Bereich stark erweitert – für jede Altersgruppe.

«Auch probieren wir bei den Zeitschriften neue Hefte aus. Der gesamte Medienbestand beläuft sich derzeit auf etwa 15'000 Bücher, Hörmedien und Zeitschriften», so Miller. «Wichtig für uns als Bibliothek ist, dass wir den Einwohnern des Unteren Aaretals einen sozialen Treffpunkt anbieten und den Kindern mittels unserer Medien die Sprache näher bringen. Die Sprach- und Lesekompetenz ist das A und O einer guten Bildung.»