Koblenz
Giroflex-Verkauf: «Die Lage an der deutschen Grenze ist eher ein Vorteil»

Das Zurzibiet hofft nach dem Verkauf des Bürostuhl-Pioniers auf den Erhalt der Stellen. 180 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen in Koblenz.

Philipp Zimmermann
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Der Giroflex-Hauptsitz in Koblenz. Das Unternehmen gehört seit 13. Juli 2017 dem norwegischen Konzern Flokk.
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Giroflex-Verkauf
Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
Flokk und Giroflex wollen nun mögliche Synergien ausloten und dann über die Zukunft des Standortes Koblenz entscheiden.
Hier befindet sich auch ein Fabrikladen.
Hier befindet sich auch ein Fabrikladen.
Die Warenannahme von Giroflex.
Werbeplakat von Giroflex neben dem Produktionsort und Hauptsitz an der Kantonsstrasse, die viel befahren wird und die zum Grenzübergang Koblenz-Waldshut führt.
Wenige hundert Meter vom Giroflex-Standort entfernt befindet sich die Grenze zu Deutschland (Waldshut-Tiengen). Ein Drittel der Belegschaft wohnt im deutschen Raum.

Der Giroflex-Hauptsitz in Koblenz. Das Unternehmen gehört seit 13. Juli 2017 dem norwegischen Konzern Flokk.

Philipp Zimmermann

Der Bürostuhl-Pionier Giroflex ist in neuen Händen: Der norwegische Flokk-Konzern hat sämtliche Aktien des Traditionsunternehmens aus Koblenz von der Familie Forster gekauft.

"Wir wussten, dass Giroflex gegen Anfang Jahr Stellen reduziert hat und in einem umkämpften Markt nach Lösungen sucht, um effizienter zu werden", sagte Gemeindeammann Andreas Wanzenried zur az.

Giroflex ist nicht nur ein grosser Arbeitgeber im Bezirk Zurzach, sondern auch mit Abstand der grösste in Koblenz. Der Bürostuhl-Hersteller ist für das 1650-Einwohner-Dorf an der deutschen Grenze aber nicht nur deswegen ein besonders wichtiges Unternehmen.

Heute geniesst die Firma über die Schweiz hinaus den Ruf eines Qualitätsbetriebs, der hochwertige Bürostühle selbst entwickelt und herstellt. Im Hauptsitz werden 130 Mitarbeiter beschäftigt, im eigenen Zulieferbetrieb Espisa auf der anderen Dorfseite weitere 50. Dazu kommen 20 im Ausland. «Weitere Stellenreduktionen würden uns schmerzen», sagt Wanzenried denn auch.

«Entscheidungen im Ausland»

Überrascht von der Nachricht des Verkaufs war auch Peter Andres, Geschäftsführer des Wirtschaftsforums Zurzibiet. «Jeder Verkauf eines Schweizer Unternehmens ins Ausland ist bedauerlich», sagt er. «Die Entscheidungen werden nun im Ausland gefällt.»

Für das Zurzibiet im Besonderen sei der Verkauf bedauerlich, weil die Möbelherstellung hier eine lange Tradition hat. Zuletzt sorgte in der Branche die ZKD aus Kleindöttingen für Negativschlagzeilen: Sie ging im April 2014 Konkurs, vier Jahre nachdem sie der Thurgauer Fred Heinzelmann von Thomas Zimmermann, dem Sohn des Firmengründers Max Zimmermann, gekauft hatte.

Dass Giroflex nach acht Jahren Verlust erst 2016 wieder einen Gewinn verbucht habe, zeige aber, dass das Unternehmen in keiner einfachen Situation stecke. «In so einer Situation kann ein Verkauf an eine grössere Gruppe auch eine Chance sein», fügt Andres an. Im konkreten Falle sei das aus der Distanz schwierig zu beurteilen. Giroflex-Chef Frank Forster hat gegenüber der az angekündigt, dass das Unternehmen zusammen mit dem neuen Eigentümer Flokk die Situation analysieren wird. Auf mögliche Synergien angesprochen, sagt er: «Es ist klar, dass vor allem der Produktionsstandort Schweiz auf dem Prüfstand steht. Er steht in direkter Konkurrenz zu den Flokk-Standorten in Norwegen, Niederlande und Schweden.»

Als Produktionsstandort sei die Schweiz zwar teurer als jene im Ausland, sagt Andres. «Die Frage ist, welche Qualität man will, ob Synergien Sinn machen und wie Flokk als neuer Eigentümer das Label Swissmade bewertet.»

Die Grenzlage in Koblenz schätzt Andres allerdings nicht als Nachteil ein. «Diese sehe ich in diesem Fall eher als Vorteil, wegen der höheren Verfügbarkeit von Fachkräften.» Gemäss Giroflex-Angaben wohnt ein Drittel der insgesamt 180 beschäftigten Grenzgänger in der deutschen Nachbarschaft.

Das Urmodell von 1926 der Federdreh mit «Nereg».
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Mit Federung, vier Füssen und vier Rädern ein Federdreh-Modell aus dem Hause Albert Stoll & Co. aus den Dreissigerjahren.
1970er Sanft zur Wirbelsäule, gut für die Arbeitsmoral.
Modernster Komfort der Bürostuhl Giroflex 353.
Giroflex-Bürosthühle

Das Urmodell von 1926 der Federdreh mit «Nereg».

Keystone