Klingnau
Giftköder-Alarm: Facebook-Post schreckt hunderte Hundehalter auf

Eine Frau findet in Klingnau ein verdächtiges Stück Fleisch im Gras. Sie vermutet einen Giftköder für Hunde. Ihr Facebook-Post geht viral.

Philipp Zimmermann
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Dieses Stück Fleisch fand eine Hundehalterin beim Klingnauer Bahnhof.

Dieses Stück Fleisch fand eine Hundehalterin beim Klingnauer Bahnhof.

ZVG

Als eine Klingnauerin kurz nach Montagmittag mit ihrem Hund spazieren geht, macht sie eine sonderbare Entdeckung: Wenige Schritte vom Bahnhof entfernt liegt ein Stück Fleisch im Gras. Ein Giftköder? Erst vor kurzem sorgte ein solcher in Rekingen für Schlagzeilen. Die Frau ist alarmiert. «Ich fand es verdächtig, dass ein Stück Fleisch da am Boden liegt», erzählt sie, die anonym bleiben möchte, der az am Dienstag.

Mit einem orangen Robidogsäckli nimmt sie das mögliche Corpus Delicti auf und bringt es zum nahen Polizeiposten im Klingnauer Städtli. Wenig später postet sie auf Facebook Fotos vom Stück Fleisch sowie vom Fundort und schlägt Alarm: «Achtung Giftköder in Klingnau!» Und ergänzt, dass sie schon von Fleischködern mit Rattengift im Ort gehört habe, aber in diesem Fall nicht wisse, ob das Fleisch tatsächlich vergiftet ist.

Im Gespräch relativiert die Hundehalterin nochmals: «Ich kann nicht sagen, ob es wirklich ein Giftköder ist. Ich habe es sicherheitshalber auf Facebook gepostet.»

Die mittlerweile gelöschte Giftköder-Warnung aus Klingnau

Die mittlerweile gelöschte Giftköder-Warnung aus Klingnau

Facebook

Beschimpfungen und Drohungen

Ihr Posting verbreitet im sozialen Netz wie ein Lauffeuer und schreckt hunderte Hundehalter auf – 24 Stunden später ist es auf Facebook schon über 1000 Mal geteilt worden. Es sorgt für hitzige Reaktionen: Zahlreiche Personen stossen nicht zitierfähige Beschimpfungen und Drohungen an die Adresse des möglichen Tierquälers aus.

Bernhard Graser, Mediensprecher bei der Aargauer Kantonspolizei, bestätigt, dass das Stück Fleisch beim Polizeiposten abgegeben wurde. Allerdings: «Eine rein optische Kontrolle hat nichts Verdächtiges ergeben», sagt er. Es sei nun Sache der Staatsanwaltschaft, über eine Laboranalyse zu entscheiden. Die Kosten dafür würden sich auf mehrere hundert Franken belaufen.

Andere Giftköder-Fälle in Klingnau kann Polizeisprecher Graser nicht bestätigen. «Tatsache ist, dass die Kantonspolizei Aargau keine Anhaltspunkte dafür hat, dass mehrere solcher angeblicher Köder verteilt worden sind», hält er fest. «So sind weder weitere Meldungen noch entsprechende Anzeigen eingegangen.»

Mehrheitlich Gerüchte

Laut Graser ist es unbestritten, dass es im Kanton Aargau «leider vereinzelte solcher Vergiftungsfälle gibt». Er unterstreicht, dass Polizei und Staatsanwaltschaft bei Verdachtsmomenten konsequent ermitteln.

Aber der Kapo-Mediensprecher warnt auch davor, «wie heikel solche Facebook-Warnungen sind». Denn mehrheitlich würden bloss Gerüchte im Raum stehen, die oft von einer einzelnen Person in die Welt gesetzt werden. «Die grundsätzlich gut gemeinten Warnmeldungen in sozialen Medien – und auch Medienberichte – steigern die Verunsicherung zusätzlich.»

Am Dienstagabend war die Warnmeldung auf Facebook verschwunden: Die Hundehalterin dürfte ihn gelöscht haben.