Bad Zurzach
Gian Gilli im Turm: «Winter-Olympiade in der Schweiz ist finanzierbar»

Schweizer Olympia-Missionschef Gian Gilli und Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig waren zu Gast bei «Talk im Turm» und diskutierten über die Erfahrungen und Möglichkeiten in Bezug auf Olympische Spiele.

Angelo Zambelli
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Gian Gilli (rechts) erklärt Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig und Moderator Marco Canonica die Vision «Olympische Winterspiele 2022 in der Schweiz». Angelo Zambelli

Gian Gilli (rechts) erklärt Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig und Moderator Marco Canonica die Vision «Olympische Winterspiele 2022 in der Schweiz». Angelo Zambelli

Ein Blick zurück auf einen grossen Schweizer Triumph an den Olympischen Sommerspielen 2012 in London und ein Ausblick auf die vom Stimmvolk noch abzusegnende Kandidatur Graubündens für die Olympischen Winterspiele 2022: Beim zweiten «Talk im Turm» hoch oben im Turmrestaurant stand der Sport im Mittelpunkt. Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig und Gian Gilli, Missionschef der Schweizer Olympia-Delegation und engagierter Kämpfer für die Winterspiele in seinem Heimatkanton Graubünden, stellten sich den Fragen des Moderators Marco Canonica.

Der in Anlehnung an Alfred Bioleks legendäre Fernsehsendung «Bios Bahnhof» entstandene «Talk im Turm» gefiel durch die Lockerheit und Direktheit der Hauptakteure, die nicht nur mit kernigen Aussagen und Humor überzeugten, sondern auch da und dort einen Einblick in ihr Seelenleben gewährten.

Nicola Spirig, angereist mit ihrem Lebenspartner Reto Hug und mit dem zu diesem Zeitpunkt noch nicht öffentlich gemachten süssen Geheimnis ihrer Schwangerschaft, bezeichnete die Übergabe der Goldmedaille nach dem hauchdünnen Sieg über die Schwedin Lisa Norden als einen der emotionalsten Momente ihres bisherigen Lebens.

Der Olympiasieg löste neben der Freude in der Schweizer Sportszene auch grosses Interesse an der Person Nicola Spirig aus: «Ich erhalte 30 bis 40 Mails pro Tag und unzählige Anfragen für Interviews, Referate, Autogrammstunden und ähnliche Veranstaltungen.» Weil ihr Facebook-Profil die maximal mögliche Zahl von 5000 Freunden überstieg, musste die Olympiasiegerin zusätzlich eine Fanseite gründen, um mit all ihren Fans verbunden zu sein.

Apropos Verbundenheit: Im Turmhotel anwesend war auch ein Sponsor der allerersten Stunde in der Karriere Nicola Spirigs: Marco Zollinger von der Beschriftungsfirma Zollinger AG in Tegerfelden unterstützt die Spitzensportlerin aus Winkel im Zürcher Unterland seit ihrem Einstieg in den Triathlonsport.

«Schweiz für Zukunft fit machen»

Gian Gilli, bekanntester Kopf des Teams, das hinter der Machbarkeitsstudie zu den Olympischen Winterspielen 2022 in St. Moritz und Davos steht, hielt ein eindrückliches Plädoyer für mehr Mut, wenn es um die Ausrichtung grosser Sportanlässe geht: «Olympisch Winterspiele in der Schweiz sind machbar und auch finanzierbar. Für die Schweiz wäre es eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich in einem anderen Licht zu präsentieren als in dem der angeschlagenen Bankenwelt.»

Gilli ist überzeugt, dass eine Olympiade das Land sportlich, ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich voranbringen würde: «Wir sollten die Spiele dafür nutzen, die Schweiz für die Zukunft fit zu machen», sagte Gilli. Als hinderlich und manchmal auch nervig bezeichnete der Organisator der alpinen Skiweltmeisterschaften 2003 in St. Moritz und der Eishockey-WM 2009 in Bern die Schweizer Eigenheit, Neuem skeptisch bis negativ gegenüberzustehen. Gillis Credo hingegen lautet: «Lieber Visionen als Depressionen».

Gilli gesteht seinem Heimatkanton zu, gross und stark genug zu sein, diese grosse Aufgabe der Ausrichtung von Olympischen Winterspielen bewältigen zu können, erinnerte aber auch daran, dass die Organisation und Finanzierung eines Weltanlasses wie es die Olympischen Winterspiele in St.Moritz und Davos wären, nicht Aufgabe eines einzelnen Kantons sein kann, sondern eine Aufgabe für das ganze Land darstellt.

Das Beispiel Roger Federer

Von Moderator Marco Canonica auf den Stellenwert des Spitzensports in der Schweiz angesprochen, antwortete Gilli: Ich verstehe nicht, warum die Schweiz als eines der reichsten Länder der Welt nur einen ganz geringen Bruchteil des Staatsetats für den Spitzensport bereitstellt. Oftmals haben Spitzensportler nicht den Stellenwert, den sie aufgrund ihrer Leistungen verdienen würden.» Als Extrembeispiel nannte Gilli Tennis-Superstar Roger Federer: «Was er für das Image der Schweiz tut, ist unbezahlbar.»