Bezirk Zurzach
Gewitterwolken über den Zurzibieter Schulstandorten

Bereits an der letzten Sitzung des Planungsverbandes hatte Präsident Felix Binder auf die dunklen Wolken hingewiesen, die sich mehr und mehr über einzelnen Schulstandorten des Bezirks Zurzach zusammenbrauen.

Angelo Zambelli
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Unsichere Zukunft: Zwei Abteilungen zu führen, wird für die Bezirksschule Leuggern in Zukunft kaum mehr möglich sein. Peter Jacobi

Unsichere Zukunft: Zwei Abteilungen zu führen, wird für die Bezirksschule Leuggern in Zukunft kaum mehr möglich sein. Peter Jacobi

An der Sitzung vom Mittwoch wurde Binder noch konkreter: «In sieben bis acht Jahren nimmt die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den Zurzibieter Schulen markant ab.» Laut Binder ist ein Rückgang zwischen 25 und 30 Prozent zu erwarten. Binder betonte, dass weder er noch der Planungsverband Schulen schliessen möchten – im Gegenteil. «Wichtig ist, dass wir zusätzliche Kinder in den Bezirk Zurzach holen können, damit die Schulen erhalten werden können.»

Binder machte den Gemeindevertretern aber auch unmissverständlich klar, dass der eine oder andere Schulstandort gefährdet ist: «In der Region Aaretal/Kirchspiel sind langfristig zwei Bezirksschulstandorte und drei Standorte von Sekundar- und Realschulen nicht realistisch», sagte Binder. Auch die je zwei Bezirksschulabteilungen in Klingnau und in Leuggern seien langfristig nicht mehr zu halten. Ebenfalls gefährdet ist laut dem Planungsverbandspräsidenten der Sekundar- und Realschulstandort Leibstadt.

Weniger dramatisch ist die Situation im Surbtal. Gemäss den Erkenntnissen der Arbeitsgruppe «Bildungsqualität Zurzibiet», in der ausser den Planungsverbandsmitgliedern auch Schulpflegepräsidenten und Schulleiter mitarbeiten, bewegen sich die Schülerzahlen auf hohem Niveau und bleiben auch in den nächsten Jahren stabil. Aufgrund der intensiven Bautätigkeit im Surbtal sei nicht davon auszugehen, so die Arbeitsgruppe um Präsident Felix Binder, dass die Schülerzahlen unter das heutige Niveau sinken. Aufgrund dieser Erkenntnis könne davon ausgegangen werden, dass im Surbtal langfristig 3 bis 4 Bezirksschulklassen sowie 2 Sekundar- und 1 Realschulklasse geführt werden können.

Im Raum Aaretal/Kirchspiel sind bereits Versuche einer regionalen Zusammenarbeit angelaufen. Im Rahmen der Fusionsabklärungen prüfen Döttingen und Klingnau verschiedene Lösungsvarianten.

Die Geschäftsleitung des Planungsverbandes Zurzibiet hat sich zum Ziel gesetzt, auf politischer Ebene zu erreichen, dass die Minimalzahl der Schüler pro Klasse an der Bezirksschule von 18 auf 13 analog der Sekundarschule gesenkt wird.

Verbandspräsident Binder räumte gegenüber den Gemeindevertretern ein, dass die Sicherheit der Schulstandorte kein angenehmes Thema sei, «aber es muss jetzt auf den Tisch. Vor dieser Frage können wir uns nicht länger drücken».

Pflegekonzept kostet viel Geld

Das zweite grosse Thema an der Sitzung des Planungsverbandes im Landgasthof Weisses Kreuz in Gippingen betraf die von einer weiteren Arbeitsgruppe ausgearbeiteten Grundzüge eines Zurzibieter Pflegekonzepts. Der Geschäftsleitung des Planungsverbandes ist es ein Anliegen. Den Gemeinden bewusst zu machen, dass sie gemäss der neuen Pflegegesetzgebung für die Alters- und Langzeitpflege verantwortlich sind. Ziel ist es, ein regionales Alters- und Pflegekonzept inklusive Leitbild zu erstellen und – vor allem – die Anzahl der benötigten Pflegeplätze sicherzustellen. Die in einer Umfrage bei den Gemeinden erhobenen Daten zeigen einen immensen Bedarf an neuen Pflegeplätzen in den nächsten 20 Jahren auf. Bis 2020 hält sich die Unterdeckung noch in Grenzen (18 fehlende Plätze). Danach aber steigt sie dramatisch: Bis 2030 erhöht sich das Manko in den Einzugsgebieten der Alters- und Pflegeheime Bad Zurzach, Döttingen, Ehrendingen, Lengnau, Leuggern und Würenlingen auf 180 Pflegeplätze.

Der Planungsverband rechnet damit, dass allein für die Bereitstellung der in den nächsten 10 Jahren benötigten 100 zusätzlichen Betten rund 35 Millionen Franken aufgewendet werden müssen.

Bauwerke bewirken Verlagerungen

In einer rund 90 Seiten starken Studie legt die überregionale Arbeitsgruppe «Motorisierter Individualverkehr» (MIV) dar, welche Auswirkungen die grossen Bauwerke Ostumfahrung Bad Zurzach, Grenzübergang Koblenz, Baldeggtunnel mit Umfahrung von Untersiggenthal auf die Verkehrsflüsse im Zurzibiet haben und wie den negativen Auswirkungen einer Verkehrsverlagerung begegnet werden kann.

Die Studie kommt zum Schluss, dass – abgesehen vom Grenzübergang Koblenz – im Zurzibiet noch keine ernsthaften Verkehrsprobleme bestehen, sich aber in den Regionen um Brugg und Siggenthal zu den Hauptverkehrszeiten bereits jetzt deutliche Überlastungen abzeichnen.

Für das Zurzibiet von besonderem Interesse sei die Kombination der Netzelemente Baldeggtunnel, Ostumfahrung Bad Zurzach und Neubau Grenzübergang Koblenz, schreibt die Arbeitsgruppe «MIV» in ihrem Schlussbericht. Sie ist auch zur Erkenntnis gelangt, dass die Netzstrategie im Endausbau zu einer Verlagerung des Verkehrs vom Rheintal und von der Achse Bad Zurzach–Zurziberg–Würenlingen respektive Bad Zurzach–Surbtal ins Aaretal und zum entsprechenden Mehrverkehr auf der Aaretalstrasse und in Koblenz führt. Zur Minimierung der negativen Auswirkungen der Verkehrsverlagerung müssen laut Studie in Abstimmung mit den benachbarten Regionen flankierende Massnahmen getroffen werden.

Eine weitere Erkenntnis der Arbeitsgruppe ist, dass die obgenannten grossen Verkehrsbauten für sich alleine nur geringe Auswirkungen haben. Der Baldeggtunnel bewirke einen regional unterschiedlichen, insgesamt jedoch sehr bescheidenen Reisezeitgewinn. Positiv jedoch, so die MIV-Studie, sei die deutliche Erhöhung der Reisezeitzuverlässigkeit durch die Anbindung ans Schweizer Nationalstrassennetz.