Analyse
Gescheiterter Kantonswechsel: Der Alleingang dürfte für Fisibach keine Option sein

Der Aargauer Regierungsrat lehnt den Fisibacher Kantonswechsel ab. Was bedeutet dies für das Dorf und das Fusionsprojekt Rheintal+?

Daniel Weissenbrunner
Daniel Weissenbrunner
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Idylle in Fisibach – doch ob das Dorf eine Fusion anstreben soll, ist umstritten.

Idylle in Fisibach – doch ob das Dorf eine Fusion anstreben soll, ist umstritten.

Chris Iseli

Fisibach und Böbikon trennen nur neun Kilometer und zehn Autominuten. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Politisch und gesellschaftlich könnten zwischen den beiden Zurzibieter Gemeinden aber bald Welten liegen. Dann nämlich, wenn das angelaufene Fusionsprojekt «Rheintal+» im gleichen Tempo konstruktiv vorangetrieben wird und Fisibach sich im Gegenzug weiter isolieren sollte. Nachdem der Aargauer Regierungsrat den Wechselgelüsten des Grenzörtchens zum Kanton Zürich eine klare Abfuhr erteilt hat, sollten sich die Fisibacher nun ernsthaft Gedanken machen, wie man die grossen Aufgaben, die auf die Gemeinde zukommen, meistern will.

Fisibach
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Im April 2017 hat eine ausserordentliche Gemeindeversammlung dem Antrag zugestimmt, einen Kantonswechel zu Zürich zu prüfen.
Fisibach ist eine ländliche Gemeinde im Bezirk Zurzach und grenzt an den Kanton Zürich sowie an Deutschland. Die Grenze markiert der Rhein.
Die Kinder gehen seit dem Schuljahr 2016/17 im Kanton Zürich zur Schule. Die Kindergärtler und Primarschüler im benachbarten Weiach, die Oberstufenschüler in Stadel. Zuvor war die Gemeinde der Kreisschule Rheintal-Studenland angeschlossen.
Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 577 Hektaren. Davon sind 269 Hektaren bewaldet, 50 Hektaren überbaut.
Fisibach ist nach dem gleichnamigen Bach benannt.

Fisibach

Chris Iseli

Der Alleingang dürfte kaum eine Option sein. Einzig ein Zusammenschluss mit Kaiserstuhl, dessen Bekenntnis zu Rheintal+ ebenfalls noch ausstehend ist, käme noch infrage. Der substanzielle Nutzen wäre aber minim, die Einsparungen marginal. Bleibt also am Ende doch der Sprung zurück auf Feld eins – der Mitarbeit am Fusionsprojekt, das an der Gemeindeversammlung klar bachab geschickt wurde.

Am Samstag erfolgte eben in Böbikon die Geburtsstunde des ersten gemeinsamen Treffens der neun verbliebenen Gemeinden. Entgegen den ersten Vermutungen stossen die Gespräche der möglichen Fusionskandidaten nicht von vornherein auf Ablehnung, sondern finden, was den einen oder anderen verwundern mag, in einem konstruktiven, offen geführten Rahmen statt.

«Die Fisibacher laufen nun Gefahr, den Zug zu verpassen, sollten sie nicht bald ihre Weichen stellen.»

Die Fisibacher laufen Gefahr, den Zug zu verpassen, sollten sie nicht bald ihre Weichen stellen. Die Türe steht dem Vernehmen nach nach wie vor offen, sich dem Projekt anzuschliessen. Sie sollten die Geduld der anderen Gemeinden aber nicht zu stark auf die Probe stellen. Bereits werden dort erste Stimmen laut, die ihre Skepsis gegenüber den Zurzibieter «Separatisten» äussern. Mit ihrem Alleingang haben sich die Fisibacher in einem wichtigen Thema – in der Frage nach dem Schulstandort – einen Vorteil verschafft. Schulkinder aus Fisibach und auch Kaiserstuhl sollen weiterhin die Primar- und Oberschule im Kanton Zürich besuchen dürfen. Dies soll, laut Regierungsrat auch möglich sein, falls Fisibach mit den anderen Zurzibieter Gemeinden fusionieren würden.

So sah Karikaturist Sven Wegmann die Kantonswechselpläne von Fisibach.

So sah Karikaturist Sven Wegmann die Kantonswechselpläne von Fisibach.

Swen

In einer Phase der Unsicherheit, in der die bevorstehende Schulreform für das Zurzibiet viele Emotionen weckt, ist der Unmut der reformwilligen Rheintaler Gemeinden verständlich. Die Kritiker monieren zu Recht, dass in solch zentralen Punkten nicht jeder sein eigenes Züglein fahren sollte. Ein Schulterschluss wäre so früh zum Scheitern verurteilt.

Die Fisibacher täten also gut daran, sich rasch zu entscheiden. Sinnvollerweise für Rheintal+. Denn eines ist klar: Ewig wird man auf den kleinen Ort am Rhein nicht warten.