Full-Reuenthal
Gemeinde muss rigoros sparen: Der Badi droht die Trockenlegung

Full-Reuenthal hat einen Steuerfuss von 125 Prozent - und muss sparen. Auf Dauer könne sich die Gemeinde ihre Badi nicht leisten, sagt Ammann Marcel Werder. Eine Interessengemeinschaft will die Schliessung allerdings verhindern.

Daniel Weissenbrunner
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Die Badi in Full steht vor einer unsicheren Zukunft
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Die Badi in Full steht vor einer unsicheren Zukunft

Alex Spichale

Full-Reuenthal liegt geografisch an einer bevorzugten Lage. Die nördlichste Gemeinde des Kantons Aargau wird halbkreisförmig vom Rhein umflossen – ein Paradies für Naturfreunde und Sportbegeisterte. Ausserdem bietet Full-Reuenthal mit dem Militär- und Festungsmuseum zwei Museen von nationaler Bedeutung.

Wenn es um die Finanzen geht, ist es mit der Beschaulichkeit allerdings vorbei. Full-Reuenthal zählt zu den Gemeinden mit dem höchsten Steuerfuss. Aktuell liegt der Satz bei 125 Prozentpunkten. Damit man im neuen Finanzausgleich, der 2017 in Kraft tritt, vom Kanton Ergänzungsleistungen in Anspruch nehmen kann, sind rigorose Sparmassnahmen unumgänglich.

Dem Rotstift zum Opfer fallen dürfte das Freibad. Die Anlage liegt zwar idyllisch am Rhein. Sie ist aber seit Jahren defizitär. Gemeindeammann Marcel Werder macht sich nichts vor. «Wir können uns das Freibad auf die Dauer nicht leisten.»

Über den neuen Lastenausgleich hat sich Werder mit dem zuständigen Regierungsrat Urs Hofmann besprochen und eine entsprechende Rückmeldung erhalten. So viel scheint klar: Für Gemeinden wie Full-Reuenthal ist der finanzielle Spielraum eng bemessen. Ein Freibad mit einem strukturellen Defizit – jährlich zwischen 30'000 und 70'000 Franken – dürfte in der Beurteilung des Kantons einen schweren Stand haben.

Auch keine Restaurants mehr

Wegen der drohenden Schliessung regt sich in Full-Reuenthal nun Widerstand. Einer, der sich für die Weiterführung des Freibads einsetzt, ist Oliver Erdin. Er hat mit einigen Kollegen die Interessengemeinschaft Badi Full (IGBF) vor kurzem ins Leben gerufen. «Das Freibad ist einer der letzten Begegnungspunkte in unserer Gemeinde. Es gibt schon keine Restaurants mehr.»

Das Dorfleben drohe sich langsam, aber sicher aufzulösen, befürchtet Erdin. Seine Ideen hat er Gemeindeammann Marcel Werder in einem Gespräch unterbreitet. Mit Frondienstarbeit seitens der IGBF sollen die Betriebskosten für die Gemeinde gesenkt werden. Mit Sponsoring, Kioskbetrieb und Veranstaltungen erhofft man sich, dass zusätzlich Geld in die Kasse gespült wird.

Marcel Werder ist vom Engagement Erdins erfreut. Er betrachtet es als Beispiel, das durchaus Schule machen könnte. Es liege auch im Interesse der Gemeinde, die Badi so lange wie möglich zu halten. «Es wäre aber vermessen zu behaupten, dass damit der Betrieb des Freibads sichergestellt werden kann», so Werder.

Wahrscheinlicher sei, dass über die Zukunft der Anlage an der Urne abgestimmt werde. «Dort muss die Frage beantwortet werden, ob die Bevölkerung für das Freibad eine Erhöhung des Steuerfusses von zwei bis drei Prozent in Kauf nehmen will.»

Damit Full-Reuenthal finanziell auf die Beine kommt und nicht am Tropf des Kantons hängt, müssten künftig vor allem die Einnahmen bei den Aktiensteuern zu Buche schlagen. Die Gemeinde wäre auf den Zuzug von Firmen angewiesen, die hier auch ihre Erträge versteuern.

Im Falle von Kuhn Champignon AG ist das beispielsweise nicht der Fall. Das Unternehmen hat ihren Hauptsitz in Herisau. Mit der anstehenden Erschliessung des 24 Hektaren grossen Industrie-und Gewerbeareals könnte der Ort indes an Attraktivität gewinnen und den wirtschaftlich notwendigen Impuls erhalten.

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