Bad Zurzach
Galerie Mauritiushof: Drei Männer mit geheimer Leidenschaft

Die Galerie Mauritiushof zeigt überraschende Bilder prominenter Persönlichkeiten aus dem Flecken.

Rosmarie Mehlin
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Margrit Edelmann (links) vor einem Stillleben ihres verstorbenen Mannes Walter Edelmann. bkr

Margrit Edelmann (links) vor einem Stillleben ihres verstorbenen Mannes Walter Edelmann. bkr

Ein Jurist und Grossrat, ein Ökonome und Direktor, ein Bahnhofsvorstand und Galerieleiter – drei Persönlichkeiten aus dem Flecken, die es beruflich zu hohem Ansehen gebracht haben. Zwei von ihnen sind vor Jahren verstorben, der dritte hat kürzlich seinen 85. Geburtstag gefeiert. Nicht viele Menschen in ihrem weiteren Umfeld haben gewusst, welcher Leidenschaft Walter Edelmann (1923–2002), Roland Sramek (1939–2006) und Alois Hauser (1931) in ihrer Freizeit gefrönt hatten.

Ergebnis ihres heimlichen Tuns

Nun ist die Katze aus dem Sack, sind die Ergebnisse ihres heimlichen Tuns öffentlich sichtbar gemacht: 50 Œuvres in Öl, Aquarell, Acryl und Grafit sind bis zum 6. November in der Galerie Mauritiushof ausgestellt. Margrit Edelmann, Witwe des Mitbegründers der Thermalquelle und einer Stiftung für Kuranlagen, hatte sehr wohl vom Hobby ihres Mannes gewusst. Sie kam gar nicht umhin, hatte ihr frisch Angetrauter doch Staffelei und Farbpalette mit auf die Hochzeitsreise nach Sirmione (It) genommen.

Solches hat Beat Edelmann, der zweitälteste von drei Söhnen und zwei Töchtern, anlässlich der Vernissage verraten. Und auch, dass der Papa sich erfolglos bemüht hatte, seine Kinder ebenfalls zum Malen zu bewegen. Im Elternhaus, so Beat Edelmann weiter, würden noch zahlreiche Schülerzeichnungen des Vaters liegen. Später hatte er sich ganz dem Aquarellieren verschrieben. Reizvolle Ansichten von Winterlandschaften auf dem Stoos, wo die Familie ein Ferienhaus besitzt, sehr präzise, reizvolle Stillleben sowie Aquarelle von Margeriten, Rosen, Seerosen und Alpenblumen – entstanden in den 1990er-Jahren – legen in der Ausstellung Zeugnis über die ausgeprägte künstlerische Ader des Anwalts und Notars, einstigen Gemeindeammanns von Zurzach und Aargauer Grossrats ab.

Gänzlich anders beschaffen war die musische Seite vom langjährigen Direktor der Rheumaklinik, Roland Sramek. Erst nach seiner Pensionierung 2004 hat er ausgelebt, was in seinem Innern geschlummert hatte. In einem Atelier hat er mit Öl auf Leinwand mit grosszügigen Pinselstrichen abstrakte Farbexperimente geschaffen. Dies war ihm, bis zu seinem frühen Tod, nur zwei Jahre lang gegönnt. «In dieser kurzen Zeit hat er aber sehr viele Bilder geschaffen. Einige davon hat er mir geschenkt, jeweils mit einer kleinen Ermahnung hinten drauf. So etwa ‹halte Sorge zum grossen Werk deines Vaters›», berichtet Beat Edelmann.

Vom Bahnhof in die Galerie

Den Dritten im «Geheimbund», Alois Hauser, bezeichnete Edelmann schmunzelnd als «heruntergekommener Appenzeller mit leichtem Migrationshintergrund». Als Bahnhofsvorstand war der gebürtige Appenzeller nach Zurzach gekommen und hatte 1974 «nebenbei» die Leitung der damaligen Galerie zum Elephanten übernommen und das Amt in der Galerie Mauritiushof weitergeführt. Erst vor kurzem hat er das Zepter an Laura Wurster weitergegeben.

Der Beginn als Galerist hatte für Hauser das Ende als Zeichner und Maler bedeutet. Bis dahin hatte er seine künstlerische Begabung vor allem mit dem Grafit-Stift auf Papier ausgelebt. In der Ausstellung stechen zahlreiche, anscheinend mit leichtem Strich hingeworfene Zeichnungen mit Ansichten von Mallorca faszinierend ins Auge. Aber auch die «Werkstatt vom Schwager» in Öl auf Spanplatte sowie – in Öl auf Holz – Jesus am Kreuz unter dem Titel «Karfreitag» verblüffen den Betrachter: Was für «heimlifeisse» Künstler sind die drei Zurzacher Persönlichkeiten doch gewesen.