Döttingen
Für Döttinger Fusionsgegner ist das Refunanetz zu tief bewertet

An der Informationsveranstaltung in Klingnau waren nur wenige Gegenstimmen zu vernehmen. Ganz anders in Döttingen: Nach der gemeinderätlichen Vorstellung der Argumente, die für einen Zusammenschluss sprechen, meldeten sich die Fusionsgegner zur Wort.

Angelo Zambelli
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So sieht das Wappen der neuen Gemeinde Döttingen-Klingnaus aus.Der Rebstock steht für den Weinbau in beiden Gemeinden. ZVG

So sieht das Wappen der neuen Gemeinde Döttingen-Klingnaus aus.Der Rebstock steht für den Weinbau in beiden Gemeinden. ZVG

Am Mittwoch hatte der Gemeinderat Klingnau die Bevölkerung zum Zusammenschlussvertrag mit Döttingen informiert, am Donnerstag war der Gemeinderat Döttingen an der Reihe: Rund 60 Personen liessen sich drei Wochen vor den ausserordentlichen Gemeindeversammlungen aus erster Hand zum Projekt informieren und verschafften sich damit eine Entscheidungsgrundlage für den historischen Entscheid.

«Refunanetz ist zu tief bewertet»

An der Informationsveranstaltung in Klingnau am Mittwoch waren nur wenige Gegenstimmen zu vernehmen. Ganz anders in Döttingen: Nach der gemeinderätlichen Vorstellung der Argumente, die für einen Zusammenschluss sprechen, meldeten sich die Fusionsgegner zu Wort: Hauptdiskussionspunkt war die Beurteilung der Eigenwirtschaftsbetriebe durch die Arbeitsgruppen und den Gemeinderat: Argumentiert wurde, das Döttinger Gemeindewerk Refuna sei mit 2 Millionen zu tief bewertet und müsste mit einem deutlich höheren Betrag in die Gegenüberstellung der Mitgift der beiden Gemeinden aufgenommen werden.

Wiederholt wurde darauf hingewiesen, dass Döttingen in den letzten Jahren rund 15 Millionen Franken ins Refunanetz investiert hat und der aufgeführte Buchwert von 2 Millionen Franken geradezu lächerlich tief sei. Ein Votant machte den Gemeinderat und die Versammlungsteilnehmer darauf aufmerksam, dass das Klingnauer Netz qualitativ weitaus schlechter ausgelegt sei, als das eigene und deshalb auch mehr Reparaturen anfallen. Allerdings musste er sich vom Gemeinderat belehren lassen, dass Klingnau sein Refunanetz vor Jahren verkauft hat und somit der Unterhalt des Netzes und die anfallenden Reparaturen in den Zuständigkeitsbereich der Refuna AG fallen. Deshalb gehe die Gemeine Döttingen bei einem allfälligen Zusammenschluss betreffend Refunanetz auch keine Risiken ein.

Investitionen werden angezweifelt

Ein zweiter Votant wollte Klarheit über die Investitionen, die Klingnau in den nächsten Jahren in den Strassenbau und in die Kanalisationsleitungen tätigen muss. Döttingen habe in dieser Hinsicht grosse Anstrengungen unternommen, Klingnau hingegen habe einen riesigen Nachholbedarf.

Auf Nachfrage aus der Versammlung gab der Gemeinderat die Investitionen bekannt, die bei einer Fusion ins Gemeindehaus und in die Schule zu tätigen wären: Bei der Schule steht ein Betrag von 6 bis 7 Millionen Franken im Raum; bei einem Alleingang wären es 10 Millionen. Für die Erweiterung des Gemeindehauses muss mit Kosten von 2,5 bis 3 Millionen Franken gerechnet werden.

Döttingen listet in seinem Finanzplan einen Investitionsbedarf für die nächsten 10 bis 15 Jahre von 21 Millionen Franken auf, Klingnau rechnet im gleichen Zeitraum mit 12 Millionen Franken.

Informationsauftrag abgeschlossen

Mit den letzten Veranstaltungen vor den ausserordentlichen Gemeindeversammlungen haben die beiden Gemeinderäte ihre Bemühungen um möglichst umfassende Information im Zusammenhang mit dem Zusammenschlussprojekt abgeschlossen. An der Döttinger Informationsveranstaltung betone Ammann Peter Hirt nochmals die Vorteile einer Fusion: «Eine starke Gemeinde kann die gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft besser bewältigen als eine kleine.» Unter Herausforderungen verstehen die Gemeinderäte Döttingen und Klingnau die wachsende Mobilität und die demografische Entwicklung der Bevölkerung sowie die Zuwanderung und die Zukunft der Schulen. Als weitere Herausforderungen, die einen Zusammenschluss von Döttingen und Klingnau angezeigt erscheinen lassen, sehen die Gemeinderäte die Bereitstellung und Finanzierung von Alters- und Pflegeplätzen, die Konsolidierung der Finanzen sowie die sinkenden Bevölkerungszahlen. Im Bezirk Zurzach zeige sich insgesamt eine Strukturschwäche, die angepackt werden müsse, sagte Ammann Hirt an der Informationsveranstaltung in der Turnhalle Bogen. «Kleine Gemeinden bleiben zurück, grosse kommen vorwärts. Wir hoffen, dass das Projekt Zusammenschluss zur neuen Gemeinde Döttingen-Klingnau angenommen wird.»

Referenden und Urnengänge

Der Fahrplan sieht zunächst die gleichzeitig stattfindenden, ausserordentlichen Gemeindeversammlungen am 9. November vor. Wird an einer der beiden Versammlungen das für einen definitiven Beschluss notwendige Quorum erreicht und die Fusion verworfen, ist das ganze Projekt gescheitert. Stimmen die beiden Versammlungen zu, ohne das Beschlussquorum erreicht zu haben, kann das Referendum ergriffen werden. Der endgültige Entscheid wird an der Urne gefällt.

Ausserordentliche Gemeindeversammlungen Döttingen und Klingnau, Freitag, 9. November, 20 Uhr. Döttingen in der Turnhalle Bogen, Klingnau in der Sporthalle Schützematte.