Bad Zurzach
Fünf Bypässe: Das Herz zwang Franz Nebel zum Rücktritt

Im November hat sich Franz Nebel aus dem Grossen Rat verabschiedet – etwas früher als geplant. Grund war die grosse Gefahr, dass sein Herz versagen konnte, und eine Operation.

Angelo Zambelli
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Nach zehn Jahren als Grossrat musste Franz Nebel seine politische Karriere vorzeitig beenden. Der Grund: Eine Herzschwäche.

Nach zehn Jahren als Grossrat musste Franz Nebel seine politische Karriere vorzeitig beenden. Der Grund: Eine Herzschwäche.

Angelo Zambelli

Seit eineinhalb Jahren verspürte Franz Nebel bei körperlichen Anstrengungen Schmerzen in der Brust, mass den Beschwerden aber keine grosse Bedeutung bei. Dies änderte sich Mitte Oktober letzten Jahres schlagartig.

Nachdem er ein zu Boden gefallenes Blatt Papier aufheben wollte, schoss es ihm wie Pfeile in den Rücken. «Hexenschuss», vermutete Nebel und schränkte die Bewegungen gezwungenermassen ein.

Als die Schmerzen auch nach zwei Wochen nicht nachliessen, suchte er den Hausarzt auf. Dieser überwies ihn sofort an einen Kardiologen, nachdem er von den regelmässig auftretenden Schmerzen seines Patienten in der Brust erfahren hatte. Am 11.11. musste der Grossrat aus Bad Zurzach in der Hirslanden-Klinik antreten. Zeitpunkt: 11 Uhr!

Bei der Untersuchung stellte der Herzspezialist fest, dass Nebel noch keinen Infarkt erlitten hatte, die Gefahr aber gross war, dass sein Herz versagen könnte. Da der Operationstermin auf den 21. November angesetzt wurde, blieb Nebel nur wenig Zeit, sich nach 10 Jahren als Grossrat zu verabschieden.

Glücklicherweise musste seine Partei – die FDP – nicht lange nach einem Nachfolger suchen. Nach der letzten Grossratswahl hatten Nebel und der langjährige Tegerfelder Gemeindeammann und Parteikollege Erwin Baumgartner in Betracht gezogen, bei Hälfte der Amtsperiode einen Wechsel zu vollziehen. So konnte Baumgartner sofort in die Bresche springen.

«Es hat sich ausbezahlt, dass wir die Nachfolge frühzeitig aufgegleist haben», sagt Franz Nebel bei einer Tasse Kaffee im Parkhotel Bad Zurzach. Er macht einen frischen Eindruck, obwohl er gesundheitlich noch nicht vollständig wiederhergestellt ist.

Eine fünfeinhalbstündige Operation mit dem Einsetzen von fünf Bypässen ist kein Pappenstiel und fordert ihren Tribut. Grosse Anstrengungen liegen noch nicht drin; die Bewegungen sind bedächtig und vorsichtig. Doch wer den Kämpfer Franz Nebel kennt, der weiss, dass er auch diese schwierige Situation überwinden und wieder vollständig gesund werden wird.

Vom Städter zum Landmensch

1977 verschlug es den Stadtzürcher Franz Nebel nach Zurzach. Er arbeitete mehrere Jahre als Personalchef des Unterwäscheherstellers Triumph AG. «Politisiert habe ich damals noch nicht», erzählt Nebel, der sich scherzhaft als «Kaffeetante» bezeichnet, und bestellt die zweite Tasse. «Hingegen habe ich immer aufmerksam verfolgt, was auf der politischen Bühne geschieht.»

Ab 1980 begnügte sich Nebel nicht mehr mit dem Beobachterstatus: Seinem Naturell entsprechend mischte er zuerst als FDP-Ortsparteipräsident, später als FDP-Bezirksparteipräsident im Politgeschehen wacker mit.

1997 wurde er zum Ammann des Bezirkshauptorts gewählt. Er übte dieses Amt bis 2011 aus und war in wesentlichem Mass beteiligt an der Vorbereitung der Ostumfahrung, mit der in absehbarer Zeit begonnen wird.

2006 entschied sich Nebel, als Nachfolger des Parteikollegen und ehemaligen Gemeindeammanns Marcel Iseli für den Grossen Rat zu kandidieren – und wurde auch problemlos gewählt. «Ich tat dies, weil ich der Meinung war, dass der Hauptort des Bezirks Zurzach in Aarau vertreten sein sollte», sagt Nebel rückblickend.

«Ich war und bin auch heute noch überzeugt, dass man in der Politik etwas erreichen kann, wenn man sich bemüht, in der Fraktion und im Rat mit Überzeugungsarbeit Mehrheiten zu gewinnen.»

Dass er sich wegen seiner gesundheitlichen Schwierigkeiten etwas früher als geplant aus der Politik zurückziehen musste, stimmt den 67-jährigen Personalberater mit eigenem Büro in Baden nachdenklich: «Ich hätte gerne weitergemacht, bis die Leistungsüberprüfung beendet gewesen wäre. Doch es hat nicht sollen sein.»

Zehn Jahre war Franz Nebel nicht nur Vertreter des Bezirks Zurzach in Aarau, sondern auch Mitglied mehrerer Kommissionen. Acht Jahre verrichtete er in der «Kommission für Aufgabenplanung und Finanzen» stille Arbeit hinter der Front, war zwei Jahre in der Sicherheitskommission mitverantwortlich für die Zahl der Gefängnisplätze im Kanton sowie für die Bewältigung der Startprobleme bei dieser oder jener Staatsanwaltschaft und wirkte in der Arbeitsgruppe «Crime Stop» mit.

Mit «Crime Stop» ergriff das Kantonsparlament Massnahmen gegen den Kriminaltourismus und gegen renitente und kriminelle Asylbewerber. Nach dem Bezug der Asylunterkunft in Rekingen setzte sich Nebel erfolgreich für die Umsetzung zusätzlicher Kontrollmassnahmen ein.

Weitere wichtige Tätigkeitsfelder Nebels waren die Verbesserung des öffentlichen Verkehrs im Zurzibiet, das Standortmarketing des Kantons mit Augenmerk auf eine wirkungsvollere Vermarktung der Bäderlandschaft sowie gesellschaftliche Themen, darunter eine Interpellation zur Unterstützung von Angehörigen Demenzkranker, die zu Hause betreut werden.

Dass die Interpellation von der FDP-Fraktion übernommen wurde, hat Nebel den Abschied aus dem Grossen Rat etwas erleichtert und gibt ihm die Gewissheit, als Politiker mehrheitlich auf dem richtigen Pfad gewesen zu sein.