Full-Reuenthal
Full-Reuenthals Ärger über den Rheinschifffahrt-Vorstoss des Nationalrats

Nationalrat Hansjörg Knecht will mit einem Vorstoss die Rheinschifffahrt wieder zum Thema gemacht. Davon ist der Gemeinderat von Full-Reuenthal gar nicht begeistert. Ammann Urs Kaufmann

Angelo Zambelli
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Supertanker auf dem Rhein: Auf einer Grusskarte stellte die Zurzibieter az-Redaktion vor 12 Jahren dar, wie sie sich einen Rheinhafen beim Klingnauer Stausee oberhalb der Aaremündung vorstellt. Fotomontage: AZ

Supertanker auf dem Rhein: Auf einer Grusskarte stellte die Zurzibieter az-Redaktion vor 12 Jahren dar, wie sie sich einen Rheinhafen beim Klingnauer Stausee oberhalb der Aaremündung vorstellt. Fotomontage: AZ

Mit seiner Interpellation zur Weiterführung der Rheinschifffahrt bis nach Full hat Nationalrat Hansjörg Knecht aus Leibstadt in ein Wespennest gestochen. Der Gemeinderat Full zeigt sich «enttäuscht, dass ausgerechnet ein Nationalrat aus dem Bezirk Zurzach bereit ist, die Zerstörung der Landschaft und der guten Lebensqualität in Kauf zu nehmen».

«Nicht ins Detail durchdacht»

«Ich bin erstaunt über die Flut der positiven und negativen Reaktionen», sagt SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht gegenüber der az. «Meine Absicht war, vom Bundesrat Auskunft zu erhalten, wie er zur Rheinschifffahrt und zur Schiffbarmachung der Teilstrecke von Rheinfelden bis zur Aaremündung steht und mit welchen Kosten allenfalls zu rechnen wäre.» Erst, wenn die Antworten des Bundesrates auf die von ihm gestellten Fragen vorlägen, könne über ein Weiterverfolgen oder über einen Abbruch des Projekts entschieden werden, sagt Knecht. «Zum jetzigen Zeitpunkt kann nicht erwartet werden, dass jedes Detail durchdacht und klar ist.»

Den in der Bevölkerung hinter vorgehaltener Hand portierten Vorwurf, Knecht verfolge als Besitzer und Betreiber einer Mühle im Nachbardorf Leibstadt nur Eigeninteressen, kontert der Angeschossene mit dem Verweis auf die Herkunft der Rohmaterialien, die in seiner Mühle verarbeitet werden: «98 Prozent des Getreides stammen aus dem Inland. Aus dem Ausland beziehen wir nur, was in der Schweiz nicht erhältlich ist. Von Eigeninteressen kann also keine Rede sein.»

Vorteile und Nachteile

Er sehe sowohl die Vorteile als auch die Nachteile des Projekts, sagt Knecht. Unbestreitbarer Nachteil seien Einschnitte in die Landschaft und die durch einen Fuller Rheinhafen entstehende Verkehrsbelastung für die Rheintal- und die Aaretalstrecke. Den entscheidenden Vorteil sieht der Leibstadter Nationalrat in der wirtschaftlichen Entwicklung der Region durch den allfälligen Bau und Betrieb eines Rheinhafens sowie in der Nutzung einer leistungsfähigen Alternative im Gütertransport.

«Als Folge des liberalisierten EU-Binnenmarktes wird das Güterwachstum markant zunehmen und sich durch Überlastung von Schiene und Strasse weiter verschärfen», sagt Knecht. Der SVP-Nationalrat geht davon aus, dass sich die auf dem Rhein von Rotterdam nach Basel transportierten Güter in den nächsten Jahren verdoppeln werden. «Diese Güter müssen verteilt werden. Als Verkehrswege stehen heute nur Schiene und Strasse zur Verfügung, die meist verstopft sind. Mit der Verlängerung der Rheinschifffahrt könnte eine gewisse Entlastung der bisherigen Verkehrsträger erreicht werden.»

Gemeinderat ist brüskiert

Alles andere als begeistert von Knechts Vorstoss ist der Gemeinderat von Full-Reuenthal. In den aktuellen Gemeinderatsnachrichten nimmt er mit deutlichen Worten Stellung: «Seit Jahrzehnten träumen verschiedene Leute von der Transportschifffahrt auf dem Hochrhein bis zur Aaremündung. 1983 wurde das letzte Projekt mit einer grossen Umladestation in Full vorgestellt (...) Zum Glück verschwanden diese Pläne in der Schublade, wo sie auch hingehören.» Der Gemeinderat Full-Reuenthal ist überzeugt, dass das Projekt der Weiterführung der Schifffahrt bis zur Aaremündung nicht realisierbar ist.

«Halten Augen und Ohren offen»

Im Gespräch mit der az wird Gemeindeammann Urs Kaufmann noch deutlicher: «Die Rheinschifffahrt ist ein leidiges Thema und unterscheidet sich in keiner Weise von der vor Jahren geäusserten Absicht deutscher Politiker, eine Autobahn über das Fullerfeld zu bauen. Für Full würde der Bau eines Rheinhafens bedeuten, dass die Wohn- und Lebensqualität gegen null tendiert. Wir lassen uns nicht verrückt machen, verfolgen aber die Entwicklung bezüglich Weiterführung der Rheinschifffahrt mit offenen Augen und Ohren.»