Full-Reuenthal
Baustart ist am Montag: Neuartige Anlage recycelt bald verbrannten Abfall

Ab 2023 gewinnt die Selfrag AG in Full-Reuenthal Metalle aus Rohschlacke, die beim Verbrennen von Kehricht entsteht. Der Bau dauert fast ein Jahr.

Stefanie Garcia Lainez
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Ende Jahr zeigten die Bauprofile den Standort der Anlage in Full-Reuenthal an.

Ende Jahr zeigten die Bauprofile den Standort der Anlage in Full-Reuenthal an.

Philipp Zimmermann

Am Montag fahren die Bagger im Industrieareal Fullerfeld auf: Das Unternehmen Selfrag AG aus Kerzers FR startet mit dem Bau seiner ersten neuartigen Aufbereitungsanlage in der Schweiz. Diese bearbeitet Schlacke und Filterasche nach, die bei der Abfallentsorgung in Kehrichtverbrennungsanlagen anfallen und ansonsten in Deponien vergraben werden. Doch dort wird der Platz langsam eng: Gemäss «Sonntags-Zeitung» stehen im Aargau und anderen Kantonen «keine gesicherten Deponiekapazitäten mehr zur Verfügung».

Die Recycling-Anlage «Centro Uno» in Full-Reuenthal mit ihrer neuen Technologie soll dem Abhilfe schaffen − und bei der Nachbearbeitung von bis zu 35'000 Tonnen Rohschlacke pro Jahr aus den KVA in Turgi, Buchs und Perlen LU wertvolle Metalle zurückgewinnen. Die Restschlacke von rund 13'000 Tonnen soll in Deponien entsorgt werden.

Der Standort im Fullerfeld eigne sich aus mehreren Gründen für die neue Anlage, teilt die Selfrag AG auf Anfrage mit. So seien Siedlungsgebiete genügend weit entfernt und die Gemeinde sowie die Einwohner seien interessiert daran, neue Unternehmen anzusiedeln, die einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten.

Fullerfeld bietet mehrere Vorteile

Auch passe das Unternehmen in die Umgebung. So betreibt die Chiresa AG, die auf die Entsorgung von Sondermüll spezialisiert ist, in Full eine Betriebsstätte. Zudem könnten Transportwege der Kehrichtschlacke optimiert werden. «Gemäss bestehenden Staatsverträgen muss ein Teil der Restschlacke wieder nach Deutschland gebracht werden», so die Selfrag AG.

Denn deutscher Kehricht werde in der Schweiz verbrannt, weshalb Restschlacke nach Aufbereitung wieder retourniert werden müsse. «Die Nähe zur Grenze ist daher von Vorteil.» Auch bestehe ein Bahnanschluss und somit die Möglichkeit, Produkte in Zukunft auch per Bahn zu transportieren.

Ab Anfang 2023 arbeiten je drei Mitarbeitende im Zweischichtbetrieb (16 Stunden) in der neuen Recycling-Anlage. Mit einer neuen Technologie wird die Schlacke mit künstlich erzeugten Blitzen in verschiedene Bestandteile aufgespaltet. Hierbei werden Metalle gelöst und Mineralien getrennt.

Wiederverwendung der Materialien in Bauindustrie

Dabei sollen rund 50 Prozent des Materials zurückgewonnen werden: 23 Prozent saubere Metalle, 14 Prozent reine Metalle, 10 Prozent hoch konzentriertes Eisenoxid und 3 Prozent Unverbranntes und Organik. Das sind pro Jahr rund 2458 Tonnen Eisen, 751 Tonnen Leichtmetalle (mit Aluminium) und 146 Tonnen Schwermetalle.

Diese Materialien können etwa als Ersatzrohstoffe für Klinker, also Ziegelsteine, in der Zementindustrie, oder als sauberer Ersatzrohstoff in der Bauindustrie verwendet werden, aber laut der Selfrag AG auch sogenannte Primärrohstoffe ersetzen für einen reduzierten CO2-Fussabdruck. Dank der Anlage in Full sollen pro Jahr über 25'000 Tonnen CO2 eingespart werden.

Nach Full sollen weitere acht Anlagen folgen

Mit dem Werk Saidef in Posieux FR besteht bereits seit 2016 eine solche Recycling-Anlage. Diese wird von der KVA Fribourg betrieben. Mit der Anlage in Full baut nun auch die Selfrag AG ihr erstes Werk in der Schweiz. In den nächsten fünf Jahren sollen weitere acht Recycling-Anlagen in der ganzen Schweiz folgen und so insgesamt rund 350'000 Tonnen Schlacke pro Jahr verarbeiten.

Zum Vergleich: In den Schweizer KVA fielen im Jahr 2017 bei der Verarbeitung von vier Millionen Tonnen Abfall rund 800 000 Tonnen Rohschlacke an.

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