Bad Zurzach
Frühlingsmarkt: Ein Autogramm vom Fleisch gewordenen Papa Moll

Am Samstag hat der Frühlingsmarkt in Bad Zurzach zahlreiche köstliche und kulinarische Genüsse geboten. «Mmmmmhhh fantastique, mais aussi le vin est formidable!», stellten Besucherinnen aus Neuchâtel lobend fest.

Rosmarie Mehlin
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Ein Autogramm vom Fleisch gewordenen Papa Moll – mega!
7 Bilder
Die Zurzibieter Handballer fungieren als kostenlose Pflanzentransporter
Kurt Wismer fertigt wunderschöne Strohhüte an
Immer im Kreis herum - auch die Kleinsten kommen auf ihre Kosten
Bei Tourismus Bad Zurzach kann man sich durchkneten lassen
Bunte Farbenpracht im Flecken Bad Zurzach
Die Vielfalt an Pflanzen ist enorm – da tätigt die Eine oder der Andere doch gleich einen Grosseinkauf

Ein Autogramm vom Fleisch gewordenen Papa Moll – mega!

Rosmarie Mehlin

«Frühling kommt, der Sperling piept, Duft aus Blütenkelchen . . .» hat Marlene Dietrich vor 84 Jahren im Film «Der blaue Engel» gesungen. Die Spatzen geben wie eh und je den Ton an, wenn es Frühling wird und auch der Duft ist Jahr für Jahr derselbe: süss und geheimnisvoll. Genau so schwebte er Samstag über der Schwertgasse und der Hauptstrasse in Bad Zurzach.

Allerdings hatte das Parfum des Frühlings im Flecken einen schweren Stand, sich gegen Düfte wie etwa der von Thai-Curry, Raclette, Chnoblibrot, Spareribs vom Smokergrill durchzusetzen.

Die Augen hingegen kamen besonders in floraler Hinsicht voll und ganz auf ihre Rechnung. Geranien, Verbenen, Petunien, Tagetes, fleissige Lieschen, Fuchsien, Tropidenia verlockten in ihrer bunten Farbenpracht zum Grosseinkauf. Umso mehr, weil fast alle a) vom Gartencenter Lengnau zu einem Einheitspreis feil geboten, b) vor Ort gratis in Kistchen eingepflanzt wurden und c) die Zurzibieter Handballer als kostenlose Pflanzentransporter fungierten.

Keineswegs nur Schall und Rauch

Am Stand vom einheimischen Gärtnermeister Urs Werner liess sich das Kolumnisten-Paar Schneider/Schreiber in Sachen Kräuter beraten. Nicht von ungefähr – war die angebotene Vielfalt doch enorm. Allein bei der Minze habe ich ein Dutzend verschiedene gezählt – von Ananas- über Schoggi-, Wein- bis zu Erdbeer-Minze. Ein Versucherli machte klar, dass Namen hier keineswegs nur Schall und Rauch sind.

Vor der Buchhandlung Hübscher lud Kurt Wismer aus Hägglingen, einer der letzten Freiämter Strohknüpfer, die Passanten zum Verweilen und Staunen: Ruhig und konzentriert betrieb von Hand eine kleine Nähmaschine und fügte so Strohband um Strohband zu einem wunderschönen Hut.

Auf Festbänken vor dem Kafi Leutwyler stillten neun muntere Damen Hunger und Durst: Sie seien copines aus Neuchâtel, würden jedes Jahr auf ein Thermal-Weekend nach Bad Zurzach kommen und seien diesmal auf dem Weg vom Bahnhof zum Hotel hier stecken geblieben, erklärten sie. Apropos: Die Flecken-Stecken vom Metzger Arnold lobten sie «mmmmhhh fantastique» in den höchsten Tönen, «mais aussi le vin est formidable!» Es war Tegerfelder.

Fast so viel zu tun wie Justin Bieber

Was an den Ständen angeboten wurde, liess das Herz jedes Marktfans höher schlagen: Käse aus Korsika, aus St. Gallen, dem Bündnerland; Salami und Pasta aus Italien; von der 3. Sek. Rekingen selbst gebackene Muffins, Cakes und Zöpfe; iranische Spezialitäten, wie etwa getrocknete Berberitzen. Nebst all den kulinarischen Köstlichkeiten war auch das Angebot an Handarbeitskunst und Massenkitsch breit gefächert: Handy-Hüllen, Sonnenbrillen, fantasievolle Hauwurz-Arrangements, Nuscheli, Schmuck, Naturkosmetik, Plüschtiere, Blusen im Sonderangebot . . .

Mitten drin präsentierte sich Tourismus Bad Zurzach mit einem Regibad-Glücksrad, einer Physiotherapeutin, die auf Wunsch Passanten wohltuend durchknetete und mit dem Fleisch gewordenen Papa Moll! Der kniete vor seinen Fans nieder und verteilte Autogramme mit persönlicher Widmung. Heissa, war das aufregend für die Binggisse: Die einen drückten die kostbare Karte selig strahlend an sich. Andere waren skeptisch, überlegten lange, ob sie es wagen sollten, dem kleinen Mann mit dem grossen Kopf überhaupt ihren Vornamen zu nennen. Doch die meisten Mamis und Papis konnten die Zweifel aus dem Weg räumen. Papa Moll hatte jedenfalls fast so viel zu tun wie Justin Bieber nach einem Konzert im Hallenstadion.