Klingnau
Früher mit Steckzettel und Lesertäschli – Heute mit Scanner und Strichcode

Die Regionalbibliothek feiert ihr 40-jähriges Bestehen – Die treueste Mitarbeiterin Luzia Gantenbein blickt zurück. «Früher hat es geheissen, die seien Schund. Aber ich finde es toll, dass die Kinder überhaupt lesen – egal was», so Gantenbein.

Nadja Rohner
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Luzia Gantenbein ist Primarlehrerin und betreut in der Bibliothek das Ressort Kinderbücher. Nadja Rohner

Luzia Gantenbein ist Primarlehrerin und betreut in der Bibliothek das Ressort Kinderbücher. Nadja Rohner

Vor vierzig Jahren, als die Regionalbibliothek Klingnau ihre Räume noch im alten Schloss hatte, war das Verleihgeschäft ungleich komplizierter als heute.

«Natürlich hatten wir damals keine Computer», erzählt Luzia Gantenbein. «Wenn jemand ein Buch ausleihen wollte, musste er ein Lesertäschli kaufen. Darauf stand seine Adresse. In jedem Buch hatte es einen Steckzettel mit einer Nummer, die dann in das Täschli gesteckt und damit in unsere Kartei eingeordnet wurde.»

Die Regionalbibliothek

Im Jahr 1972 erhielt der Gemeinderat Klingnau den Auftrag, zu prüfen, ob die zwei bestehenden Pfarrbibliotheken mithilfe der Einwohnergemeinde Klingnau in eine Gemeindebibliothek umgewandelt werden könnten. Eine Arbeitsgruppe nahm sich der Sache an. 1973 spendete Martha Keller-Keller aus Brugg der Gemeinde 50 000 Franken, die für die Schaffung einer öffentlichen Bibliothek eingesetzt wurden. Am 7. Dezember des gleichen Jahres öffnete die Regionalbibliothek unter der Leitung der Bibliothekarin Eva Lutz ihre Tore. Zu Beginn gehörten der Bibliothek nebst der Gemeinde Klingnau auch die Römisch-katholische Kirchgemeinde Klingnau an sowie die Reformierte Kirchgemeinde Döttingen-Klingnau-Kleindöttingen. Die Kirchgemeinden stiegen im Laufe der Jahre aus dem Verband aus. Dafür traten die Einwohnergemeinden Böttstein, Döttingen, Full-Reuen-thal und Leuggern dem Verband bei, andere Gemeinden beteiligten sich finanziell. (AZ)

Für jedes Buch habe es ein eigenes Lesertäschli für 20 Rappen pro Stück gebraucht; nach der Rückgabe konnte man das Täschli wieder verwenden. «Deshalb haben die Leute damals wohl nicht so viele Bücher aufs Mal ausgeliehen», sagt Gantenbein und schmunzelt: «Sie wollten wahrscheinlich kein Geld für zusätzliche Lesertäschli ausgeben.»

Treue Mitarbeiterin

Heute benutzt Gantenbein Scanner und Strichcode beim Verleihen von Büchern. Sie arbeitet – mit rund fünf Jahren Unterbruch – seit der Gründung in der Regionalbibliothek.

Zu dem Job sei sie gekommen wie die Jungfrau zum Kinde, sagt die Primarlehrerin: «Eine meiner Lehrerkolleginnen wurde für den Job angefragt, musste aber absagen und hat mich vorgeschlagen. Ich habe mir gedacht, ‹ich mag Bücher, ich lese gerne – warum also nicht›.»

Zwei Umzüge hat sie in diesen 40 Jahren erlebt: «Aus dem Schloss mussten wir relativ kurzfristig raus – es herrschte nicht direkt Einsturzgefahr, aber der Betrieb war nicht mehr sicher.» Nach einigen Jahren an der Hauptstrasse in Döttingen zog die Bibliothek im Jahr 2000 zurück ins Städtli. Dort beherbergt sie heute rund 14 000 Bücher und Hörbücher.

Einmal im Jahr wird jedes hervorgeholt und abgewischt – «besonders die Kinderbücher haben das jeweils nötig», sagt Gantenbein und lacht.

Die Kinderbücher, das ist ihr Ressort. Dafür hat sie ein Budget von 3500 Franken im Jahr, mit dem sie auch mal den einen oder anderen Bücherwunsch erfüllen kann. Gantenbein entscheidet selber, welche Bücher sie ins Sortiment aufnimmt, ein generelles Tabu gibt es in ihrem Ressort nicht. Andernorts schon: «Den erotischen Bestseller ‹50 Shades of Grey› führen wir nicht.»

Heute, so Gantenbein, lesen Jugendliche sehr gerne Fantasy-Romane. Kleine Mädchen mögen Tiergeschichten, «und bei Jungs stehen Polizei- und Piratengeschichten ganz hoch im Kurs». Auch Comics sind gerne gesehen. «Früher hat es geheissen, die seien Schund. Aber ich finde es toll, dass die Kinder überhaupt lesen – egal was», sagt Gantenbein.

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