Bad Zurzach
Frauenpower an der Kriminacht in der Propstei

Mitra Devi, Ursula Poznanski und Andrea Maria Schenkel zogen das Publikum in den Bann ihrer Geschichten: Frauenpower aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Louis Probst
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Kriminacht in Bad Zurzach
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Ursula Poznanski präsentierte ihren Thriller
Szenische Lesung von Mitra Devi und Barblin Leggio (links)
Szenische Lesung von Mitra Devi und Barblin Leggio
Andrea Maria Schenkel beim Signieren
Andrea Maria Schenkel liest aus ihrem neuen Buch mit dem Titel Finsterau

Kriminacht in Bad Zurzach

Louis Probst

Kleidungsstücke – vor allem Dessous –, die verstreut im Treppenhaus liegen, und flackernde Windlichter auf den Stufen deuten darauf hin, dass sich in der ehrwürdigen Propstei Ungewöhnliches abspielt.

Es geht aber nicht etwa um eine Striptease-Vorstellung, sondern um die Kriminacht, die seit Jahren fester Bestandteil der KultUrTage von Bad Zurzach ist. Bestritten wird diese neueste Kriminacht von Mitra Devi und Barblin Leggio, Ursula Poznanski und Andrea Maria Schenkel: Frauenpower aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, wie die junge Dame von den KultUrTagen bei der Ankündigung der Autorinnen feststellt.

Krimi mit Augenzwinkern

Die Zürcher Krimiautorin Mitra Devi bleibt bei der szenischen Lesung, die sie zusammen mit ihrer Schwester, der Schauspielerin Barblin Leggio, vorträgt, der Kurzgeschichte treu, die am Anfang ihres Erfolges gestanden hat. Lässt Mitra Devi ihre Geschichte um die Kleptomanin Karin, die im Warenhaus ertappt wird, noch mit einem Happy End schliessen, geht es beim Fussball-EM-Krimi «Die heisse Story» handfest zur Sache: Am Ende liegt der falsche Fussballstar tot da, während der echte im Fernsehen das entscheidende Tor erzielt und Katja, die junge Journalistin – bei einer «unnötigen Gratiszeitung», so Mitra Devi -- und ihr Chef die heisse Story haben.

Begeistertes Publikum

Das Publikum im voll besetzten Propsteisaal ist ebenso begeistert wie bei der hintergründigen Geschichte um die Bienenzüchterin Viola Sander – die sich mit ihren «lieben kleinen Freunden» und dem «anaphylaktischen Schock» zu ihrem Recht verhilft – oder bei den Kürzestkrimis in Gedichtform.

In eine ganz andere Welt, in diejenige der Salzburger Ermittler Beatrice Kaspary und Florin Wenninger, entführt Ursula Poznanski das Publikum. Die Protagonisten aus Ursula Poznanskis neuem Thriller «Fünf» sehen sich plötzlich mit der ihnen noch fremden Welt des Geocachings – allerdings in einer makaberen Form – konfrontiert. Jemand treibt da offensichtlich ein seltsames Spiel mit der Polizei.

Im Dialog mit dem Publikum gesteht Ursula Poznanski, die sich auch als Autorin von Kinderbüchern und Jugendromanen einen Namen gemacht hat: «Ich habe selber mit Geocaching begonnen, um damit meinen Sohn in die Natur hinauszutricksen. Beim Geocaching habe ich stets selber Angst, die Box zu öffnen.»

Krimi mit realem Hintergrund

Mit dem Roman «Tannöd», der sich um einen tatsächlichen Mehrfach-Mordfall aus dem Jahre 1922 dreht, hatte Andrea Maria Schenkel auf Anhieb riesigen Erfolg. An der Kriminacht in Bad Zurzach liest sie aus ihrem neuem Buch «Finsterau», das sich wieder um einen tatsächlichen Mordfall dreht, der bis heute nicht aufgeklärt ist. «Es ist ein Kriminalroman ohne Ermittler und ohne die strickende Rentnerin, die den Mörder sucht», erklärt die Autorin. «Die Leser sind die Ermittler.» Und dann lässt sie die enge, karge Welt aufleben, in der die junge, starke Afra und ihr kleiner Bub leben und zu Tode kommen.

Den drei Autorinnen, die ganz unterschiedliche Arten des Zugangs zum Kriminalroman pflegen, ist es an der Kriminacht gelungen, das Publikum in den Bann zu ziehen. Man hätte bei den Vorträgen die berühmte Stecknadel zu Boden fallen hören.

Und dank Kriminacht und Andrea Maria Schenkel weiss man jetzt auch, was es mit dem Kartenspiel «Watten» auf sich hat – auch wenn man es auf Anhieb nicht ganz begreift.