Surbtal
Forscher finden Pestizid-Cocktail in Aargauer Surb

Schweizer Forscher kommen zum Schluss, dass die Schweizer Fliessgewässer einen ganzen Cocktail an Pestiziden aufweisen - auch die Surb im Aargau. Es ist nicht das erste Mal, dass der Bach wegen Pestizidbelastung auffällt.

Angelo Zambelli und Stefan Gyr
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Die Surb entspringt im zürcherischen Wehntal und mündet bei Döttingen in die Aare.

Die Surb entspringt im zürcherischen Wehntal und mündet bei Döttingen in die Aare.

zvg

Die Schweizer Flüsse sind nicht so sauber, wie allgemein angenommen wird. Dies hat eine Untersuchung von fünf mittelgrossen Fliessgewässern in den Kantonen Aargau, Solothurn, Thurgau, Waadt und Zürich durch das Wasserforschungsinstitut der ETH (Eawag) ergeben. Die Forscher kommen zum Schluss, dass die Schweizer Fliessgewässer einen ganzen Cocktail an Pestiziden aufweisen. Einziges untersuchtes Aargauer Gewässer war die Surb. Sie entspringt im zürcherischen Wehntal und mündet bei Döttingen in die Aare.

«Die Surb war von der Belastung her im ähnlichen Rahmen wie die anderen untersuchten Flüsse», sagt Christoph Moschet von der Eawag. Gefunden wurden verschiedene Pflanzenschutzmittel (44 Herbizide, 24 Fungizide, 8 Insektizide), 15 davon sind auch in der Siedlung als Biozid zugelassen.. Die Konzentrationssumme lag in 8 von 9 Proben bei 1 Mikrogramm pro Liter. Insgesamt wurden in der Surb 11 Pestizide gefunden, die eine Überschreitung der Qualitätskriterien aufwiesen.

Die Forscher vermuten, dass die gefundenen Pflanzenschutzmittel zur Hauptsache aus der Landwirtschaft stammen. Da das Einzugsgebiet der Surb eine relativ hohe Siedlungsfläche aufweist, könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein Teil der Substanzen auch aus Wehntaler und Surbtaler Gärten stammt, sagt Moschet.

Im Vergleich zu den anderen Einzugsgebieten weisen das Wehntal und das Surbtal durchschnittliche bis hohe Dichten an Getreide-, Mais- und Rapsfeldern auf. Hinzu kommen Gemüseanbau und Weinbau. Von den untersuchten Gebieten hatte nur der Furtbach eine höhere Gemüsedichte.

Von den untersuchten Flüssen wies die Surb – nach dem Furtbach – den zweithöchsten Abwasseranteil auf. Überrascht waren die Forscher von der Vielzahl an Substanzen, die über die gesamte Messperiode von März bis Juli 2012 in den Fliessgewässern festgestellt wurde. Forscher Christoph Moschet weist darauf hin, dass es noch nie eine so umfassende Pestizid-Untersuchung gab: «Bei Routinemessungen durch die Kantone werden normalerweise nur 50 Substanzen untersucht. Das Ziel unserer Studie war, die tatsächliche Belastung der Schweizer Fliessgewässer zu beurteilen.»

Für den Kanton Aargau kamen die Untersuchungsergebnisse nicht überraschend. «Diese Pestizidbelastung war zu erwarten», sagt Martin Märki von der Abteilung Umwelt. Frühere Untersuchungen der Aargauer und Luzerner Gewässer in den Jahren 2002 bis 2007 hätten ähnliche Resultate ergeben. Im damaligen Untersuchungsbericht wurde von einer «gravierenden Grundbelastung mit Pestiziden» gesprochen.

Bei einer Untersuchung von elf Gewässereinzugsgebieten im Kanton Aargau im Jahr 2001 wurde im Surbtal die höchste Pestizidbelastung festgestellt. 22 Pestizide wurden dort nachgewiesen, davon lagen neun über dem Anforderungswert der Gewässerschutzverordnung. Die meisten Gewässerverunreinigungen in der Region wurden schon damals von der Landwirtschaft verursacht.

Der Kanton Aargau setzt neben Massnahmen auf der Bewilligungs- und der technischen Ebene vor allem auf Beratung und Information, um der Pestizidbelastung der Gewässer entgegenzuwirken, wie Märki erklärt. Dabei werde bei den landwirtschaftlichen Quellen wie auch beim Gewerbe und bei Privaten angesetzt. Denn einige der Stoffe werden nicht nur in der Landwirtschaft verwendet, sondern auch als Publikumsprodukte in Haus und Garten oder im Materialschutz, zum Beispiel in Fassaden oder Flachdächern. Gemäss einer Studie des Bundesamts für Umwelt aus dem Jahr 2010 kennen etwa 50 Prozent der Privatgartenbesitzer das Anwendungsverbot von Herbiziden auf Strassen, Wegen und Plätzen nicht.