Zurzibiet
Fluglärm: Dieser Verein steht schon seit zehn Jahren im Clinch mit den Zürchern

Der «Verein gekröpfter Nordanflug Nein» wehrt sich seit seiner Gründung gegen zusätzlichen Fluglärm. Die Arbeit geht nicht aus. Am Horizont sind schon längst neue Probleme aufgetaucht.

Angelo Zambelli
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n der Grossdemonstration am 2. Mai 2004 auf der Sportanlage Weissenstein in Würenlingen beteiligten sich 4000 Personen.

n der Grossdemonstration am 2. Mai 2004 auf der Sportanlage Weissenstein in Würenlingen beteiligten sich 4000 Personen.

ZVG

Die Schockmeldung erreichte das Zurzibiet im Dezember 2003: Die Zürcher Regierung liess verlauten, dass sie den «gekröpften Nordanflug» über den Aargau will. Mit «gekröpft» gemeint war eine Flugroute, die nicht wie üblich in einem Bogen dem Rhein entlang zum Flughafen Zürich Kloten führt, sondern im Geradeausflug vom Warteraum im oberen Fricktal über Würenlingen und das Surbtal in den Raum Bülach. Danach sollten die Flugzeuge in einem abrupten Richtungswechsel auf die Ladebahnen 14 oder 16 einschwenken.

Petition und Grossdemonstration

Die Reaktion der aufgeschreckten Bevölkerung des Bezirks Zurzach und der mitbetroffenen Regionen liess nicht lange auf sich warten: Am 7. April beschlossen 50 Gemeindeammänner, gegen das Vorgehen der Zürcher Regierung anzutreten und eine Petition zu lancieren. Innerhalb von nur zwei Wochen wurden 25 224 Unterschriften gegen den «gekröpften Nordanflug» gesammelt. Mit dieser Aktion wurde ein Kampf eingeläutet, der bis heute andauert und noch nicht entschieden ist.

Jubiläums-GV: Patrick Gosteli ersetzt Kurt Schmid

Der «Verein Gekröpfter Nordanflug Nein» wagte sich in die Höhle des Löwen und hielt die Jubiläums-GV im Flughafen Zürich ab. Geprägt war die Versammlung durch Referate zu den Themen Flughafen und Fluglärm sowie durch Wechsel im Vorstand. Anstelle von Kurt Schmid wählte die Versammlung Patrick Gosteli zum Vereinspräsidenten (ZA)

Höhepunkt des Protests gegen die Pläne der Zürcher Regierung und die Flughafenbetreiberin Unique war eine Grossdemonstration am 2. Mai 2004 auf der Sportanlage Weissenstein in Würenlingen. Rund 4000 Personen brachten mit ihrer Teilnahme, aber auch mit unmissverständlich formulierten Botschaften auf Transparenten zum Ausdruck, was sie vom «Gekröpften» halten.

Die geschlossene Haltung der Gemeinden und die Grossdemo führten zur Gründung des «Vereins gekröpfter Nordanflug Nein» am 2. Juli 2004 im Gemeindehaus Würenlingen. Gründungspräsident war Kurt Schmid, Gemeindeammann der vom «gekröpften Nordanflug» stark betroffenen Surbtaler Gemeinde Lengnau.

Weitere Gründungsmitglieder waren Hans Killer (Untersiggenthal), Arthur Schneider (Würenlingen), Daniel Zimmermann (Klingnau), Hans Wälti (Unterbözberg), Agnes Canonica (Böttstein), Marco Canonica (Klingnau), Kurt Müller (Würenlingen) und Kurt Wyss (Leuggern). Kernziele des Vereins waren eine faire Fluglärmverteilung in alle vier Himmelsrichtungen (inklusive Südanflüge), ein vollständiger Verzicht auf den «Gekröpften», keine Änderung des An- und Abflugverfahrens vor dem Abschluss des Mediationsverfahrens sowie eine faire und klare Informationspolitik der Zürcher Regierung.

In einem vom «Verein Flugschneise Süd – Nein» organisierten Streitgespräch in Zürich brachte der damalige Badener Stadtrat Geri Müller ein weiteres Problem zur Sprache: Das Projekt «gekröpfter Nordanflug» sei lausig vorbereitet, weil die von der Zürcher Regierung vorgeschlagene Anflugroute über ein Atomkraftwerk und ein Zwischenlager für atomare Abfälle führe. Der Bund müsse das Problem anders lösen, indem die Zahl der Bewegungen reduziert werde, sagte Müller. Erst dann seien vernünftige Verhandlungen mit Deutschland wieder möglich.

Der Rest der Geschichte ist bekannt: Der erste Staatsvertrag wurde vom Ständerat und vom Nationalrat abgelehnt. Den von Bundesrätin Doris Leuthard ausgehandelten zweiten Vertrag ratifizierte die Schweiz, nicht aber Deutschland. Der Staatsvertrag ist auf deutscher Seite sistiert und wird insbesondere von der Bevölkerung im Raum Waldshut abgelehnt. Deutschland will nachverhandeln und nur noch 80 0000 Anflüge über deutsches Gebiet zulassen.

Es gibt noch viel zu tun

Zu Ende geführt ist die Arbeit des Vereins gekröpfter Nordanflug auch nach 10-jährigem Kampf noch nicht, im Gegenteil. Am Horizont sind in den letzten Jahren neue Probleme aufgetaucht. Stichworte sind die neue Abflugroute über das Surbtal und den Bözberg, die Überschreitung der Lärmgrenzwerte mit Einschränkungen bei der Siedlungsentwicklung ganzer Regionen sowie das neue Betriebsreglement des Flughafens Zürich.

In den Reihen des Vereinsvorstandes ist man sich einig, dass das Betriebsreglement bei der demnächst stattfindenden öffentlichen Auflage kritisch unter die Lupe nehmen wird, und dass sowohl die Lärmgrenzwertüberschreitungen und – vor allem – der gekröpfte Nordanflug weiterhin bekämpft werden.