Bad Zurzach
Fliegen im Mini-Helikopter wie James Bond

Geri Meier aus Bad Zurzach hat ein einzigartiges Hobby: Er fliegt Gyrocopter. Die az durfte in seinem Tragschrauber mitfliegen – der Puls ging in die Höhe.

Pirmin Kramer
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Der Bad Zurzacher Geri Meier bereitet sich im Cockpit auf den Flug mit seinem Tragschrauber vor.

Der Bad Zurzacher Geri Meier bereitet sich im Cockpit auf den Flug mit seinem Tragschrauber vor.

Pirmin Kramer

Etwa 300 Meter über dem Boden beginnen wir plötzlich zu schlingern wie ein Auto auf Eis. Das Heck des Fluggeräts hat nach links ausgeschlagen, schräg gleiten wir in der Luft dahin, mit 120 Kilometern pro Stunde «Heute windet es ziemlich stark», sagt Pilot Geri Meier aus Bad Zurzach über sein Mikrofon. «Segelflugzeuge starten nicht bei solchen Bedingungen. Aber alles kein Problem für uns, wegen der Kreiselstabilität des Rotors», sagt er mit ruhiger Stimme. Zu spät: Der Puls ist auf etwa 200 Schläge pro Minute angestiegen. Hoffentlich kommen wir heil wieder runter.

Eine Stunde zuvor sitzt Geri Meier im Imbiss-Restaurant des Flugplatzes in Blumberg im Schwarzwald. Durch das Fenster blickt er auf seinen Gyrocopter, den er vor ein paar Jahren gekauft hat. Ab 50000 Franken kann man ein solches Fluggerät gemäss Angaben auf einschlägigen Internetseiten kaufen. Meiers Gyrocopter ist etwa fünf Meter lang, drei Meter hoch und hat zwei Sitze. Er ähnelt einem Helikopter, besitzt aber neben einem Rotor auch einen Propeller wie ein Kleinflugzeug.

Speziell: Das Fluggerät ist offen, hat keine Decke und keine Seitenwände – nur Plastikvisiere wie bei einer Vespa schützen Pilot und Passagier vor Wind und Wetter. Es sieht aus wie ein Cabriolet für die Luft. Bekannt geworden sind Tragschrauber 1967 durch James Bond, der im Film «Man lebt nur zweimal» mit seiner Little Nelly über einen erloschenen Vulkan fliegt (siehe Box). «In der Schweiz sind Tragschrauber noch nicht zugelassen», sagt Meier. Darum muss er von Bad Zurzach, wo er aufgewachsen ist und immer noch lebt, mit dem Auto über die Grenze fahren, um fliegen zu dürfen.

Cabriolet der Lüfte

Der Wind hat inzwischen nachgelassen, der Puls geht wieder ganz normal. Wenn wir eine Kurve fliegen, werden wir in den Sitz gedrückt. Sicherheit bieten Schulter- und Beckengurten. Links und rechts geht’s 300 Meter in die Tiefe. Trotz des Windes schüttelt es uns nicht so stark wie bei Flugzeugen. «Der Tragschrauber dämpft die Turbulenzen gleichmässig ab», erklärt Meier. Wenn man den Arm seitwärts ausstreckt, kann man die Hand in den Wind halten wie ein Segel. Man kann auch den Kopf in den Wind halten und zum Horizont blicken. Im Gegensatz zu einem Linienflugzeug, bei man nur durch ein kleines Fenster nach draussen blicken kann, haben wir uneingeschränkte Sicht nach vorne, links, rechts, oben und unten. Wir sitzen in einem fliegenden Cabriolet. Das hier ist ein Bubentraum.

Wirtschaftsinformatiker Meier durfte vor einigen Jahren auf einer Geschäftsreise erstmals in einem Tragschrauber mitfliegen. Die Faszination hat ihn nicht mehr losgelassen. Er liess sich in Deutschland zum Gyrocopter-Piloten ausbilden. Man müsse dafür keine Flugerfahrung mitbringen, sagt er.

Tragschrauber kann in Luft stehen

Sein speziellster Flug: «Ich habe einmal die Erlaubnis vom Bazl erhalten für einen Flug über das Zurzibiet. Dann habe ich meine Heimat von oben gesehen. Das war einzigartig.»

Plötzlich bremst Meier seinen Tragschrauber ab, wir bleiben stehen in der Luft. «Schau mal nach unten.» Unter uns weiden Schafe, dreissig Sekunden lang schauen wir von oben zu. Meier hat sogar Zeit zum Philosophieren. Wenn er fliege, sehe er, wie imposant und schön die Natur und wie klein die Welt von oben eigentlich sei.

«Wir melden Landeabsicht», sagt Meier per Funk. Doch die Antwort des Verantwortlichen auf dem Flugplatz verschwindet in einem Rauschen. «Jetzt müssen wir selber schauen, in welcher Richtung wir den Flugplatz am besten anfliegen», sagt Meier durchs Mikrofon. Wieder schnellt der Puls in die Höhe.

Um die Windrichtung abschätzen zu können, fliegt Meier wenige Meter über der Landebahn. Er wirft einen Blick auf den Windsack des Flugplatzes. Ein letztes Mal steigen wir in die Höhe, drehen um 180 Grad – und landen sicher. «Dieser windige Flug heute wäre nichts gewesen für einen unerfahrenen Piloten», sagt Meier. «Wir waren aber jederzeit im sicheren Bereich unterwegs.»