Dielsdorf/Schneisingen
Feuereifer junger Theater-Talente lässt Funken stieben

Kinder und Jugendliche erfahren im Atelier Kunterbunt in Schneisingen, was Theaterspielen bedeutet. Dieses Jahr, indem sie den «Wunschpunsch» nach Michael Ende aufführen.

Rosmarie Mehlin
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Geldhexe Tyrannia Vampira und Professor Irrwitz
7 Bilder
Vielleicht wendet sich ja doch noch alles zum Guten
Kinder und Jugendliche der Theaterschule Kunterbunt spielen den «Wunschpunsch»
Kleine Nixen und Wellen
Kater Maurizio die Mauro und der Laborzauberer
Blumen und Erde sind gefangen worden
Im Labor tüfteln die Bösen am Wunschpunsch herum

Geldhexe Tyrannia Vampira und Professor Irrwitz

Rosmarie Mehlin

Der 14-jährige Sek-Schüler Séverin Kopp aus Siglistorf ist seit acht Jahren dabei; die 17-jährige Lara Kiel aus Ehrendingen – KV-Lehrtochter auf der Gemeinde Endingen – gar seit zehn Jahren. Dabei sein bedeutet, im Atelier Kunterbunt in Schneisingen zu ergründen, was es mit dem Theaterspielen auf sich hat, und auch selbst auf der Bühne zu stehen. Denn in der Theaterschule wird nicht nur graue Theorie vermittelt, sondern Jahr für Jahr auch kunterbunte Praxis in Form einer Aufführung.

Jetzt ist es wieder so weit: Im schuleigenen, stimmungsvollen kleinen Theater in einer Fabrikbrache in Dielsdorf wird «Der Wunschpunsch» gebraut. Kunterbunt-Leiterin Mirca Dalla Piazza hat das Stück frei nach dem Roman von Michel Ende geschrieben und mit über 100 Mädchen und Buben im Alter zwischen 4 und 17 Jahren einstudiert. Nein, nein – nicht alle 100 treten zusammen auf. Da würde die Bühne ja aus allen Nähten platzen. Es gibt drei «Wunschpunsch»-Ensembles, die alternierend spielen.

Tiere in höchster Not

Am Sonntagabend war zum Beispiel die zehnjährige Jasmin Knapp aus Ehrendingen als Schildkröte zu bewundern, wie sie gleich zu Beginn mit Inbrunst mehrfach «vor 100 Johr isch alles viil besser gsi» feststellt – unterstützt von Projektionen, die Umweltkatastrophen andeuten. Rasch wird klar: Der Laborzauberer Professor Irrwitz und seine Entourage tüfteln an einem Punsch, der ihre Wünsche nach Zerstörung der Welt und Ausrottung der Tiere erfüllen soll. In höchster Not versucht der Rat der Tiere, das Unheil abzuwenden ...

Ob es gelingt, das führen in jeder Vorstellung rund 34 Kinder und Jugendliche spannend und temperamentvoll spielend und sprechend, zwischendurch auch tanzend – begleitet von toller Musik – dem staunenden Publikum vor. Dabei sind die grösseren Rollen mehrfach besetzt. Generell treten sämtliche Mitwirkenden als ganz verschiedene Figuren in Erscheinung – unter anderem als Pechvogel Krakel, Kater Maurizio di Mauro, Zentralcomputer, Blumen. Schildkröte Jasmin zum Beispiel ist auch noch als Schneemann, Wassernixe, Buch und Partygast zu erleben. Kyra Dietrich (16) aus Bad Zurzach spielt nebst der hinterhältigen Geldhexe Tyrannia Vampire fünf weitere Rollen: Seit fünf Jahren ist die Bez.-Schülerin auch begeisterte Theaterschülerin.

Diese Begeisterung überträgt sich – kaum ist der Vorhang geöffnet – direkt aufs Publikum. Denn der Feuereifer, mit dem sich alle Akteure, angefangen beim viereinhalbjährigen Nicola Werne aus Schneisingen, in immer wieder anderen Rollen ins Zeug legen, sprüht einen wahren Funkenregen auf die Zuschauer. Dies ebenfalls, weil die Geschichte spannend ist, die Kostüme reizend sind und die «special effects» total aufregend – so wie etwa ein sich selbst ein- und ausschaltender Mixer.

Dem sechsjährigen Zuschauer Myron Hug aus Ennetbaden, der wegen seiner schauspielenden Freundin Dominique Müller ins Theater gekommen war, gefiel die Vorstellung sehr gut. «Bsunders das Aua, wo immer d’Zyt asait.»

Weitere Vorstellungen am 27., 28., 29. März sowie am 8. und 11. April.