Bundesanwaltschaft
Fast 50 Jahre danach: Neue Ermittlungen zum Flugzeugabsturz von Würenlingen?

Die Bundesanwaltschaft prüft, ob der Flugzeugabsturz von Würenlingen im Jahr 1970 neu untersucht werden soll. Dies erklärt die Regierung in der Antwort auf eine Interpellation von Grossrätin Jeanine Glarner (FDP).

Jörg Meier
Merken
Drucken
Teilen
Flugzeugabsturz in Würenlingen (1970)
10 Bilder
Am 21. Februar 1970 explodierte - kurz nach dem Start - im Frachtraum einer Swissair-Maschine eine Bombe. Sie soll von palästinensischen Terroristen stammen.
Trümmerteile des Swissair-Flugzeuges liegen verstreut im Wald in der Nähe von Würenlingen.
Passanten sehen sich die Trümmer des Flugzeuges an.
Der Captain versuchte nach der Detonation zum Flughafen Kloten zurückzufliegen. Die Maschine stürzte jedoch bei Würenlingen in einen Wald ab.
Die 38 Passagiere und die 9 Besatzungsmitglieder kamen bei dem Absturz ums Leben.
Die Trümmer der Maschine.
Die Trümmer der Maschine.
Am 7. März 1971 wird an der Absturzstelle im Wald von Würenlingen eine Gedenkstätte eingeweiht. Sie besteht auch heute noch.
Ein Wegweiser führt in Würenlingen zum Denkmal bei der Absturzstelle im Wald.

Flugzeugabsturz in Würenlingen (1970)

KEYSTONE

Am 21. Februar 1970 explodierte im Frachtraum einer «Coronado» der Swissair eine Bombe. Das Flugzeug stürzte bei Würenlingen ab. Alle 47 Passagiere und Crew-Mitglieder kamen beim Absturz ums Leben. Als Hauptverdächtige galten zwei Mitglieder einer palästinensischen Terrorgruppe. Zu einem Prozess ist es aber nie gekommen; im Jahr 2000 wurden die Ermittlungen eingestellt.

Nachdem neue Dokumente aufgetaucht sind, zwei Bücher viele Fragen aufwerfen und auch verschiedene Politiker auf Bundesebene aktiv geworden sind, klärt nun die Bundesanwaltschaft, ob die Ermittlungen wieder aufgenommen werden sollen.

Auf kantonaler Ebene hat FDP-Grossrätin Jeanine Glarner eine Interpellation zum Thema eingereicht. Sie hält fest, dass die Hinterbliebenen der Opfer bis heute keine Gerechtigkeit erfahren hätten. 2016 hat der Regierungsrat den Bundesrat gebeten, die Vorgänge rund um den Terroranschlag zu untersuchen.

Ob die Regierung seither in dieser Angelegenheit wieder etwas unternommen habe, will Glarner wissen. Und ob der Regierungsrat mit der Arbeit der Untersuchungskommission zufrieden sei. Man habe nichts weiter unternommen, heisst es in der Antwort zur Interpellation. Man nehme das Ergebnis zur Kenntnis, dass es kein geheimes Abkommen zwischen der Schweiz und der PLO gegeben habe.

Vertiefte Abklärung nötig

Der Regierungsrat ist aber der Auffassung, dass alles darangesetzt werden muss, damit die neuen und offenen Fragen lückenlos geklärt werden. Aus diesem Grund habe man auch
bereits 2016, nach dem Erscheinen der Bücher von Marcel Gyr und Arthur Schneider, den Bundesrat aufgefordert, die Vorgänge des Flugzeugabsturzes in geeigneter Form aufzuarbeiten.

Der Bundesrat habe bestätigt, dass eine vertiefte Aufklärung des Bombenanschlags zur Wahrheitsfindung und aus Achtung gegenüber den Opfern und ihren Hinterbliebenen als notwendig erachte.

Glarner möchte zudem wissen, ob der Fall nach dem Auftauchen bisher geheimer FBI-Dokumente von der Bundesanwaltschaft neu aufgerollt werden müsste. Man unterstütze jegliche Bemühungen der Strafverfolgungsbehörden, schreibt die Regierung. Laut der Bundesanwaltschaft werde das Ersuchen um die Wiederaufnahme des Strafverfahrens «Würenlingen» zurzeit bearbeitet. Weiter könne und werde der Aargauer Regierungsrat nichts unternehmen. Denn es liege nicht in seiner Zuständigkeit, selber weitere Untersuchungen zu initiieren oder gar durchzuführen.

1970: Flugzeugabsturz in Würenlingen
19 Bilder
Die beiden Buchautoren Arthur Schneider und Marcel Gyr thematisierten den Flugzeugabsturz in Würenlingen.
Arthur Schneider an der Buchvernissage in Würenlingen: «Warum erhalten die Angehörigen keine Entschuldigung?»
Trümmerteile des Swissair-Flugzeuges liegen verstreut im Wald in der Nähe von Würenlingen.
Am 21. Februar 1970 explodierte - kurz nach dem Start - im Frachtraum eine Bombe. Sie war von palästinensischen Terroristen gelegt worden.
Passanten sehen sich die Trümmer des Flugzeuges an.
Der Captain versuchte nach der Detonation zum Flughafen Kloten zurückzufliegen. Die Maschine stürzte jedoch bei Würenlingen in einen Wald ab.
Die 38 Passagiere und die 9 Besatzungsmitglieder kamen bei dem Absturz ums Leben.
Vor der Pressekonferenz der Eidgenössischen Flugunfallkommission zum Absturz Ein Mitarbeiter vom Wissenschaftlichen Dienst der Zürcher Stadtpolizei mit dem Flugschreiber.
Pressekonferenz der Eidgenössischen Flugunfall-Kommission Dr. Jakob Meier vom Wissenschaftlichen Dienst der Zürcher Stadtpolizei zeigt das grösste Trümmerteil.
Die Trümmer der Maschine.
Die Trümmer der Maschine.
Ehrenzermonie nach der Ankunft der Körper der israelischen Opfer auf dem Flughafen Lod inahe Tel Aviv am 6. März 1970.
Links ein neuer, rechts der in den Trümmern gefundene, zerstörrte Höhenmesser, der die Explosion im Frachtraum auslöste.
Ein Wegweiser führt in Würenlingen zum Denkmal bei der Absturzstelle im Wald.
In der Tonhalle in Zürich fand am 26. Februar 1970 eine Trauerfeier statt.
Die Bundesräte Roger Bonvin (links) und Ernst Brugger (rechts) bei der Trauerfeier in der Tonhalle in Zürich.
Bei Würenlingen wird am 7. März 1971 an der Absturzstelle eine Gedenkstätte eingeweiht.
Die Gedenkfeier am 18. Februar 1990 beim Denkmal auf der Absturzstelle.

1970: Flugzeugabsturz in Würenlingen

Keystone/Alex Spichale