Waldshut
Fasnachtsplakat mit gespreizten Frauenbeinen erregt die Gemüter

Zwei Beine auf einem Plakat haben die Gemüter in Waldshut (D), das an der Schweizer Grenze liegt, erregt. Die Narro-Zunft hat ihre Saal- und Strassenfasnacht in diesem Jahr unter das Motto Reeperbahn gestellt. Darauf aufmerksam machten die Narren auf großen Plakaten mit zwei gespreizten und in Netzstrümpfe gehüllte Frauenbeine. Blaue Balken kaschieren inzwischen die frivole Darstellung.

Kai Oldenburg
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Das Originalplakat

Das Originalplakat

Südkurier
Fasnachtsplakat erregt Gemüter in Waldshut

Fasnachtsplakat erregt Gemüter in Waldshut

Südkurier/Kares Julian

Reeperbahn. So kurz und knackig lautet das Motto der Waldshuter Fasnacht. Und knackig ist inzwischen auch die Kritik daran. Und sie wurde in den vergangenen Tagen offensichtlich immer lauter. So laut, dass die Verantwortlichen der Narro-Zunft das aus Sicht der Kritiker frivole Werbeplakat kurzerhand überklebt haben.

In einer Stellungnahme erklären die Narren mit Verweis auf die derzeit große Debatte zum Thema Sexismus (#MeToo): „Die Narro-Zunft Waldshut unterstützt diese Debatten und positioniert sich klar gegen jegliche Form von Sexismus und sexueller Gewalt.“

Der Stein des Antoßes, das Werbeplakat der Narro-Zunft für die bevorstehende Fasnacht, ist dem Eingangsbereich der bekannten Kneipe „Zur Ritze“ auf der Reeperbahn in Hamburg nachempfunden. Zwei gespreizte Frauenbeine in Netzstrümpfen.

Vielzahl von Beschwerden

Der Intimbereich ist mit einem symbolisierten Herz mit dem Wort Reeperbahn verdeckt. Das Bild prangt nicht nur auf den großen Plakaten, die in der Waldshuter Innenstadt aufgestellt sind, sondern ist auch auf Flyern und Tischsets zu sehen.

Auch wenn die als Vorbild dienende Kneipe auf St. Pauli „Kultstatus“ habe, wie die Narren schreiben, räumen sie zum Thema Reeperbahn ein: „Natürlich wird dort in einigen Bars und Bordellen auch ein Frauenbild gezeigt und gelebt, dass als sexistisch kritisiert werden kann. Auch die Malerei von Erwin Ross (Türbild der Ritze, d. Red.) ist kritisch zu betrachten. Dieser Zwiespalt ist uns sehr wohl bewusst.“

Offensichtlich nicht ganz so bewusst waren den Narren mögliche Reaktionen. Diese kamen bei ihnen selbst, wie auch bei der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Waldshut, Anette Klaas, an. Sie sagt auf Anfrage: „Hier fehlt ein angemessenes Takt- und Fingerspitzengefühl gegenüber Mitbürgerinnen und -bürgern, die sich, egal mit welchem kulturellen Hintergrund, in der Mehrzahl durch das Plakat verletzt und belästigt fühlen.“ Zudem vermittle das Plakat „ein falsches Frauenbild unserer Gesellschaft“.

Nachdem bei ihr eine „Vielzahl von Beschwerden“ eingegangen seien, habe sie sich in ihrer Funktion gezwungen gesehen, zu reagieren. In einem Brief an die Narro-Zunft, habe sie dringend darum gebeten, die Plakate entsprechend zu überkleben.

Denn: „Es liegt in meinem Aufgabenbereich nach dem Chancengleichheitsgesetz, auf sexistische Werbung hinzuweisen und gegen herbwürdigende Darstellungen von Frauen vorzugehen.“ Dies habe sie auch den Narren so geschrieben.

Narren reagieren auf Kritik
Ihr Appell an die Narren zeigte bereits wenige Stunden später Wirkung. Allerdings erklären die Narren in ihrer Stellungnahme auch, dass es in der Natur der Sache liege, dass Narren provozierten und den Finger in die Wunde legten.

Auch halte der Narr seit jeher der Welt den überzeichneten Spiegel vor. Und abschließend: „Dies sollte auch in diesem Zusammenhang geschehen. Daher freut es uns, wenn wir mit unserem Motto und unseren Plakaten polarisieren und zum Nachdenken anregen können.“