Hochstaplerin
Falsche Ärztin war nur kurz im Aargau tätig – in Menziken und Bad Zurzach

Eine 51-jährige Deutsche hat jahrelang als falsche Ärztin in der Schweiz gearbeitet. Ein Gastspiel hatte sie auch in der Reha-Clinic Bad Zurzach und im Spital Menziken. An beiden Orten war sie je knapp drei Monate tätig.

Pascal Meier
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Der Fall tönt unglaublich: Eine Krankenschwester ohne Medizinstudium steigt in der Schweiz die Karriereleiter hoch und schafft den Sprung von der Assistenz- zur Oberärztin. Seit 2008 arbeitete die Frau aus Bayern laut «Tages-Anzeiger» in den Kantonen Aargau, Zürich, Zug und Thurgau in fünf Kliniken und einer Praxis.

Dabei soll es zu mehreren Zwischenfällen gekommen sein, ein Fall im Kanton Zug endete mit dem nicht restlos geklärten Tod einer Frau. Die Zuger Staatsanwaltschaft ermittelt.

Im Kanton Aargau war die Hochstaplerin in der Reha-Clinic Bad Zurzach und im Spital Menziken tätig, allerdings jeweils sehr kurz.

«Die Frau hat im Sommer 2009 drei Monate bei uns im 60-Prozent-Pensum gearbeitet», bestätigt Alfred Zimmermann, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Asana-Gruppe, zu der das Spital Menziken gehört.

«Sie war jedoch nicht als Ärztin tätig, sondern als Anästhesiepflegerin – jenem Beruf, den sie laut Urkunden erlernt hatte.» Es sei jedoch nicht ausgeschlossen, dass die kopierten Urkunden gefälscht waren.

Auch drei Monate in Bad Zurzach

Mit einem blauen Auge davongekommen ist auch die Reha-Clinic Bad Zurzach. Dort hatte die Bayerin 2009 knapp drei Monate als Assistenzärztin gearbeitet. «Das Arbeitsverhältnis wurde in der Probezeit aufgelöst», sagt Blandina Werren, Sprecherin der Reha-Clinic.

«Die Frau hat im Bewerbungsdossier unter anderem eine in Berlin beglaubigte Kopie ihrer Ärzte-Approbation beigelegt, die Originale jedoch trotz wiederholter Aufforderung nicht nachgereicht.»

Während der Anstellung sei es zu keinen Zwischenfällen gekommen. «Bei uns werden Assistenzärzte in der Probezeit eng durch einen Kaderarzt begleitet», so Werren.

Im September 2012 flog alles auf

In der Zwischenzeit hat die falsche Ärztin in weiteren Kliniken in der Schweiz gearbeitet – bis sie im September 2012 als Oberärztin der Psychiatrischen Klinik Meissenberg auffliegt.

Ein junger Assistenzarzt, der von Zurzach nach Meissenberg gewechselt hatte, äusserte sich gegenüber der Klinikleitung kritisch über die heute 51-jährige Frau.

Aktiv geworden ist auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG), viel passiert ist aber noch nicht.

So hat die falsche Ärztin vor zwei Wochen am Bodensee erneut eine Stelle als Notärztin angetreten. Inzwischen wurde sie wieder entlassen.