Leuggern
Fallender Heiland und alles tutti kaputti bei der Freizeitbühne

Die Kirchspieler Freizeitbühne 87 sorgt mit dem turbulenten Lustspiel «Au das no!» in der Mehrzweckhalle Leuggern für viel Vergnügen. Bald gastiert die Truppe auch im Fricktal.

Rosmarie Mehlin
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Zwei Martins im selben Zimmer (Beni Minder (links) und Nejat Emerk
10 Bilder
Szenenbild mit Mirjam Emmenegger, Ruedi Emmenegger, Ida Schärz und Müggi Kamber (v
Liebenswert und schlitzohrig Jrène Vögeli als Putzfrau (2)
Ein Küsschen eines Hotelgastes (Nejat Emek) in Ehren kann auch eine Nonne (Vreni Knecht) nicht verwehren
Ein Dream Team Jrène Vögeli und Giorgio Sebastiani
Due Putzfrau (Jrène Vögeli) und ihre Chefin (Daniela Balrdin)
Fallender Heiland und alles tutti kaputti bei der Freizeitbühne
Der Klosterschüler (Beni Minder) und der Portier (Giorgio Sebastiani)
Der Makler als Gast (Neja Emek) und der Portier als Mädchen für alles (Giorgio Sebastiani)
Auch Annemarie Keusch (Mirjam Emmenegger9 ist in einer vertrackten Lage

Zwei Martins im selben Zimmer (Beni Minder (links) und Nejat Emerk

Rosmarie Mehlin

Lustspiele sind immer auch Labyrinthe: Die Zuschauer werden kreuz und quer durch Verwechslungen und Missverständnisse geführt, wobei das Ganze zumeist gepfeffert ist mit Seitensprüngen und (Not-)lügen. Das ist auch der Fall im Schwank «Au das no!» aus der Feder eines gewissen Ronny Sunters, den die Kirchspieler Freizeitbühne 87 dem Publikum jetzt in der Mehrzweckhalle Leuggern serviert.

Schon der Titel verrät, dass das Stück zusätzlich mit ganz besonderen Ingredienzien abgeschmeckt ist. Es sind dies etwa Kloster, Betrug und Schwarzgeld. Aufgetischt wird das Ganze im einzigen bewohnbaren Zimmer eines total maroden Hotels im Tessin. Peter (Gilberto Boazzo) und Madelaine Feller (Daniela Balardin) haben das Etablissement offensichtlich ohne vorgängige Besichtigung erworben. In diesem «du Lac» gibt es kein fliessendes, dafür in den allermeisten Räumen stehendes Wasser und die Lage des Hauses mit freiem Blick auf den See ist deshalb «unverbaubar», weil rundherum bereits alles verbaut ist. Die drei Gäste, die je ein Zimmer reserviert haben, werden allesamt in derselben «Suite» einquartiert; turbulente Komplikationen zwischen Bett und Bad sind vorprogrammiert.

Mönch oder Liebhaber?

Erschwert wird alles zusätzlich durch die Tatsache, dass die beiden männlichen Gäste denselben Vornamen haben: Zum zwielichtigen Makler und Lebemann Martin Schock (ausgezeichnet gespielt von Nejat Emek), gesellt sich der junge Martin Nägeli (Beni Minder), der es sich mit dem Entscheid ob Kloster- und Liebesleben schwer tut. Dessen Freundin Annemarie Keusch (Mirjam Emmenegger), die ihn verständlicherweise für das Zweite gewinnen will, macht als dritter Gast das Chaos komplett. Dazu, dass das ganze Kuddelmuddel immer turbulenter wird, sorgen nebst einer Nonne (Vreni Knecht) ganz intensiv die Putzfrau und er Portier des Etablissements. Jrène Vögeli und Georgio Sebatiani sind ein «Dream Team». Mit umwerfendem italienischem Akzent – «in Simmer isch tutti kaputti», «Dutschi Svizzeri immer dummi Schnurre» – sowie viel mimischem und gestischem Talent, sorgen sie immer wieder für neue Highlights im Geschehen. Vögeli tut dies vor allem mit ebenso liebenswerter, wie mitreissender Schlitzohrigkeit, Sebastiani mit stimmgewaltigem Temperament.

Ins adäquat maroden Bühnenbild hat Regisseur Markus Schmid das Geschehen einfallsreich in Szene gesetzt mitsamt einem, bei geringster Erschütterung vom Haken fallenden Heiland-Bildnis. Für zusätzliche Verwirrungen sorgen Martin Schocks Frau (Müggi Kamber), sein Chef und dessen Frau (Ruedi Emmenegger und Ida Schärz) sowie ein Geschäftsmann (Kurt Lustenberger). Sie alle haben, man sieht›s und hört›s, nicht nur fleissig geprobt, sondern auch so richtig den Plausch am Spielen. Das Stück überzeugt vor allem im 1. und 2. Akt, während die Handlung gegen das Ende hin etwas ausufert. Auch fehlt es dem 3. Akt an Pointen, wie viele sehr gelungene das Publikum bis zur zweiten Pause herzhaft bis schallend zum Lachen bringen.

Weitere Vorstellungen in der Mehrzweckhalle Leuggern am 13., 14., 20. und 21. März sowie am 27. und am 28. März in der Mehrzweckhalle Ittenthal.