Klingnauer Goldfund
«Fall kann komplett neue Wendung nehmen»: Zwei Personen fordern Goldbarren im letzten Moment

Die fünfjährige Meldefrist für den rechtmässigen Eigentümer der Klingnauer Goldbarren ist abgelaufen. Doch das Gold bleibt vorläufig beim Fundbüro. Zwei Personen haben einen Anspruch angemeldet. Die Regionalpolizei muss dies nun überprüfen.

Philipp Zimmermann
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Die Goldbarren lagen in einem weissen Plastiksack hinter dem Strauch links vom Kandelaber.

Die Goldbarren lagen in einem weissen Plastiksack hinter dem Strauch links vom Kandelaber.

Philipp Zimmermann/Kapo AG

In der Nacht auf Donnerstag, um Mitternacht, ist die fünfjährige Meldefrist für den rechtmässigen Eigentümer der 2,6 Kilogramm Goldbarren abgelaufen, die zwei Gemeindeangestellte am 28. Juni 2012 in Klingnau gefunden hatten. Fast im letzten Moment haben sich noch zwei Personen beim regionalen Fundbüro gemeldet, die einen Anspruch auf das Gold stellen, das zirka 100’000 Franken wert ist. Das Fundbüro wird von der Regionalpolizei Zurzibiet geführt.

«Letzte und diese Woche haben zwei Personen ihren Anspruch auf den Goldfund geltend gemacht», sagt Polizeichef René Lippuner. Die eine Person sei persönlich beim Posten im Klingnauer Städtchen vorbeigekommen, die andere habe sich per Telefon gemeldet.

Genauere Angaben über die Leute, etwa ob sie in der Schweiz oder im Ausland wohnhaft sind, macht Lippuner nicht. Klar ist dagegen: «Beide Personen stellen Anspruch auf alle zehn Barren», wie Lippuner ausführt. Das war nicht bei allen Personen so, die sich wegen des Fundes meldeten. Die az kennt einen Mann, der nach Publikwerden des Funds überprüfen liess, ob einer der beiden 1-Kilogramm-Barren sein Eigentum ist. Das konnte ausgeschlossen werden.

Die zwei Personen haben nun bereits erste Unterlagen als Beweise eingereicht. «Diese sind aber noch nicht vollständig», sagt Lippuner. Das sei auch nicht nötig gewesen. Es reiche, den Anspruch anzumelden, weitere Unterlagen könnten nachgereicht werden. Ergibt sich ein Zusammenhang mit einem Delikt, müsse auch die Staatsanwaltschaft wieder in die Abklärungen miteinbezogen werden. In diesem Fall ist es naheliegend, dass das Delikt noch nicht angezeigt wurde. Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach hatte nach dem Goldfund nämlich überprüft, ob ein Zusammenhang mit einem bekannten Delikt steht – ohne Erfolg.

Lippuner stellt klar: «Es sind nun umfangreiche Ermittlungen nötig, um die Eigentumsansprüche zu klären.» Die Überprüfungen könnten noch länger dauern, sprich Wochen oder gar mehrere Monate. «Wir müssen sämtliche verfügbaren Dokumente prüfen.» Völlig abwegig scheinen die Ansprüche der beiden Personen damit nicht zu sein. «Der Fall kann eine komplett neue Wendung nehmen», sagt der Polizeichef.

Hier wurden 2012 die Goldbarren entdeckt: Der Fundort befindet sich an einem Fussweg zwischen Bahnlinie und Umfahrungsstrasse.
13 Bilder
Dieses Bild von den Goldbarren veröffentlichte die Kantonspolizei, als der Fund im Juli 2013 publik wurde.
In dieser Kuhle lag der Plastiksack mit den in Seidenpapier verpackten Goldbarren.
Nach dem Fund machte einer der Finder dieses Handybild von einem 50-Gramm-Goldbarren.
In Klingnau gab es zwei grosse Goldfunde: 2012 fanden zwei Gemeindearbeiter 2,6 Kilogramm Goldbarren, 1905 hatten Holzhauer im Wald 829 Goldmünzen ausgegraben.
So sieht die Kuhle fast fünf Jahre später aus.
Hinter dem Strauch links vom Kandelaber lagen die Goldbarren in einem Plastiksack, als die beiden Gemeindemitarbeiter sie fanden.
Hinter diesem Strauch lag der Plastiksack mit dem Gold – wie lange, ist unklar.
Der Fundort liegt am Friedhofweg, doch der Friedhof befindet sich 300 Meter weit entfernt.
Der Fundort befindet sich am Friedhofweg. Dieser führt bei der Unterführung vorne links zum damaligen Standort der Poststelle (die später aufgehoben wurde), rechts zum Friedhof.
Rot markiert (Bildmitte) der Lichtmast beim Fundort. Der Fundort liegt neben der Umfahrungsstrasse, die am Klingnauer Städtchen vorbeiführt. Der Grenzübergang Koblenz-Waldshut ist nur 4,5 Kilometer entfernt.
So sieht es beim Fundort nachts aus.
Der Fundort im Juni 2017.

Hier wurden 2012 die Goldbarren entdeckt: Der Fundort befindet sich an einem Fussweg zwischen Bahnlinie und Umfahrungsstrasse.

Philipp Zimmermann/Kapo AG/Montage_az

Umstrittene Rechtslage

Wem händigt das Fundbüro die Goldbarren aus, falls sich die Hoffnungen dieser beiden Personen zerschlagen – der Gemeinde oder den Findern? «In diesem Fall würden wir die Rechtslage nochmals prüfen», sagt Lippuner. Weiter will er sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht äussern und erst die weiteren Abklärungen abwarten. Die Aussagen der Rechtsprofessoren in der az hat er zur Kenntnis genommen.

Laut dem juristischen Gutachten, das die Gemeinde Klingnau in Auftrag gab, würde sie das Gold erhalten, wenn der Eigentümer nicht festgestellt werden kann. Dieser Standpunkt ist allerdings umstritten. Von der az befragte Arbeitsrecht-Experten halten fest, dass die Rechtslage zumindest unklar ist. Roland Müller, Professor in St. Gallen und Bern, legte sich gar fest: «Die Gemeindemitarbeiter werden nach fünf Jahren Eigentümer der Goldbarren.» Roger Rudolph, Arbeitsrechts-Experte und Lehrbeauftragter der Universität Zürich, sprach von einer «offenen Rechtslage».

Der Gemeinderat hatte bereits beschlossen, den beiden Findern einen «angemessenen Finderlohn», der ihnen von Gesetzes wegen zustehe, auszuzahlen. Als Faustregel würden 10 Prozent des Verkaufserlöses gelten. An der letzten Gmeind sprach sich ein Bürger dafür aus, den Finderlohn «von 10 auf wenigstens 20 Prozent zu erhöhen». Der Gemeinderat will abwarten, bis alle möglichen Eigentumsansprüche geklärt sind und kündigte an, im Sommer einen Entscheid zu treffen.

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