Felsenau
Ex-Schwinger Hiltbrunner: «Wir leben doch wie die Maden im Speck»

Er ist Ex-Spitzenschwinger, Imker, Segelflieger und Pilzsammler? Arnold «Noldi» Hiltbrunner freut sich am Leben und an seinen zahlreichen Freizeitbeschäftigungen.

Angelo Zambelli
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Arnold «Noldi» Hiltbrunner liebt es, von seinem Segelflugzeug durch die Luft getragen zu werden.

Arnold «Noldi» Hiltbrunner liebt es, von seinem Segelflugzeug durch die Luft getragen zu werden.

Angelo Zambelli

Wer kann schon von sich behaupten, Imker, ehemaliger Spitzenschwinger, Segelflieger und Pilzsammler in Personalunion zu sein? Arnold «Noldi» Hiltbrunner kann es. Das Wohl der Bienen liegt ihm seit seiner Kindheit, die er auf dem elterlichen Bauernhof in Etzwil verbracht hat, am Herzen. Auch heute noch beschäftigt sich Hiltbrunner intensiv und sehr gerne mit Bienen. «Die Imkerei nimmt rund 60 Prozent meiner Freizeit in Anspruch», sagt der seit acht Jahren pensionierte Versicherungsfachmann. Bei der Imkerei könne er am besten abschalten und sich erholen. «Als ich noch arbeitete, habe ich die Bienenvölker jeweils in aller Herrgottsfrühe besucht. Es gibt nichts Schöneres, als den Morgen mit all seinen wunderbaren Eindrücken in Gesellschaft von Bienen zu erleben.»

Nach seiner Pensionierung baute Hiltbrunner die Imkerei weiter aus. Heute besitzt er ein Bienenhäuschen im Döttinger Rebberg und ein weiteres in der Nähe des Antonihofs in Hettenschwil.

Siege an mehreren Schwingfesten

Älteren Sportsfreunden ist Noldi Hiltbrunner als Spitzenschwinger bekannt. Das Niveau eines Karl Meli oder Ruedi Hunsperger konnte er zwar nicht erreichen; zu ein paar eidgenössischen Kränzen hat es dennoch gereicht. «Mein bestes Resultat war der 4. Rang beim Eidgenössischen Schwingfest 1969 in Biel», erinnert sich Hiltbrunner. Hinzu kommen einige Siege bei kantonalen Schwingfesten.

«Noldi» Hiltbrunner im Sägemehl.

«Noldi» Hiltbrunner im Sägemehl.

ZVG

Den Schwingsport sieht er als ideale Freizeitbeschäftigung für junge Menschen, «weil man lernt, auf die Zähne zu beissen, wenns mal nicht gut läuft. Aber auch, weil man lernt, sich mit fairen Mitteln durchzusetzen.» Noldi Hiltbrunner kam erst mit 18 Jahren zum Schwingsport. «Eigentlich zu spät», räumt er selbst ein. Mit seinen 183 Zentimetern hatte er kein Gardemass für den Schwingsport. Dennoch sind viele schöne Erinnerungen an die Zeit auf den Schweizer Schwingplätzen geblieben. «Zum Glück habe ich keine körperlichen Beschwerden. Das ist mein grösster Erfolg im Schwingsport», bilanziert Hilbrunner.

Neben der Imkerei hat sich der 69-Jährige ein weiteres Hobby zugelegt, das mit Fliegen zu tun hat. Er liebt es, sich vom Wind davontragen zu lassen. «Es begann mit der Modellfliegerei», erinnert sich Hiltbrunner. Es sei immer sein Traum gewesen, mit einem richtigen Segelflugzeug zu fliegen. Seit 24 Jahren ist dieser Traum Wirklichkeit. Als Mitglied der Segelfluggruppe «Chestenberg» fliegt er regelmässig kreuz und quer durch die Alpen. Werde dieser Sport gewissenhaft betrieben, sei er nicht gefährlicher als andere Freizeitbeschäftigungen, sagt Hiltbrunner.

Arnold Hiltbrunner: «Ich hatte auch schon Begleitung von Adlern und Bartgeiern.»

Arnold Hiltbrunner: «Ich hatte auch schon Begleitung von Adlern und Bartgeiern.»

Angelo Zambelli

Allerdings müsse man gut ausgebildet sein und sich seriös auf die Flüge vorbereiten. Hiltbrunner schätzt nicht zuletzt die Begegnungen mit anderen Königen der Luft: «Ich hatte auch schon Begleitung von Adlern und Bartgeiern. Das sind ganz besondere Eindrücke, die man bei so einem Flug auf die Erde mitnimmt.» Faszinierend sei aber auch das Spiel mit dem Wind, erzählt Hiltbrunner mit leuchtenden Augen, das lautlose Schweben durch die Lüfte, das Hinaufschrauben in einem Aufwind und – vor allem – die Sicht auf die Alpen, die bei guten Bedingungen auch mal von Frankreich bis Slowenien traversiert werden.

Pilzsammeln mit Madeleine

Und da wäre auch noch das Pilzsammeln als Freizeitbeschäftigung des Vielbeschäftigten, der von sich sagt, er könne «durchaus Mal mal ruhig hocken». Meistens aber zieht es ihn hinaus in die Natur. Bevorzugtes Terrain beim Pilzsammeln, das er zusammen mit seiner Frau Madeleine betreibt, ist der nahe Schwarzwald. Aber auch das Kirchspiel sei bezüglich Pilze einiges zu bieten, so wie das Leben allgemein, philosophiert der 69-Jährige mit den schlohweissen Haaren und dem wachen Blick. «Seien wir ehrlich: Wir leben in der Schweiz doch wie die Maden im Speck. Uns geht es gut, mir geht es gut. Was will ich mehr. Wichtig ist, dass ich gesund bleibe und mich mit meiner Frau zusammen weiterhin am Leben und an meinen Freizeitbeschäftigungen freuen kann.»

Was Arnold «Nodi» Hiltbrunner auch noch braucht, sind gesunde Bienenvölker, viel und guten Wind beim Segelfliegen und eine Menge Pilze im Wald, die nicht von Würmern befallen sind, damit er sie ernten und auch kochen kann.